Alles wieder gut

Der Soundtrack zu diesem Blogeintrag: Youtube: Feynman – Pray for us

An dem Tag, als ich meinen letzten Blogeintrag über G. schrieb, telefonierte ich nachmittags noch mit meiner Exfreundin. Wie erwartet brauchte sie keine 20 Minuten, um mir auf dem Tablett zu servieren, was ich brauche und was mein Problem ist. Sie fragte mich irgendwann die alles entscheidende Frage: „Wenn du es dir raussuchen könntest, was würdest du dann jetzt wollen?“ Und ich antwortete: „Einfach mal eine Woche lang den Kontakt herunterschrauben und etwas Abstand nehmen.“ „Dann mach das.“

Auf dem Weg zum Flughafen schrieb ich G. einen langen Text, um mich ein wenig zu erklären. Ich bat ihn darum, mich in Ruhe zu lassen, während ich die kommenden 10 Tage im Ausland sein würde. Er erzählte mir später, dass er am Anfang wütend, enttäuscht und verwirrt gewesen wäre, aber er hielt sich daran. Wir schrieben uns nur 4-5 mal während meiner Abwesenheit. Am Anfang vermisste ich ihn gar nicht. Und machte mir richtig Sorgen, dass ich ihn gar nicht vermissen würde. Ich redete viel mit meiner Schwester über das Thema. Wir zwei sind uns sehr ähnlich. Sie sagte mir, dass sie regelmäßig Pausen von ihrer Beziehung bräuchte, weil ihr ihr Freund einfach auf den Sack ginge, wenn sie zu viel Zeit miteinander verbrachten. Und genau so fühlte ich mich auch. Ich mochte G. total, ich wollte auch die Beziehung mit ihm nicht beenden, aber ich fühlte mich nicht mehr verknallt, weil er mich einfach richtig nervte. Wir hatten uns in den Wochen davor 4-5 mal pro Woche gesehen, das ist mir zu viel anscheinend.

Als ich etwa eine Woche weg war, fing ich an ihn zu vermissen. Und ich fing an, mich richtig darauf zu freuen, ihn wiederzusehen. Und als ich ihn vor ein paar Tagen wiedersah war ich weder genervt noch passiv aggressiv, konnte wieder sehen, warum ich ihn mochte, und was für ein toller Mensch er ist.

Am Donnerstag hatten wir eine Vorlesung zusammen und gingen danach zu ihm, um auf die Abgabe meiner Masterarbeit anzustoßen. Wir aßen Pasta, tranken Sekt und Wein und Likör und Bier (ähäm), redeten stundenlang. Ich erklärte mich nochmal, und er verstand. Er hielt Abstand zu mir, solange wir redeten, kein grabbeln, kein antatschen, kein mir zu Nahe kommen. Einfach mal da sitzen und sich unterhalten. Es war wunderbar! Letztendlich musste ich einfach nur ehrlich sein ihm gegenüber. Kommunizieren, was ich brauche und möchte, und was ich nicht möchte. Irgendwie logisch. Ich weiß nur manchmal nicht gleich, was überhaupt mein Problem ist, und was ich gerne anders hätte.

Später kuschelten wir noch ein bisschen, bevor ich mich auf den Nachhauseweg machte. Als wir da so lagen und uns nah waren, sagte er: „I’m falling in love with you, Clara.“

Gestern bekochte er seine Freunde und mich bei sich daheim mit phenomenalem Tikka Massala, es war wirklich wahnsinnig lecker. Als wir in der Küche standen und die Teller für seine Gäste befüllten, erzählte er von einem Gespräch, dass er mit seiner Professorin an der Uni gehabt hatte. Es ging um seine berufliche Zukunft. Sie hatte ihm geraten, bei der Wahl seines zukünftigen Wohnorts auf sein Herz zu hören. Er meinte zu mir, dass er plane, seinen ersten Job hier in der Region zu suchen. Wegen mir. Weil es ihn nirgends sonst hinziehen würde und er uns eine Chance geben möchte. Ich sagte ihm sofort, dass wir ja nicht wüssten, was bis in einem halben Jahr ist, dass wir erst seit weniger als 2 Monaten zusammen wären, dass er einen richtig tollen Job auch in einer anderen Stadt annehmen solle, wenn sich eine Chance für ihn ergäbe, dass ich ja nicht mal selbst zu mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit sagen könne, dass ich in der Region bleibe. Er beruhigte mich und meinte, dass er sich dessen bewusst sei.

Ich glaube ich weiß jetzt, wie sich meine letzten Partner immer mit mir gefühlt haben, wenn ich denen immer emotional voraus war und das auch kommuniziert habe. Ich fühle eine Mischung aus unglaublichem Glück und subtiler Panik. Letztendlich ist das aber seine eigene Entscheidung, und er kann ja jederzeit auch wieder wegziehen und seine Meinung ändern. Also: Calm down, C. Er hat mir ja keinen Heiratsantrag gemacht oder so.

Später sind wir noch auf einer Techno-Uni-Party gelandet, die sehr schlecht besucht war. Relativ früh hatten wir beide die Schnauze voll und wollten heim und Sex haben. Also waren wir die ersten, die die Party wieder verlassen haben. Wir torkelten heim, und fielen daheim auf dem Fußboden übereinander her. Und machten heute morgen nach dem Aufwachen weiter.

I’m falling in love with you, too, G.

Clara

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