Reisemüde

Ich bin seit über 5 Wochen unterwegs. Davon habe ich 2 Wochen gearbeitet, und bin drei Wochen gereist. Eine wunderbare Zeit. Ich habe interessante Menschen getroffen, und wieder viel über mich selbst gelernt. Ich habe wenig gebloggt, weil es wenig gab, worüber ich schreiben wollte oder könnte. Aber es wird Zeit, dass ich mal ein paar Gedanken herunterschreibe.

  1. Die Reiki Massage

Einen Tag nach meiner Ankunft in Japan habe ich mir eine Massage gegönnt. 1,5h Schmerzen. Von den vielen Stunden im Flugzeug und in Bussen, von der körperlichen Arbeit in meinem Job, und vom ganzen Stress gab es so gut wie keinen Muskel in meinem Körper, der nicht verspannt war. Ich war so steif von den ganzen Verspannungen, dass ich kaum mehr meinen Oberkörper drehen konnte und nicht mal mehr mit den Händen auf den Boden kam, wenn ich mich vornüber beugte. Die Masseurin war eine sehr gut ausgebildete Japanerin, die lange Zeit in Hawaii gelebt hatte und daher Elemente der Lomi Lomi-Massage mit der Reiki-Massage verband. Heraus kam etwas, dass schmerzhaft und entspannend und irgendwie spirituell zugleich war. Die Reiki-Masseure glauben daran, dass positive und negative Energien durch unseren Körper strömen und man die negativen Energien mit Massagen lösen kann. Deswegen müssen Reiki-Masseure sehr geerdete Menschen sein, weil die freiwerdenden negativen Energien sonst sie selbst belasten würden. Auf jeden Fall waren bei mir angeblich nicht viele negative Energien zu spüren, sondern mein Körper war einfach müde. Die Masseurin redete viel darüber, dass negative und positive Energien sich anziehen, und dass Leute, die geerdet sind und ein starkes Rückgrat besitzen, Menschen mit Problemen und Sorgen förmlich anziehen. Auch wenn das alles ein bisschen Hokus-Pokus-artig ist, steckt da viel Wahrheit in der Überzeugung. Ich sehe mich selbst (und so empfinden mich auch die meisten Menschen um mich herum) als jemand mit starken Wurzeln, mit festen Überzeugungen. Ich bin kein Problem Mensch, schlage mich mit nichts größerem herum. Ich bin sehr zufrieden mit mir selbst und mit meinem Leben. Ich genieße viel. Mich bringt man nicht so schnell aus der Fassung. Ich bin zwar emotional, lebe jedes Gefühl so richtig, aber ich bin nicht irrational oder übermäßig temperamentvoll. Und ich ziehe gefühlt Leute magisch an, die sich mit irgendwas rumschlagen. Manchmal fühle ich mich ein bisschen wie der Kummerkasten der Welt. Fast jeder, der was von mir will, trägt irgendein Problem mit sich herum, über das er mit mir reden will. Ich bin gerne für andere Menschen da, aber manchmal nervt es mich, wie wenig „sorgenfreie“ Menschen es gibt. Seid doch alle mal ein bisschen glücklicher! (Ich weiß, das ist ein super plumper Aufruf.)

2. Abstinenz…

…tut mir nicht gut. V. ist der Überzeugung, dass Männer nicht ohne Sex leben können, weil sie sonst körperliche Probleme/Schmerzen bekämen. Also mir geht das auch so. Ich hatte in den 5 Woche nur den kurzen sexuellen Kontakt mit meinem Ex, aber ansonsten hab ich komplett abstinent gelebt. Selbstbefriedigt habe ich mich auch nicht, denn in den ersten drei Wochen habe ich mit meiner eigenen Mutter in einem Zimmer geschlafen und seitdem ich durch Japan reise fast immer in Mehrbettzimmern. Heimlich mal bisschen an sich rumspielen geht schon, aber mehr halt nicht. Und dann kommt noch etwas anderes hinzu, und das überrascht jetzt vielleicht einige von euch: Ich bin kein großer Fan von Selbstbefriedigung. Sie langweilt mich. Ich habe ja schon ein paar mal erzählt, wie sehr es mich anmacht und teils sogar befriedigt, andere Menschen zu verwöhnen und zu befriedigen. Das fehlt mir. Mir fehlen nicht die Orgasmen, sondern die nackte Haut der anderen Person, die Nähe, die Stimmung, der Spaß an der Sache, die Lust des oder der anderen. Ich befriedige mich auch daheim nur sehr, sehr selten. Aber so richtig in Stimmung komme ich auch da nicht. Also außer ich erzähle irgendwem davon. Meine Exfreundin und ich hatten mal sowas wie Telefonsex. Sie sagte mir am Telefon, was ich machen sollte, und ich machte das dann. Das war gut! Aber ich war wieder nicht alleine. Also ja. Ich freue mich riesig auf daheim. Ich brauche das.

3. Fernbeziehungen…

…können so oder so ablaufen. Mit den unterschiedlichen Leuten von daheim habe ich auf unglaublich unterschiedliche Art und Weise Kontakt, während ich unterwegs bin. Da das mit F. ja eher so ein Freundschaft Plus Ding ist, setzt sich die Kommunikation eigentlich genauso fort wie daheim: Es gibt eigentlich nur welche, wenn wir uns sehen wollen. Also im Moment so gut wie keine. Wir haben hin und wieder oberlfächlich miteinander geschrieben, aber echt nicht viel. Aber das ist voll okay so, ich vermisse nichts. Ich wüsste auch gar nicht, was ich ihm sonst schreiben sollte.

Dann G. Hachja. G. Das ist sehr interessant. Also wir haben uns ja bisher erst zweimal gesehen, aber wir schreiben jeden Tag fast ununterbrochen miteinander, vorgestern haben wir sogar miteinander geskypt. Ich fühle mich ein bisschen, als würde ich Gefühle für einen Fremden entwickeln. Aber der Mann ist so unglaublich lieb und teilt meine Werte und ist interessant und interessiert und gibt sich Mühe und kann kommunizieren und und und. Also ja. Put your hands up for Guillaume! Ich freue mich sooo darauf, bald mehr Zeit mit ihm zu verbringen.

Die Kommunikation mit V. ist sehr schleppend. Das erste Problem: Sie schreibt nicht gerne. Sprachnachrichten schickt sie mir allerdings auch keine. Das zweite Problem: Sie war eigentlich die komplette Zeit krank, seitdem ich weg bin. Und sie ist ununterbrochen unter Leuten. Warum sollte sie mir also überhaupt schreiben? Wir hatten in der ganzen Zeit eigentlich nur zweimal eine längere Konversation über WhatsApp und das war sehr schön. Beidesmal ging es hauptsächlich um sie und ihre Probleme. Sie ist sehr unzufrieden mit ihrem Leben zur Zeit (nicht nur, weil sie ständig krank ist). Aber so richtig erklären, was das Probelm ist kann oder will sie nicht, eben auch, weil das über WhatsApp nicht so einfach ist. Ich versuche ihr, Hilfestellung zu leisten und Rat zu geben, aber mehr als für sie da sein kann ich eben auch nicht. Jeder ist seines Glückes Schmied. Leider bekomme ich auf die wenigen Fragen und Bitten, die ich äußere, keine wirkliche Reaktion. Und allgemein kann es vorkommen, dass ich eine komplette Woche nichts von ihr höre, obwohl ich mehrmals schreibe. Das ist nicht so schön. Ich fühle mich so ein bisschen unwichtig. Und nicht als Teil ihres Lebens. Eigentlich fühle ich mich gerade gar nicht, als wäre ich in einer Beziehung mit ihr. Und dann wird mir wieder klar, dass wir gar nie darüber geredet haben, was wir eigentlich sind, was wir für eine Beziehung führen. Sind wir überhaupt in einer Beziehung? Hat sie Gefühle für mich? Was erwartet sie von mir? All diese Unwissenheit führte, dass ich ihr gestern eine Email geschrieben habe. Die hörte sich so ein bisschen dramatisch an, aber habt ihr schonmal versucht, undramatisch über eure Gefühle zu schreiben? Es ist unmöglich! Also falls ihr das hinbekommt – Hut ab. Selbst wenn ich etwas gar nicht dramatisch finde, sondern einfach ehrlich darüber schreibe, wie ich mich fühle, hört sich das immer super dramatisch an. Naja. Ich bin mal gespannt, wie sich V. verhält und wie es mit uns weitergeht, wenn ich wieder daheim bin. Denn im Moment habe ich tatsächlich nicht so das Gefühl, dass ich ihr sonderlich wichtig bin oder ihr fehlen würde.

4. Ich bin voll interessant

Früher war ich in Hostels immer erstaunt, was es für interessante Menschen gibt. Heute ist das irgendwie anders herum. Alle sind so bürgerlich und langweilig im Vergleich. Jetzt hören die Leute gespannt mir zu, insbesondere, sobald man die Polybombe hat platzen lassen. Das ist echt verrückt. Aber es macht Spaß, dabei zuzusehen, wie die Leute anfangen ihr eigenes Leben zu überdenken und zu hinterfragen, sobald sie von Poly gehört haben.

5. Ich vermisse meine Freunde

Und zwar sehr. Ich vermisse es, unter Leuten zu sein, die meine Werte teilen. „Normal“ zu sein. Mit anderen zu kochen und speisen, ohne dass totes Tier auf dem Tisch liegt oder es nach totem Fisch stinkt. Über Sex zu reden. Über die Liebe. Über alles! An alle meine Freunde, die das lesen: Ich vermisse euch so unglaublich und ich freue mich soooo dermaßen, bald wieder daheim zu sein und euch alle umarmen zu können, mit euch zu plaudern, mit euch Wein zu trinken, mit euch zu kochen, mit euch zu schlafen, mit euch zu kuscheln, mit euch Filmabende zu machen, mit euch tanzen zu gehen und die Nächte durchzumachen, mit euch rumzualbern, mit euch das Leben zu genießen. Ich vermisse euch echt.

Fühlt euch umarmt und geliebt,

Eure Clara

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