Es ist schon komisch, dass immer wieder dasselbe passiert. Man lernt jemanden kennen, findet erst mal alles super klasse toll. Der Mensch ist spannend, es macht wirklich Spaß, Zeit mit der Person zu verbringen. Es folgen tolle Unterhaltungen, man fühlt sich gut. Man hat Lust, denjenigen wiederzusehen. Und zwar immer so bald wie möglich. Gerade war das letzte Date vorbei und man will schon nachhaken, wann es denn das nächste gibt. Macht man auch. Und der andere freut sich, denn demjenigen ging’s anscheinend genauso.
Und dann der erste Korb. „Ich brauche etwas Zeit für mich.“ „Ich will eher meine Ruhe heute.“ „Heute nicht.“ Sucht euch was raus.
Total in Ordnung. Jeder braucht mal Zeit für sich. Fühlt sich aber trotzdem kacke an! Vor allem, wenn dann kein Alternativvorschlag kommt, wann man sich stattdessen treffen könnte.
Tja und dann schwingt alles um. Das Hirn rattert. Man macht sich Gedanken. Einem fällt auf, dass man immer selbst derjenige war, der nach den Treffen gefragt hat. Hat das einen Grund? Allgemein hat man überhaupt keine Ahnung, was der andere von einem will. In diesen kack-polygamen-offenen-Dingern weiß das ja eh kein Mensch, außer man redet drüber. (Nicht, dass ich zurück zur Monogame wollen würde. Da besteht kein Zweifel.) Sollte ich drüber reden? Allein dieser Satz „wir sollten mal reden“ ist so unglaublich unsexy! Bäh. Und dann ist das auch noch einer dieser unnahbaren Männer, bei denen man nicht weiß, woran man ist. Aber ich bin jemand, der Klarheit braucht. Bin viel zu emotional und Nähe- und Harmonie-suchend, als dass ich ohne irgendwelche Strukturen und Sicherheiten mich für eine längere Zeit mit jemandem treffen könnte, um intensive Stunden miteinander zu verbringen. Außerdem hab ich Angst, verletzt zu werden. Mich zu verlieben und nicht geliebt zu werden.
Mit Frauen geht mir das übrigens nicht so. Bei Frauen weiß ich normalerweise, woran ich bin. Frauen verbergen ihre Gefühle nicht so. Wenn man sich nicht total doof anstellt, weiß man bei einer Frau eigentlich immer, wie es ihr geht, und auch grob, was sie empfindet. Und bei Frauen bin ich auch selbst nich so zögerlich, einfach zu sagen, was ich fühle. Ich mag das. Diese Unsicherheit – no clue zu haben, was im anderen Menschen vorgeht – ist gar nicht meins. Ich rätsle nicht gerne. Ich fühle mich viel wohler, wenn ich einfach weiß, woran ich bin. Nur dann kann ich mich fallen lassen und Vertrauen schöpfen.
Alles in allem führt das gerade dazu, dass meine Lust, diesen Mann nach einem weiteren Treffen zu fragen, gen null tendiert. Mal sehen, ob und wann sich das wieder ändert. Das ganze wird noch verstärkt, weil mir immer mehr Ähnlichkeiten mit meinem Exfreund auffallen. Und mit dem würd ich im Lebtag nicht nochmal was anfangen.
Ein Hoch auf klare Signale!
Eure Clara
P.S.: Jegliche Pauschalisierungen, wie Männer und Frauen angeblich so sind, basieren sich lediglich auf meine eigenen Erfahrungen und sind natürlich total unfair und selbst ich kenne da tolle Ausnahmen. N. zB. ist alles andere als unnahbar, er redet offen darüber, wie und warum er einen mag oder nicht mag, bei ihm gab und gibt es kein Rätselraten, denn alle Karten sind auf dem Tisch. So würde ich mir das eigentlich immer wünschen. Warum tun sich so viele Männer damit schwer? Warum ist es immer an mir, da irgendwann einzufordern, dass darüber geredet wird, was jetzt Sache ist. (Da war schon die nächste Pauschalisierung.) Oder finden andere das spannend, wenn man in der Schwebe hängt?