Ventil für meine Gefühle

Manchmal wünsche ich mir, mein Leben wäre ein bisschen langweiliger. Aber das wäre dann wohl nicht mein Leben.

Musik: Spotify: Recondite – Iffy

Gestern traf ich mich morgens mit G., um zusammen auf den Markt zu gehen. Wir kauften unser Gemüse ein, spazierten danach zu mir nach Hause und er kochte ein Kürbisrisotto für mich. Danach sagte er, dass er gerne mit mir schlafen wolle, um den „schlechten“ Sex am Donnerstag wettzumachen. Wir hatten am Donnerstag eine Art Quickie bei ihm gehabt. Ich hatte dabei unglaublich viel Spaß, aber er meinte im Nachhinein, dass ihm das nicht so viel geben würde, wenn er sich nicht in aller Ruhe um mich kümmern könne. Also wurde das gestern nachgeholt. Ganze 5 Stunden lang wurde ich immer wieder massiert, geleckt, geküsst, gefingert, bespielt. 5 Stunden. Nach jeder Runde mussten wir eine Pause einlegen, weil ich so befriedigt war, dass ich einfach nur zuckend auf dem Bett lag. G. mag ja nicht so viel Erfahrung haben, aber er weiß absolut, was er da macht. In letzter Zeit hatte er viel über Yoni-Massagen gelesen und das wurde gestern ausgetestet. Haha. Ja. War der Wahnsinn!

Nachdem ich am Anfang meiner Rückkehr immer wieder ein schlechtes Gewissen hatte, weil er sich so viel Mühe mit mir gab und ich das Gefühl hatte, das irgendwie erwidern zu müssen, habe ich in der Zwischenzeit gelernt, dass der das alles wirklich gerne tut, weil er mich echt gern hat. Und das in Ordnung ist, wenn ich mich nicht immer und für alles revanchiere. Die ganze Situation ist für mich neu, denn ich war noch nie in einer Beziehung, in der sich mein Partner gefühlt mehr eingebracht und mehr gekümmert hat als ich. Aber es ist wunderbar, denn alles ist super leicht mit ihm. Ich fühle mich zum ersten mal nicht, als müsste ich daran „arbeiten“, dass die Beziehung funktioniert. Ich habe keinerlei Zweifel daran, wie wichtig ich ihm bin und wie sehr er mich mag. Und das ist einfach nur wunderbar. Er ist einfach nur wunderbar.

Während den 5 Stunden gestern Nachmittag kam er natürlich auch auf seine Kosten. Ich wusste, dass er ziemlich viel zu analen Sachen phantasiert, und so war gestern der perfekte Zeitpunkt, diesen eleganten jungen Mann anal zu entjungfern. Ich habe bisher eh noch keinen Mann erlebt, dem das nicht gefällt, anal gefingert zu werden, aber G. war nochmal eine neue Hausnummer. Er zerging mir ja schon, als ich nur einen Finger leicht bewegte. Dann fragte er, mit wievielen Fingern ich eingedrungen wäre. „One.“ „Add another one.“ Tat ich. Während ich G.s Prostata massierte holte er sich einen runter. Der Mann stöhnte lauter als je zuvor. „Fuck, that feels amazing.“ Mich machte die ganze Situation so an, dass ich mitkam, als sein Samen auf seinen Bauch spritzte. Es ist einfach wunderbar, wie tabulos, nicht-homophob und neugierig G. ist. Er bezeichnet sich im Spaß selbst als politischen Flüchtling, weil die Schweiz ihm viel zu konservativ ist.

Nach diesem Marathon waren wir hungrig, duschten kurz, zogen uns an und gingen veganen Lahmacun, veganen Yufka Döner und Falafel essen. Und Bier und Wein kaufen. Ein paar von G.s Freunden trafen sich in der WG einer Kommilitonin von ihm auf ein Schwätzchen und ein Gläschen und da wollten wir noch vorbeigehen. Wir kamen anderthalb Stunden zu spät, weil wir nochmal miteinander im Bett landeten. Ein Freund von G. gab uns die Adresse. Es war dieselbe Straße, in der auch V. nun lebte. Und dann standen wir plötzlich vor ihrem Haus. Klingelten. Stiegen die Treppe hoch. Und standen in ihrer WG. Die Freundin von G. lebte tatsächlich in derselben WG wie V. Fuck man. Wie groß ist bitte die Chance, dass ich zu einer mir unbekannten Freundin meines Freundes gehe und die in dieser riesigen Stadt ausgerechnet in derselben Wohnung wohnt?! Ich war vollkommen durch den Wind. Ich wollte V. nicht wiedersehen. Aber nun zu gehen fand ich auch kindisch. Also blieb ich. Als ich mit der Freundin von G. in die Küche ging, um meine Weinflasche zu entkorken, stand sie da zusammen mit ihrem Freund C. und kochte. Ich zwickte sie im Vorbeigehen in die Taille und sagte hallo. Sie drehte sich um und schaute mich mit ihren großen Augen an. Boar, allein dieses lächelnde Gesicht machte mich absolut aggressiv. Ihr Freund war anscheinend überraschter als sie, dem blieb kurz mal das Gesicht stehen, als er mich sah. Die Freundin von G. bemerkte, dass hier Spannungen in der Luft lagen und ich sagte nur „Wir kennen uns.“, nahm meine Flasche und ein Weinglas, und verschwand zurück ins Wohnzimmer. Den Rest des abends näherte ich mich der Küche nicht mehr. Und auch nicht V.s Zimmer. Ich war richtig durch den Wind. G. war großartig. Fragte gefühlte tausendmal, ob alles in Ordnung ist und ob ich nicht lieber wieder gehen möchte. Wollte ich nicht. Ich trank meine Flasche Wein im Rekordtempo, lenkte mich mit den Latinos im Raum ab, lachte und schwatzte, trank noch Likör und Secco. Irgendwann brachen alle auf und auch G. und ich gingen heim zu mir. Er legte auf dem Heimweg einen Arm um mich und es sprudelte einfach so aus mir raus. Wie sehr mich das alles verletzt hatte, was V. da abgezogen hatten. Dass ich absolut nicht verstehe, was da eigentlich passiert ist. Sie nicht verstehe. Ihr Verhalten absolut nicht nachvollziehen kann und mich allein der Anblick dieser Frau so unglaublich wütend mache, weil sie mir gegenüber so unfair gespielt hatte. Überhaupt mit mir gespielt hatte. Wie wütend mich das machte, dieses fucking smiley face von ihr zu sehen. Fuck! Alles verwirrte mich total und ich war richtig verletzt und wütend. Als wir daheim ankamen, nahm mich G. in den Arm und ich fing endlich an zu Weinen. Das hätte ich schon vor zwei Wochen tun sollen, aber es gab ja nie mal einen Moment, wo alles zusammenkam. Alles ließ von mir ab. Ich war so froh, dass G. da war. Er sagte nur die richtigen Dinge zu mir, kümmerte sich total liebevoll, drückte mich ganz fest. Es war gut, dass das alles passiert ist, weil meine ganzen angestauten Gefühle endlich ein Ventil finden konnten. Es tat so gut, zu weinen, wütend zu sein, verletzlich zu sein, und jemanden da zu haben, der mich liebt so wie ich eben bin, und einfach möchte, dass ich glücklich bin.

Ich bin so unendlich dankbar dafür, G. zu haben. Für alles, was er für mich getan hat, vor allem innerhalb der letzten 24 Stunden. Mit was für einem offenen Herz er mir begegnet, mit welcher Ehrlichkeit.

Erschöpfte Grüße,

Eure Clara

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