Letzte Woche bekam ich eine Sprachnachricht meiner Exfreundin. Sie hatte meinen Blog gelesen und da sie mich ja kennt, konnte sie sich viele der Szenen so gut vorstellen, dass sie sich mir ganz nah fühlte – und mich unbedingt wiedersehen wollte. Wir verabredeten uns auf einen Hafercappuccino bei mir. Es würde das erste mal sein, dass wir uns seit unserer Trennung persönlich wiedersehen. Und die ist über ein halbes Jahr her. Als sie am Samstag die Treppe zu meiner WG hinaufstieg, freute ich mich wirklich, sie wiederzusehen. Ich mag sie immer noch. Ich weiß zwar, warum es gut ist, dass wir nicht mehr zusammen sind. Aber die Dinge, die mir damals an ihr gefallen haben, die gefallen mir immer noch an ihr. Ich mag ihre blauen Augen, ihren kurvigen Körper. Ich mag es, dass sie größer ist als ich, ich mich trotzdem stark fühle in ihrer Gegenwart. Ihr bin ich immer auf Augenhöhe begegnet. Ich mag das Gefühl, von ihr für ein paar Dinge bewundert zu werden, obwohl sie fünf Jahre älter ist als ich. Ich mag mich selbst, wie ich mich in ihrer Gegenwart verhalte. Wie ich ständig irgendwelche Leidenschafts- und Begeisterungsausbrüche habe. Das passiert mir bei ihr öfter als bei anderen Menschen. Ich finde ihre konservative Art süß und ihre verruchte Ader sexy. Ich mag die Ambivalenz ihrer Person. Ich mag ihre Ehrlichkeit, und dass sie viel Zeit dafür aufwendet, sich selbst zu reflektieren. Und ich empfinde sie einfach unglaublich anziehend. Ich fand, sie war am Samstag viel zu konservativ angezogen mit ihrer Perlenkette und der Anzughose und den tausend Lagen. Ich wollte ihr das ganze überflüssige Zeug einfach herunterreißen und sie vernaschen, denn nackt ist sie immer noch am schönsten, da bin ich mir sicher. Natürlich habe ich die Finger von ihr gelassen, denn sie hat inzwischen einen neuen Freund. Aber gesagt, dass ich gerne mal wieder mit ihr schlafen würde, hab ich ihr. Es war echt schön.
Sie erzählte mir von ihrem neuen Freund, sie ist echt verliebt, das war total schön anzusehen. Eifersüchtig machte mich das gar nicht. Das einzige, was mir einen Stich im Herz zu spüren gibt, ist, dass ich weiß, dass sie seine Familie kennt. Wir hatten uns damals getrennt, weil es mir super wichtig war, dass sie meine Familie kennenlernte. Wahrscheinlich habe ich sie damals auch zu sehr unter Druck gesetzt, auf jeden Fall war sie dazu nicht bereit, weder zu dem Zeitpunkt, möglicherweise sogar nie. Sie wollte sich auf nichts festlegen, was meine Familie angeht. Wir entschieden uns daher, unsere Beziehung zu beenden. Schon vor drei Monaten schickte sie mir einmal eine Sprachnachricht, in der sie erwähnte, dass sie irgendwas mit der Familie ihres neuen Freundes unternehmen würde. Da war ich ganz schön verletzt. Aber das ist jetzt so lange her, dass es mir nichts mehr ausmacht. Es ist Gras über die Sache gewachsen. Ich bin froh für sie, dass sie sich mit ihm wohlfühlt und offensichtlich glücklich ist. So soll das sein.
Sie sagte irgendwann während unseres Gesprächs, dass sie die Erlaubnis ihres Freundes hätte, mich zu küssen. Also küssten wir uns zum Abschied. Ich fasste ihr um die Hüften, griff nach ihrem Po als wir uns küssten. Die Chemie stimmt immer noch. Absolut. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder.
Am Sonntag traf ich meine beste Freundin wieder. Wir hatten uns seit zwei Monaten nicht mehr gesehen. Es haute mich total um, als ich sie sah. Sie war lange in Spanien gewesen und war viel gewandert. Ihre blonden Haare waren noch heller als sonst, sie war braun gebrannt und strahlte vor Lebensfreude. Sie ist einfach by far die schönste Frau, die ich kenne. Allem voran, weil ich sie eben kenne und alle Facetten ihres Charakters liebe. Ich liebe ihre Nerdiness und ihren schrägen Humor. Dass sie sich für die komischsten Sachen interessiert und irgendwie so ganz anders drauf ist als ich. Bei vielen Menschen nervt es mir, wenn sie zu unterschiedlich von mir sind, aber für sie interessiere ich mich einfach rasend. Ich finde sie spannend. Und sie mich auch. Und ich liebe es, dass sie genau wie ich ohne Schminke durch die Welt läuft, den Modewahnsinn nicht mitmacht. Das hat sie alles auch nicht nötig, meiner Meinung nach. Ich liebe es, dass ich ihr absolut alles anvertrauen kann und sie sich mit mir freut, mit mir traurig ist oder mit mir wütend wird. Dass sie immer ein offenes Ohr für mich hat, selbst wenn sie absolut nicht versteht, wovon ich rede. Ich liebe sie wie meine Schwester. Nächstes Jahr sind wir seit 10 Jahren befreundet. Eigentlich sollte man auch mit seinen Freunden Jubiläums feiern, finde ich. Vor allem, wenn es so großartige Freundschaften sind wie die mit ihr. Ich glaube es gibt außer ihr kaum jemand auf diesem Planeten, der mich so gut kennt. Nicht mal meine eigene Mutter. Auch meine Schwester nicht mehr. Sie ist einfach großartig.
Und wisst ihr was das beste daran ist, einen Freund zu haben, der an derselben Uni studiert wie man selbst? Man kann sich zwischen den Vorlesungen mal kurz irgendwo zum Rumknutschen treffen. (Hier würde ich jetzt am liebsten zweiundzwanzig kitschige Herz-Emojis und Kuss-Emojis einfügen, aber WordPress lässt mich nicht.) Gott, dieser Mann ist so wunderbar und ich bin so verknallt und alles ist irgendwie mega kitschig und ich find’s einfach toll. Hilfe!
Morgen habe ich ein Treffen/Date/Sonstwas mit S. Da bin ich auch sehr gespannt drauf. Bzw. ich freue mich ziemlich. Hab den Mann über Instagram kennengelernt und wir haben uns einmal getroffen, freundschaftlich. Und seitdem viel geschrieben. Mir schmeichelt es, dass er mich attraktiv findet, und ich mag unsere Unterhaltungen. Nur so äußerlich ist er eigentlich gar nicht mein Typ. Zu brünett, so südländisch, zu männlich? Aber ich find ihn super interessant. Und will ihn unbedingt näher kennenlernen.
So, jetzt muss ich ins Bett. Falls meine Blogeinträge in Zukunft etwas kürzer werden, dürft ihr mir nicht böse sein. Mein Wintersemester ist leider seeehr voll und dann bin ich ja noch außeruniversitär engagiert und rette die Welt und so, und dann gibt’s ja noch die vielen tollen Menschen, die ich sehe will und die mich sehen wollen und die sind natürlich wichtiger als der Blog. Aber mir tut das Schreiben so gut, dass ich weiterhin versuchen werde, so oft wie möglich zu bloggen.
Ich bin so froh, so viele tolle Menschen um mich zu haben. Und muss jetzt ganz dringend mein Herz voll Liebe und Schmusebegeisterung bei meiner Mitbewohnerin C. abladen. Die freut sich. Macht’s gut!
Eure Clara