Zwar scheinen meine Musikvorschläge niemanden zu interessieren, aber ich mache euch trotzdem einen weiteren: Spotify: Moodymann – Lyk U Use 2 (feat. Andres).
Meine Jungs haben sich am Samstag zum ersten mal getroffen. C. hatte Geburtstag und ich hatte erst T. eingeladen zu kommen, weil wir mal gesagt hatten, dass wir etwas miteinander unternehmen wollten, das nicht auf meinem Sofa stattfindet. Dann hatte ich meine Zweifel, weil G. und C. sich viel besser kennen und total gut verstehen und G. echt gerne kommen wollte. Da wir gesagt hatten, dass wir irgendwann im Februar mal ein großes Kennenlernen zwischen G. und T. veranstalten würden und ich C.’s Geburtstag nicht dafür missbrauchen wollte, lud ich T. wieder aus und G. ein, und erklärte T. warum. Am liebsten hätte ich einfach beide eingeladen. T. reagierte ein bisschen anders als erwartet, war erstens null enttäuscht und zweitens verstand er mein Problem nicht so richtig. Man könne sich auf dem Geburtstag ja auch einfach ganz normal verhalten und da keine große Sache draus machen und das große Kennenlernen dann trotzdem danach irgendwann veranstalten. Ich war ziemlich begeistert von ihm und seiner unkomplizierten Art. Also fragte ich G., was er davon halten würde, wenn beide kämen. Der war erst mal nicht so begeistert, aber lies sich leicht umstimmen. Also rannte ich zu C., erzählte ihr alles, und fragte, ob ich beide mitbringen dürfe. Ihr war das ziemlich egal. Das war übrigens an dem Abend, als ich ihr gestand, dass ich in sie verliebt war.
Tja und so kam der Abend, an dem beide Jungs mit mir zum Geburtstag meiner Mitbewohnerin gehen würden, immer näher. Ich war schon ein bisschen aufgeregt. Ich machte mir keine großen Sorgen um T. und seine Gelassenheit strahlte total auf mich ab. G. war etwas unentspannter, aber auch nicht am Durchdrehen.
Am Samstag kam G. etwas früher zu mir, weil wir beide viel zu lange keinen Sex gehabt hatten und uns miteinander vergnügen wollten, bevor die Feier losging. Um sieben kamen dann C.’s restliche Gäste: Unser gemeinsamer Kumpel J. und ihre Schwester M. T. würde uns später direkt im Restaurant treffen, weil er noch auf seinen Sohn aufpassen musste und es nicht schaffen würde, früher zu uns in die WG zu kommen. Wir waren also eine Gruppe von sechs Leuten, von denen ich in drei verknallt oder verliebt bin. Kein schlechter Schnitt.
Um acht abends spazierten wir zu C.’s Lieblingsrestaurant, ein Afrikaner um die Ecke mit einer großen Auswahl an veganen Gerichten. Auf dem Weg hakte ich mich bei G. ein und fragte ihn, ob er nervös sei. Er verneinte, eigentlich nicht. Ich auch nicht, eher voller Vorfreude.
T. wartete vor dem Restaurant auf uns. Ich löste mich von G.s Arm und lief zu ihm hin. Es entstand ein kurzer awkward moment, als er dachte, wir würden uns nur umarmen und nicht küssen, aber wir fingen uns schnell. Ich schaute ihm in die Augen und freute mich einfach unglaublich, ihn zu sehen. Ich stellte ihm die anderen vor. Alle begrüßten sich, gaben sich die Hände. G. grinste etwas unsicher, als er an der Reihe war. Mir schmolz kurz mal das Herz.
Unser Tisch war noch nicht frei, also warteten wir ein paar Minuten vor dem Restaurant, bis wir reingerufen wurden. Ich redete mich G. auf Englisch, mit T. auf Deutsch, umarmte G. zwischendurch, küsste T. Für Außenstehende muss das schon eine eigenartige Situation gewesen sein, aber für mich fühlte es sich total natürlich an. Ich tat einfach, was ich immer tat. Verhielt mich nicht anders. Mit dem Unterschied, dass beide gleichzeitig da waren. Aber so rein optisch ist das schon lustig. Vor mit ein schlanker, athletischer, gutaussehender Mann, hinter mir ein schlanker, athletischer, gutaussender Mann, und dazwischen ich Pummelchen, das laut gefühlten tausend Leuten „voll die Ausstrahlung“ hat. Wenn ich nicht so ein starkes Selbstbewusstsein hätte, würde mir das wahrscheinlich massiv was ausmachen. So finde ich’s einfach nur lustig. Ob das Außenstehenden auch auffällt? Ob die sich manchmal fragen, wie ich Durchschnittsweib so dünne Männer abbekomme? Falls sich das wirklich mal jemand fragen sollte, ist die Antwort: Ich bin cool und das wissen die beiden und das ist tausendmal wichtiger als ob jemand dick oder dünn oder haarig oder blond oder dunkelhäutig oder sonst was ist. Nur nochmal zur Erinnerung.
Unser komplette Tisch bestellte das gleiche Gericht in unterschiedlichen Schärfevarianten. Ich und alle Männer am Tisch tranken Bier, die zwei Mädels alkoholfreies Irgendwas. Wir unterhielten uns. Ich saß neben G., T. saß uns gegenüber in der Mitte. Eigentlich war das so ziemlich perfekt, weil die zwei Jungs mitten im Geschehen saßen, keiner sich als Außenseiter fühlte, ich immer wieder mit G. auf Englisch plaudern konnte, wenn ich das Gefühl hatte, dass er wegen der Deutschen Unterhaltungen abschaltete, und alle Gespräche über den ganzen Tisch hinweg gehalten wurden. Ich finde, das ist immer das schlimmste, was an so Geburtstagen passieren kann: Wenn die Tischordnung sich so ergibt, dass ein Ende des Tisches des Spaß seines Lebens hat, und die andere Tischhälfte still da sitzt und sich wünscht, mehr integriert zu sein.
Nach dem Essen zogen wir zurück in die WG, machten es uns in meinem Zimmer bequem und unterhielten uns, bis es irgendwann Mitternacht war und wir C. zum Geburtstag gratulieren konnten.
Bis dahin hatten wir immer noch nicht geklärt, wenn bei mir schlafen würde und wer heimgehen oder sonst irgendwo schlafen würde. Im Nachhinein war das das Dümmste, was wir machen konnten. G. fragte irgendwann, ob er später heimfahren sollte, und ich antwortete mit einem viel zu schnellen und daher leicht taktlosen „Ja“, sodass er für den Rest des Abends gar nichts mehr sagte, sichtlich schlechter gelaunt war und kurz nach Mitternacht nach einer äußerst kalten Verabschiedung zum Ubahn rannte. Am Tag danach meinte er, er hätte sich selten so alleine gefühlt, wie auf dem Heimweg. Das hatte relativ wenig damit zu tun, dass da jetzt ein anderer Mann bei mir schlafen würde, sondern mehr damit, dass ich erstens nicht sehr taktvoll reagiert hätte, und er zweitens ein viel unspektakulärereres und langweiligeres Sozialleben als ich hat und es sich für ihn dann einfach doppelt kacke anfühlt, wenn einem das Happy End einer tollen Nacht einfach so genommen wird. Was lernen wir daraus:
- Den Freund der Freundin kennenzulernen ist gar nicht schlimm.
- Vorher ausmachen, wer bei mir bleibt und wer geht, damit sich alle darauf einstellen können und niemand abends vor den Kopf gestoßen wird.
- Mittelfristig ein größeres Bett kaufen.
- Ein aktiver Freundeskreis sind für eine gesunde Beziehung unabdingbar. Die eigene Freundin kann und sollte nicht die eigenen Freunde ersetzen.
- Auch Clara benimmt sich manchmal daneben und sagt taktlose Sachen.
Als G. und C. und alle Gäste bis auf T. verschwunden waren, legten wir uns ins Bett und redeten über G. T. war G.’s kalte Verabschiedung nicht entgangen und er fragte mich, ob alles in Ordnung sei. Ich wusste es nicht, aber mir war klar, dass ich morgen unbedingt mit ihm reden müssen würde. Wir redeten noch über dies und das, bis T. anfing, „aktiv zu kuscheln“, irgendwann auf mir lag, mich entkleidete, küsste und in Stimmung brachte. Wir hatten den besten Sex, den wir bisher gehabt hatten. Er ist mit Abstand der leidenschaftlichste Mann, den ich je kennengelernt hatte. Sex mit ihm ist ein bisschen wie im Film. Gemessen an dem, was wir miteinander machen, eigentlich gar nicht so besonders, im Grunde der totale Blümchensex. Aber er lässt sich total in seinen Gefühlen fallen währenddessen, schließt seine Augen, spürt mit jeder Faser seines Körpers mit, reagiert auf die Wogen meiner Orgasmen, lässt keinen Punkt an meinem Körper unberührt, und es fühlt sich an, als würden wir beide in diesen Minuten ineinander zergehen und verschwimmen. Was dabei herauskommt ist intensiver, emotionaler, leidenschaftlicher Sex, einfach wunderbar.
Mit G. dauerte es zwei Tage inklusive gegenseitigem Ignorieren, einem emotionalen, unkonstruktiven Skype Gespräch, der Möglichkeit, danach den eigenen Gedanken nachzuhängen, einigen Entschuldigungen und Vertragen am zweiten Tag, bis die Wogen wieder geglättet waren. Aber es hat funktioniert, die erste Hürde ist geschafft, und wir haben für die Zukunft gelernt.
Und mal ganz abgesehen davon, wie es den Jungs damit ging: Für mich war der Abend einfach nur wundervoll. Es ist ein wahnsinnig schönes Gefühl, nicht nur eine geliebte Person um sich zu haben, sondern gleich zwei bis drei.
Clara
Klingt nach einem weitestgehend sehr angenehmen, spannenden Abend! Dass man mal etwas sagt, das den anderen verletzt, ist glaube ich besonders bei solchen „heiklen“ Ersttreffen kaum zu vermeiden. Umso schöner, dass Ihr dann noch darüber geredet und die Situation geklärt habt!
Ich wünsche Dir noch zahlreiche erfüllende Treffen mit den beiden (getrennt oder gemeinsam). :))
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Danke, meine liebe!
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