Kommunikation und Selbstreflektion

Es wird mal wieder Zeit für etwas Musik: Aaron Ahrends – Focus EP

Am Freitag war G. bei mir und wir schauten zusammen einen Film. Als wir danach auf dem Sofa kuschelten und ich mich an ihn lehnte und meine Oberkörperseite gestreichelt wurde, bat ich ihn, mich ans Bett zu fesseln. „Are you sure you want that?“ Ich hatte Angst, aber ich wollte.

Wir gingen zu  meinem Bett und er holte die Fesseln aus meiner Spielzeugkiste. Während er die Fesseln auseinander hedderte, beobachtete er mich dabei, wie ich mir neben dem Bett langsam meine Kleidung über den Kopf zog. Ich fühle mich zur Zeit unglaublich wohl in meinem Körper. Komplett nackt krabbelte ich zu ihm aufs Bett und machte Anstalten, mich auf den Rücken zu legen. Aber er sagte „turn around“, griff mich an der Hüfte und drehte mich um. Ich kniete mich aufs Bett und streckte ihm meinen Po entgegen. Er streichelte mir sanft den Po und meine Oberschenkel – dann kam der erste Schlag. Mit der flachen Hand wurde mir der Allerwerteste versohlt. Irgendwann hielt er inne und beugte sich zu mir runter. „How does that feel?“ Es fühlte sich gut an. Ich spürte, wie ich von dem Schmerz und den sanften Berührungen feucht wurde und mich geilte das ganze unglaublich an. Ich bat ihn, stärker zuzuschlagen. Zwischen den nächsten Hieben kam ich.

G. drehte mich um und band meine Fuß- und Armgelenke an meinem Bett fest. Alles was danach kam, war schmerzhaft und sanft gleichzeitig. Füße wurden gekitzelt, ich wurde gekratzt, meine Nippel wurden auf schmerzhafte Weise gebissen, gezwirbelt, gezogen. Dazwischen immer wieder heiße Küsse, mein lautes Stöhnen, seine Haut auf meiner, dieses Vertrauen, dass er nicht zu weit gehen würde. Er reagierte unglaublich gut auf meine Körpersprache, wusste sofort, wann es zu viel war, passte den Schmerz an meine Rekationen an. Ich lief aus vor Geilheit. Irgendwann leckte er mich, saugte an allem, woran man saugen kann, fingerte mich tief. Er griff in meine Spielkiste und holte den großen, schwarzen Analplug mit dem Fakediamanten. Spielte ein bisschen mit meinem Poloch rum, bis ich das Teil in mir stecken hatte. Er holte meinen Glasdildo und ließ mich daran lecken und saugen. „Do you want the real deal?“ „Yes!“ „What do you want? Say it.“ „I want your cock!“ Er zog sich raus und kniete sich neben meinen Kopf. Ich hatte es gehasst, wenn mein Ex das machte, aber in dem Moment war es okay. Er streifte sich ein Kondom über und rammte mich hart, bis er kam. Ich fühlte mich total ausgefüllt mit dem Plug im Arsch. Es war geil.

Er stand auf und streifte sich das Kondom ab. Ließ mich gefesselt auf dem Bett zurück. Ich fragte ihn, ob er mich noch losbinden wolle. „Oh I’m not done with you.“ Eine Zeit lang stand er einfach neben dem Bett und beobachtete mich. Dann ging er langsam um das Bett herum und griff in meine Spielzeugkiste. Ich sah den Glasdildo. Er holte den Plug raus und fing an, mich mit dem Glasdildo zu vögeln, bis ich anfing zu ejakulieren. Ich squirtete und squirtete, als gäbe es keinen Morgen mehr. Ich kam immer wieder und immer heftiger. Mein letzter Orgasmus war so heftig, dass ich Panik bekam und schrie, dass er mich losbinden solle. Er reagierte sofort. Band mich los, nahm mich in den Arm, streichelte meinen Bauch. Es war krass, und intensiv, und emotional. Meine Nippel taten weh.

Wir kuschelten uns nach dem Zähneputzen ins Bett und schliefen morgens lange aus. Kuschelten, hatten Sex, kuschelten mit C., backten Kuchen. Abends gingen wir auf den Geburtstag meiner kleinen Cousine. G. war ein bisschen aufgeregt deswegen. Er fühlt sich nicht so selbstsicher, wenn er Deutsch reden muss. Ist ja auch verständlich, da es nicht seine Muttersprache ist. Für mich fühlt es sich auch eigenartig an, mit ihm auf Deutsch zu reden, weil unsere komplette Beziehung auf Englisch abläuft. Er sagte den ganzen Abend wenig, saß meistens still neben mir und fühlte sich fehl am Platz. Mich machte das unglaublich wütend. Und dann hatte er auch noch diesen hässlichen Schal an, der machte mich noch wütender. Überhaupt baute ich einen unglaublichen Groll auf im Laufe des Abends. Als wir wieder daheim waren, war ich richtig schlecht gelaunt. Es liefen so viele Prozesse in mir ab, dass ich einfach anfing zu weinen, als G. mich in den Arm nahm, und nicht mal mehr erklären konnte, was eigentlich los war. Wir schauten einen Film und gingen danach schlafen.

Morgens ging es mir kurzweilig besser, aber dann war ich richtig genervt von G. Wir würden abends zusammen ins Theater gehen, deswegen machte es für ihn logistisch keinen Sinn, für 2 Stunden nach Hause zu fahren. Den Abstand hätte ich allerdings mehr als gebraucht. Ich bat ihn, mich einfach mal 2 Stunden in Ruhe zu lassen, putzte in aller Ruhe die Küche, duschte, surfte im Internet, während er sich duschte, legte mich ein bisschen in mein Bett. Dann ging es mir etwas besser.

Meine ganzen Gedanken und Emotionen pfriemelte ich erst am Montagabend auseinander, als ich mit C. auf meinem Sofa saß und über alles redete. Sie meinte, es gäbe nur zwei Arten von Menschen, von denen man lernen könne. Entweder jemanden wie T., der einfach an sich eine ziemliche Lebenserfahrung und Weisheit mitbringt, und von dem man allein vom Zuhören lernt. Oder jemand wie G., der einem immer wieder die eigenen Schwächen und Unsicherheiten vor Augen führt. Das macht G. nicht absichtlich, sondern das passiert, weil ich, bevor ich ihn kritisiere, reflektiere, woher mein Groll oder mein Problem überhaupt kommt, und fast immer zum Schluss komme, dass es etwas ist, das mir an mir selbst nicht gefällt und woran ich arbeiten sollte. Ich habe aufgehört, meine Probleme auf andere zu projizieren. Das klingt natürlich toll, aber hat einen riesigen Nachteil: Nach einem Wochenende wie dem beschriebenen fühle ich mich schrecklich. Ich finde seinen Schal kacke? Dann sollte ich wohl an meiner eigenen Oberflächlichkeit arbeiten, denn eigentlich ist es doch total egal, ob er einen Schal trägt oder nicht und wie der Schal aussieht. Mich regt es auf, dass er nicht genug mit meiner Familie redet und nicht die Initiative ergreift, ein Gespräch anzufangen? Das hat wohl deutlich mehr mit meinen eigenen bescheuerten Vorstellungen davon, wie die perfekte Beziehung zu  meinen Eltern auszusehen hat, und meiner Abhängigkeit von der Meinung meiner Eltern zu tun. Ich bin eben doch noch nicht so unabhängig, wie ich es gerne wäre. Ich möchte, dass es mir egaler wäre, was meine Eltern über mein Leben denken.

Als C. und ich da auf meinem Sofa saßen und über all das sprachen, fing ich mehrmals an zu weinen. Das waren ultra emotionale Themen. Themen, die mich belasten, und über die deswegen geredet und nachgedacht werden muss.

Am Dienstag hatte ich dieselben Gespräche dann nochmal mit G. Und weinte wieder. Aber als alles durchgesprochen war, ich ihn auch für ein paar Dinge konstruktiv kritisiert hatte, deren Störfaktor nichts mit mir selbst zu tun hatte, und er sowohl auf meine Probleme als auch auf die Kritik auf eine einfühlsame, reflektierte Weise einging, fühlte ich mich ihm näher als je zuvor. Kommunikation ist so wichtig. Die richtige Art der Kommunikation.

Ich sagte ihm auch, dass ich Angst davor hätte, welche Gefühle in mir aufkommen würden, wenn er sich in der Zukunft mit anderen Männern oder Frauen treffen würde. Ich habe etwas Angst davor. Ich sagte ihm das, ohne ihm Vorwürfe zu machen, oder irgendetwas von ihm zu verlangen. Ich wollte einfach, dass er versteht, was in meinem Kopf vor sich geht. Und ich wollte ehrlich sein. Ich will, dass er weiß, mit welche Gedanken ich mich rumschlage, was mich nachts wachhält, was mich beschäftigt und was mir Angst macht. Und ich will dasselbe auch von ihm wissen. Es hat nichts mit Schwäche zu tun, zuzugeben, dass ich nicht in Bezug auf alle Themen total cool reagiere, dass man sich mit manchen Dingen rumschlägt und einem der ein oder andere Gedanke Angst bereitet. Ich denke es ist wichtig, sowas anzusprechen, um dem Partner die Chance zu geben, einfühlsam und bedacht mit einem umzugehen und Rücksicht nehmen zu können.

Ich sagte ihm, dass ich das Gefühl hätte, mit T. besser reden zu können als mit ihm. Er meinte daraufhin, dass ihn das nicht überraschen würde, immerhin wäre er ein 24-jähriger Kindskopf, jünger als ich und T., eventuell sogar unreifer. Er hat sich überhaupt nicht angegriffen gefühlt. Sondern erwidert, dass es doch dann gut wäre, dass ich auch noch T. hätte.

Und ich sagte ihm, dass ich mir wünschen würde, dass T. und er sich kennenlernen. Er willigte ein, und meinte, dass das sicherlich interessant wäre. Ich solle die beiden doch mal auf eine Flasche Wein auf mein Sofa einladen, wenn die Klausuren vorbei wären. Gestern schlug ich dasselbe T. vor, und der hatte auch nichts dagegen. Er war eher überrascht, dass G. zu dem Thema so schnell seine Meinung geändert hatte. Noch von einem Monat war G. komplett dagegen gewesen, T. zu treffen. Was ich mir von dem Treffen erhoffe? Erstens, dass die zwei sich anfreunden. Wie eng, können sie selbst entscheiden. Aber sie haben ja schonmal eine riesige Gemeinsamkeit: Sie finden mich beide toll. Zweitens, dass es für niemanden komisch ist, wenn ich beide zu Anlässen wie meinen Geburtstag einlade. Drittens: Können wir bitte ganz viele Kinder kriegen und adoptieren und auf einen Bauernhof ziehen und glückliche Orgien feiernde, vegane Hippies mit 3m breiten Betten und geretteten Hühnern und Schweinen werden? Nagut, das ist eher ein Traum als ein realistischer Wunsch. Aber eine lustige Vorstellung. Eigentlich will ich nur, dass alle sich kennen und gut miteinander klar kommen. Dass G. weiß, von wem ich rede, wenn ich mal wieder von T. erzähle, und dass T. weiß, von wem ich rede, wenn ich ihm von G. erzähle.

Ich mag T. Und ich mag G. Die zwei könnten nicht unterschiedlicher sein und haben beide ihren Platz in meinem Herz. Und das macht mich ziemlich glücklich.

Polyamore Grüße,

Clara

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