Zahnbürste Nr. 2

Vor einer Woche war T. mal wieder bei mir. Ich hatte ihm im Voraus geschrieben, dass ich es schön fände, wenn er mal wieder bei mir über Nacht bleiben könne. Er antwortete, dass er das auch schön fände und dass es auch für ihn entspannter wäre. Ich war froh, dass er das sagte. Er ist ein sehr zurückhaltender Mensch, deswegen habe ich immer etwas Angst, mich ihm zu sehr aufzudrängen. Aber letztendlich versuche ich ja nur, ich selbst zu sein, und ehrlich zu zeigen, was ich will und brauche.

Als er die Treppe hinaufstieg, dachte ich mir, dass wir dringend mal wieder was außerhalb meiner WG miteinander unternehmen sollten. Rausgehen, weggehen, was unternehmen, einen trinken gehen, ins Kino, Billiard spielen, sonst was machen. Eigentlich vollkommen egal. Nicht, dass ich die Abende auf meinem Sofa nicht genießen würde, aber inzwischen sehen wir uns sehr regelmäßig und Langeweile ist der Tod jeder Beziehung.

Er war über Silvester vier Tage auf irgendsoeinem Hippie-Buddhisten-Meditations-Festival in einem Schloss gewesen. Ich glaube T. unterschätzt, wie sehr mich seine Lebenseinstellung fasziniert, und wie ähnlich wir uns in der Hinsicht sind. Ich meditiere nicht, noch nicht. Ich hatte nie die Chance, es in einem angenehmen Umfeld auszuprobieren und nähergebracht zu bekommen. Aber ich habe viel darüber gelesen und finde es toll, wenn das jemand regelmäßig macht. Ich glaube auch, dass das vielen Menschen diejenige Entschleunigung und Rückkehr zur Achtsamkeit bringen kann, die sonst im stressigen Alltag verloren geht.

Ich hatte nie ein Problem damit, mir auch in den stressigsten Zeiten meine Auszeiten zu nehmen und dann auch wirklich abschalten zu können. So mancher mag das nicht verstehen, aber für mich hat das Krafttraining im Fitnessstudio eine ähnliche Wirkung. Ich kann da total gut abschalten, weil ich gezwungen bin, mich auf die Anzahl meiner Wiederholungen, auf die richtige Ausführung der Übungen und auf meinen Atem zu konzentrieren. Im Gegensatz zu vielen schlafe ich zudem genug. Ich finde es unglaublich, wie sich alle um mich herum einreden, sie könnten mit 5-6 Stunden Schlaf pro Nacht ordentlich funktionieren. Allein das Wort „funktionieren“ macht mich wütend. Wir sind doch keine Roboter! Wenn ihr müde seid und Augenringe habt, dann schlaft doch einfach mal mehr. Geht früher ins Bett. Seit wann hat Schlaf eigentlich so ein schlechtes Image? Jeder, dem ich erzähle, dass ich pro Nacht 8,5-9 Stunden schlafe, wenn ich erkältet oder krank sind auch gerne mal 10-12 Stunden, speichert das sofort in der Schublade „faul“ und „unproduktiv“ ab. Meine Mutter versucht mir schon seit Jahren einzureden, dass ich zu viel schlafe. Ich hab’s ausprobiert. Ich habe mal eine Zeit lang nur 8 Stunden geschlafen. Selbst nach zwei Monaten habe ich mich trotzdem jeden Morgen nicht ausgeschlafen gefühlt. Gib mir eine Stunde mehr und ich wache morgens topfit und gut gelaunt auf. Verschiedene Menschen haben unterschiedliche Schlafbedürfnisse. Aber 5 Stunden sind für alle zu wenig.

(Das ist der Moment, an dem ich mir beim Schreiben denke, wie zur Hölle ich jetzt hierher gekommen bin. Ich wollte doch eigentlich über Meditation und den Abend mit T. schreiben… Aber gut. Musste wohl mal gesagt werden.)

Auf jeden Fall finde ich das super attraktiv, dass T. sich für so einen Kram interessiert. Er erzählte mir fast eine Stunde von seinem Wochenende ich hört so gebannt zu. Er meinte im Nachhinein, dass er sich zwischendurch gefragt hatte, ob er nicht mal mit Reden aufhören solle, aber ich hätte so interessiert geschaut, dass es ihn ermuntert hätte, weiter zu erzählen. Alles was er sagte, war total interessant. Ich hing wie gebannt an seinen Lippen. Er redete darüber, wie es sich anfühlt, wenn er meditiert. Über dieses Festival. Und über anderes. Es wurde keinen Moment langweilig, ihm zuzuhören.

Wir tranken ein bisschen Wein. Den Wein von S., um genau zu sein. Ich hatte bei meinem letzten Besuch bei C. und S. wieder Wein mitgenommen. Ich mag seine Weine sehr und irgendwie macht das das Weintrinken noch spaßiger, wenn man weiß, dass ein Freund den produziert hat. Ist wie bei der Seife, die meine Cousins mir gemacht haben. Die ist jetzt nicht unbedingt besser als andere Seifen, aber ich freu mich trotzdem jedes mal darüber, wenn ich die benutze.

Ich erzählte ihm von meiner Phantasie, jemanden an mein Bett zu fesseln, mich mit einem Stuhl daneben zu setzen und einfach zu schauen. Er sagte, dass ich das gerne mit ihm machen könne.

Wir standen auf und fingen an, uns zu küssen. Was für ein unglaublich guter Küsser er ist, brauche ich ja nicht nochmal erwähnen. Hat sich nicht geändert. Das Piercing haben wir übrigens immer noch nicht rausgenommen. Aber inzwischen habe ich mich so daran gewöhnt, dass es auch egal geworden ist. Neugierig bin ich natürlich trotzdem.

Ich legte ihn auf mein Bett und fragte ihn, ob ich ihn ans Bett fesseln dürfe. Er sagte zwar ja, aber er zögerte einen Moment und in seiner Stimme schwang eine gewisse Unsicherheit mit. Ich lächelte ihn an und holte meine Fesseln. Befestigte seine Armgelenke an Kopfende meines Bettes. Zog ihn aus. Ich bat ihn, seine Augen zu schließen. Mir war vorher nie aufgefallen, wie muskulös der Mann eigentlich war. Viel zu dünn. Aber das wenige Fett am Körper legte den durchtrainierten Körper darunter perfekt frei. Ich fuhr ihm mit den Fingernägeln über seinen Körper und küsste ihn überall. Er stöhnte vor Erregung und seine Oberkörpermuskulatur spannte sich immer wieder an. Ein wunderschöner Anblick. Abgesehen von seinen Füßen wirklich ein wunderschöner Mann. Ich nahm mir Zeit ihm, verwöhnte ihn oral. Hörte wieder damit auf. Dann mit der Hand. Aber kommen ließ ich ihn erst viel später. T. war perfekt für das Spiel. Er ließ sich total fallen, und hatte einen so empfindsamen Körper, dass er auf alle meine Berührungen reagierte. Für mich war es wundervoll. T. meinte später, dass es für ihn total intensiv gewesen wäre. Ich war total befriedigt danach, obwohl mich nichts und niemand berüht hatte.

Wir machten uns bettfertig. Wir daten nun schon so lange, dass ich ihm eine Zahnbürste anbot. Ich finde das ist immer ein total romantischer Moment, wenn ein Partner eine Zahnbürste bei einem im Zahnputzbecher stehen hat. Wir kuschelten uns in mein Bett und stellten uns keinen Wecker.

Hätten wir mal lieber machen sollen, denn wir wachten so spät auf, dass es fast schon Mittag war, und T. bald gehen musste. Aber egal. Der Abend war wieder wunderschön gewesen, und wir hatten morgens noch genug Zeit, um ausgiebig zu kuscheln. Er wollte sich noch für die vorige Nacht bei mir revanchieren, aber ich war psychisch immer noch so befriedigt vom Anblick der vorigen Nacht, dass ich ablehnte.

Irgendwann brachte ich ihn zur Tür und wir küssten uns zum Abschied.

Sind wir mal ehrlich (weil wir das ja auf diesem Blog so selten sind…): Ich bin verliebt. In einen Mann, den ich richtig wunderbar finde.

Schlaft gut,

eure Clara

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  1. WOW, ein tolles Erlebnis und gut geschrieben.

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