Gestern war G. bei mir. Ich habe was leckeres gekocht, wir haben gequatscht, und später den Film Cool Runnings geschaut.
Ich weiß nicht, was seit letzter Woche bei mir passiert ist. Aber mein Enthusiasmus für G. hat deutlich abgenommen. Mich nervt seine Anhänglichkeit, ich finde seine Witze nicht mehr lustig, ich fühle mich ihm nicht mehr so nah. Ich kann es nicht so richtig erklären. Er kann keine Minute die Finger von mir lassen, muss immer knuddeln, streicheln, küssen, und mir ist das alles zu viel. Ich will auch in einer Beziehung einfach mal ein gutes Gespräch mit jemandem führen können, über ernsthafte Dinge reden können. Das fehlt mir mit ihm. Wenn wir tatsächlich mal reden, weiß er nicht, was er zu dem sagen soll, was ich ihm erzähle.
Ich finde ziemlich viel an ihm immer noch total spannend und anziehend, allem voran seine Androgynität, seine fast weibliche Eleganz, seine sexuelle Offenheit, seine Begeisterung für gesunde, vegane Ernährung, seine Bodenständigkeit, seine emotionale Offenheit und Begeisterung mir gegenüber.
Nur emotional lasse ich ihn gerade gar nicht an mich ran. Als wir am Wochenende feiern waren hatte ich mich darauf gefreut, dass er mitkommen würde. Aber als er da war, war die Freude weg und ich hätte den Abend doch lieber mit meiner besten Freundin und L. alleine verbracht. Im Club hab ihn einmal fast zickig von mir weggeschoben, weil mir das alles zu viel Nähe war. Mit ihm dort zu sein fühlte sich irgendwie nicht richtig an. Ich hab die Nacht im Club nicht so sehr genossen, obwohl die Musik absolut großartig war, einfach weil ich mich nicht richtig wohl gefühlt habe. Ich bin immer wieder von den anderen weggelaufen und hab mich alleine mitten in die tanzende Meute gestellt, um die Musik besser genießen zu können. Was sagt das über mich aus?
Als wir frühmorgens nach Hause kamen übernachteten G. und meine beste Freundin bei mir. Ich gab A. einen Schlafanzug von mir und G. fragte auch nach einem. Ich witzelte rum, ob er ein Schlafkleid von mir haben möchte. Er: „Why not?“ Also zog er sich mein blaues Schlafkleid an und ganz ehrlich, es stand ihm richtig gut. Er ist sehr schlank und hat allgemein so eine androgyne Ausstrahlung, ich fand ihn richtig sexy in dem Kleid. Ich habe so eine Sexphantasie, in der ich mit einem Mann in Frauenunterwäsche schlafe. G. passt wie die Faust aufs Auge zu dieser Phantasie. Er fühlt sich wohl so wie er ist und das finde ich unglaublich anziehend.
Auf jeden Fall macht mich diese Verwirrung passiv aggressiv. Ich gefalle mir so selbst nicht, aber ich bin ihm gegenüber gestern fast zickig gewesen. Und das macht mir ein bisschen Angst, denn genauso habe ich bei meinem Ex auch reagiert, als er wieder zu viele dumme Sprüche rausgehauen hatte oder ich wegen sonst was genervt war. Ich wünschte, man würde mich einfach zu Sprache stellen und nachhaken, was zur Hölle mit mir los ist. Meine Exfreundin hat das immer so gemacht. Sobald sie merkte, dass was nicht stimmt, hat sie gebohrt, bis sie wusste, was Sache war. Und das war super so! Sie hat mich gezwungen, darüber zu reden, und dann haben wir eine Lösung gefunden. Natürlich wäre es besser, wenn ich einfach von selbst sagen würde, was Sache ist. Aber ich bin eben auch alles andere als perfekt und schlucke öfter mal Dinge herunter, die ich nicht herunterschlucken sollte. Grübel zu lange über Dinge nach, die man einfach ansprechen sollte. Halte mich mit Kritik zurück, weil ich selbst noch nicht so richtig verstanden habe, was mich stört.
Der Blog macht das etwas leichter. Während ich diesen Text geschrieben habe sind mir schon wieder so viele Dinge klar geworden. Schreiben tut gut. Ich wünsche mir gerade, ich könnte mit meiner Exfreundin über G. reden. Ich wette sie bräuchte nicht mal 20 Minuten, um herauszufinden, was mein Problem ist.
Grüße,
Eure Clara
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