Erstes mal

Mein erster Eintrag in diesen Blog, den wohl eh niemand lesen wird, aber das ist nicht so schlimm. Ich mache den vor allem für mich. Weil in meinem Leben so viel passiert, das ich niemandem erzählen kann. Das hat viele Gründe. Daher werde ich mal ein bisschen erzählen, wie ich so lebe, dann versteht ich mich besser.

Vor fast 4 Jahren habe ich ein Auslandssemester in Mendoza, Argentinien, gemacht, sehr, wirklich sehr viel Fleisch gegessen, und bin danach 7 Wochen alleine durch Südamerika gereist. Ich war lange in Patagonien wandern, dann ein bisschen an der chilenischen Küste, in der Atacamawüste, in Salta, Buenos Aires und in Peru. Wenn man alleine reist, hat man viel Zeit. Also habe ich angefangen, Dokumentation anzusehen. Und bin irgendwie beim Thema Ernährung hängen geblieben. Als ich wieder in Deutschland war, entschied ich, 3 Monate auszuprobieren, vegan zu leben. Und aus 3 Monaten wurden inzwischen 3,5 Jahre. Falls von euch auch jemand vegan lebt, dann wisst ihr, dass man bei manchen Themen auf totales Unverständnis stößt, auch bei langjährigen Freunden. Man hat sich quasi selbst an den Rand der Gesellschaft gedrängt und gehört jetzt zu einer Minderheit. Und darin besteht die eigentliche Schwierigkeit des veganen Lebens. Nicht etwa, auf Inhaltsstoffe zu achten oder im Restaurant etwas zu essen bekommen. Das schwierigste ist echt, dass man sich ständig mit anderen auseinandersetzen muss und immer irgendwie „anders“ ist. Mich belastet das manchmal. Aber umso mehr liebe ich es, Zeit mit meinen veganen Freunden zu verbringen.

Als ich 14 war und meinen ersten Tanzkurz in der Tanzschule gemacht habe, habe ich dort ein Mädchen kennengelernt. Sie hieß Lisa und wir waren lange unzertrennlich. Irgendwann haben wir uns geküsst. Und ich habe mich verliebt. Sie sich leider nicht, aber das war nicht so schlimm. Seitdem war klar, dass ich nicht nur Männer mag. Das Geschlecht und die sexuelle Identität sind mir erst mal vollkommen egal. Es geht um die Person. Wenn jemand liebenswert ist, ist er liebenswert. Da wir ein einer unglaublich homogenen Heterowelt leben, waren ein Großteil meiner sexuellen Kontakte Männer, aber das lag immer eher daran, dass man die eben viel leichter kennenlernt. Nichtsdestotrotz vermisse ich es manchmal, mit einer Frau zu schlafen. Da unsere Gesellschaft immer noch ein bisschen an sich zu arbeiten hat in Bezug auf Offenheit und Toleranz gegenüber nicht-heterosexuellen, ist das der zweite Grund, warum ich nicht alles allen erzählen kann.

Ich lebe nicht monogam. Da gibt es so ein paar Begriffe – Polyamorie, Polygamie, offene Beziehungen, Beziehungsanarchismus. Ich bin im Moment in einer festen Beziehung mit einem tollen Mann, der mich berührt. Aber er ist nicht der einzige meinem Leben. Ich mag mehrere Menschen. Manche freundschaftlich, für manche hab ich romantische Gefühle. Manche sehe ich mehrmals die Woche, andere nur ein paar mal im Monat, aber alle regelmäßig. Ich will nicht nein zu etwas sagen, wozu ich gerne ja sagen würde. Deswegen sag ich allen, dass man mich nicht anketten kann und ich mach einfach immer, was mein Bauch und mein Herz mir sagen. Damit kommen insbesondere meine weiblichen Freunde nicht klar. Die sind alle der Meinung ich übertreibe es. Und sind schon genervt wenn ich einen Satz mit „Morgen hab ich ein Date, da freu ich mich voll drauf“ beginne. Sehr schade, wenn man die vielen tollen Dinge, die einem passieren, anderen nicht mehr mitteilen kann.

Ich bin Studentin, aber habe einen tollen Nebenjob, der es mir erlaubt, viel zu reisen. Ich habe wirklich schon deutlich mehr von der Welt gesehen, als andere in meinem Alter. Achja, ich bin Mitte 20 – falls jemand fragt. Alles in allem liebe ich mein Leben, so wie es ist. Ich studiere etwas, das mich wirklich interessiert. Ich bin politisch engagiert. Ich habe ein Netzwerk an Leuten um mich herum, die mir gut tun. Eine Familie, die mir sehr nahe steht. Ich habe Visionen, Lebensträume, Ziele im Leben.

Das einzige, was ich noch suche, ist eine beste Freundin oder ein bester Freund, der sich wirklich für alle facetten meines Lebens interessiert. Der mich nicht verurteilt. Dem ich alles erzählen kann. Und bis ich die oder den gefunden habe, erzähle ich eben euch, was spannendes und erzählenswertes passiert. Und das unter einem anderen Namen, damit ich wirklich so offen sein kann, wie ich das auch bei einem besten Freund wäre.

Liebe Grüße, eure Clara

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hallo Clara,

    Ich kann dich in einigen Punkten sehr gut verstehen! Bin gespannt auf deine weiteren Geschichten!

    Lg,
    Lena

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    1. Avatar von freiesMädchen freiesMädchen sagt:

      Hallo Lena,
      Danke! Das freut mich wirklich zu hören. Mal sehen, wie oft ich das mit dem Bloggen schaffe 🙂
      LG, Clara

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  2. Avatar von Johnny Flash Johnny Flash sagt:

    Hallo Clara
    1) ich habe deinen ersten Eintrag gelesen
    2) deine Einstellung ist gut – du tust das richtige – genieße dein Leben
    alles Liebe, Johnny Flash

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