Feuerwehr & shizzle manizzle

Mein Onkel ist in einer Kleinstadt Teil der freiwilligen Freuerwehr. Quasi schon sein ganzes Leben lang. Vorher war sein Papa bei der Feuerwehr. Und dessen Vater bestimmt auch. Ähnlich wie bei diesen gruseligen Military Families in den USA schwingt auch bei meinem Onkel und seiner Familie dieser stolze Unterton mit, wenn er von seiner ehrenamtlichen Arbeit erzählt. Grundsätzlich finde ich jede ehrenamtliche Arbeit super. Ein Problem habe ich eher mit dem Schlag Mensch, der oftmals bei der Feuerwehr zusammenkommt.

Schon vor Monaten lud mein Onkel mich und G. zum jährlichen Feuerwehrfest ein. Ich sagte zu. So richtig weiß ich bis heute nicht, warum. Aber mein Onkel meinte, da gäbe es später einen DJ, er würde an der Bar stehen und der Alkohol wäre günstig. Zur Not kann man sich solche Abende ja auch schön trinken. G. wurde dann zu einer Geburtstagsfeier am selben Abend eingeladen und ich musste mir einen Ersatz suchen. Nur mit meiner fast 50-jährigen Tante und deren Mann wollte ich nicht unbedingt dort hin. Zumal ich erwartete, dass ich mit wenigen Ausnahmen eh mindestens 20 Jahre jünger als der Durchschnitt auf diesem Fest sein würde und daher seelische Unterstützung brauchen würde. Ich fragte L. und der sagte auch zuerst zu – bis ihm auffiel, was er sonst alles an diesem Wochenende geplant hatte, und er wieder absagte.

Am Donnerstag hätte ich mich eigentlich mal wieder mit S. treffen sollen. Wir hatten uns seit mehreren Monaten nicht mehr gesehen und ich freute mich auf den Abend. Und kam spontan auf die Idee, sie zu fragen, ob sie Bock hätte, mich auf das Fest zu begleiten. Entgegen meinen Erwartungen sagte sie zu. Das würde sicherlich ein alberner Abend werden.

Also trafen wir uns gestern Abend bei mir, fuhren zusammen zum Haus meiner Tante, wo wir später auch schlafen würden, und spazierten dann zum Feuerwehrhaus.

Bei unserer Ankunft war ich vollkommen überfordert mit der Menge an Menschen auf dem Fest. Ich hatte nicht erwartet, dass auf einem Feuerwehrfest in einer Kleinstadt so dermaßen viele Menschen kommen würden. Und meine Eltern waren auch noch da, was mich noch nervöser machte, als ich eh schon war. Wir begrüßten meine Tante und meinen Onkel, ich stellte S. meinen Eltern vor. Dann zischten wir schnell wieder davon und holten uns unser erstes Bier. Wir entschieden uns außerhalb des Geländes auf einer Bordsteinkante zu unterhalten, bis sich die Lage auf dem Fest etwas beruhigt hätte und ich nicht mehr so overwhelmed bin.

Wir unterhielten uns ganz gut, obwohl es mir schwer viel, in ihrer Gegenwart einfach ich selbst zu sein. Kennt ihr das, wenn ihr selbst nicht so richtig nachvollziehen könnt, woran es liegt, aber ich genau bemerkt, dass ihr euch während ihr redet eigentlich nur selbst verkauft? Euch so verstellt, dass das was ihr sagt, interessanter klingt? Mir passiert das oft auf ersten Dates, insbesondere mit Männern, wenn ich versuche in ein Raster zu passen oder dem anderen zu gefallen, anstatt einfach ich selbst zu sein und darauf zu vertrauen, dass man mich schon liebenswert finden wird. Ich sagte ihr das und sie versuchte mit pseude-psychologischen Fragen herauszubekommen, woran das wohl lag. Denn das war nicht unser erstes Date. Eigentlich war es gar kein Date. Wir sind ja befreundet. Sie liest meinen Blog, ich lese ihren. Wir kennen uns ziemlich gut und Tabus gibt es zwischen uns auch keine. Mir fällt selbst keine Sache ein, die ich ihr erzählen könnte, die sie abschrecken oder schockieren würde. S. hat in ihrem Leben schon so viel mehr durchgemacht als ich, ist teilweise viel radikaler als ich. Ich vermute, dass ich mich ihr gegenüber deswegen so verhalten habe, weil sie mir in einigen feministischen Themen voraus ist, und ich mich bei ihr teilweise fühle, als säße ich neben einer deutlich älteren Person, obwohl sie 4 Jahre jünger ist als ich. Witzigerweise erwiderte sie, dass sie mich dafür für andere Dinge bewundert, insbesondere meine sexuelle Entwicklung und dass ich mir bei Männern einfordere, befriedigt zu werden, wenn es der vorhergehende Sex nicht schon war.

Sie rauchte zu viel, plapperte vor sich hin, trug wie immer ein schwarzes Oberteil, heute mit einem tiefem Ausschnitt. Sie hatte sich letztes Jahr zum letzten mal rasiert und zeigte offen ihre schwarz behaarten Beine. Sie war gut drauf und sehr redselig. Und sie zeigte Interesse an mir. Machte mir ernst gemeinte Komplimente, nahm mich wahr, ging auf mich ein, war einfühlsam und fragte nach.

Wir holten uns ein zweites Bier. Tanzten kurz, aber die Musik war beschissen. Quatschten kurz mit meinen Eltern. Setzten uns irgendwo im Dunkeln auf eine Bierbank. Ich schaute ihr in ihre dunklen Augen. Ich wusste genau, dass sie mich küssen wollte. Ich lächelte sie an und beugte mich ihr entgegen. Wir küssten uns. Sanft, langsam, mit Gefühl. Sie streichelte währenddessen meine Wange. Ich zog sie am Nacken an mich heran. Es war ein wunderbarer Kuss. Danach lächelten wir uns ein bisschen beschwipst und glücklich an.

Die nächste Stunde wurde zur Qual. Wir waren beide total touchy, aber meine Eltern waren immer noch auf dem Fest und die wissen ja von meiner offenen Beziehung nichts. Die meinen, ich bin in einer monogamen Beziehung mit G. Im Moment habe ich auch nicht vor, denen das zu erzählen. Das wäre ein sehr unangenehmes Gespräch und das kann ich immer noch dann führen, wenn es wirklich mal einen gleichwertigen zweiten Partner in dieser Beziehungskonstellation geben sollte.

Wir berührten uns immer wieder beiläufig. Saßen auf der Bank näher aneinander. Küssten uns kurz heimlich am Bierstand. Oder auf dem Weg zum Klo. Oder wenn wir sicher waren, dass meine Eltern gerade anderweitig beschäftigt waren.

Irgendwann wurde die Musik besser und wir fingen an zu tanzen. Meine Eltern verabschiedeten sich. Und dann war jede Anspannung und Vorsicht weg. Ich entschied, dass es mir egal war, wenn meine Tante und mein Onkel uns sehen würden. Die können zur Not auch ein Geheimnis für sich bewahren, wenn sie nicht wissen wollen, was da vor sich geht. Auch die denken immer noch, ich wäre in einer monogamen Beziehung mit G.

Wir knutschten und tanzten und schwitzten und tranken zu viel Bier. S. wurde mehrmals von irgendwelchen Typen angesprochen. Komischerweise hielten uns alle für Lesben. Einer fragte uns, ob wir feiern würden, dass heute der Bundestag entschieden hatte, die Ehe für Homosexuelle Paare zu öffnen. Eine Frau sagte uns, wir wären ein total schönes Pärchen und sähen sehr glücklich miteinander aus.

Ich mag es, wenn Frauen kleiner sind als ich. Weil ich dann all das mit denen machen kann, was ich mir wünschen würde, was jeder Mann mal mit mir täte. Die Frau an der Taille an mich ranziehen, wenn wir uns küssen. Sie an den Hüften zu fassen und Bein an Bein ihre Bewegungen beim Tanz zu führen. Sie gegen die Wand zu drücken, sie an ihren Seiten zu berühren, während wir uns küssen und zu hören, wie sie das anturnt. Frauen sind so einfach glücklich zu machen. Man muss ehrlich sein, auf sie eingehen, wirkliches Interesse zeigen, und ihr immer das Gefühl geben, dass alles möglich ist, aber man keine Agenda hat.

Wir feierten bis spät in die Nacht. Die Party dort artete ziemlich aus. Konservative Dorfmenschen mit zu viel Alkohol im Blut sind schon harter Toback. Da wurde sogar Polonaise getanzt.

Also flüchteten wir. Für den Heimweg brauchten wir doppelt so lange. Immer wieder hielten wir an, küssten uns. Einmal drückte ich sie in einen Busch, um sie zu küssen. Streichelte ihre Hüften, packte sie am Po, küsste ihren Hals. Wir waren ziemlich scharf aufeinander.

Daheim zogen wir uns aus, hüpften kurz unter die Dusche, und landeten im Bett. S.‘ No-Shave-Policy bezieht sich auf den ganzen Körper. Auch wenn ich das nicht unbedingt anziehend finde, finde ich es auf jeden Fall bewundernswert. Sie hat seitdem unheimlich oft Ablehnung bekommen, insbesondere von Männern. Und zieht es trotzdem durch, einfach weil es ihr gefällt.

Tatsächlich schränkt aber eine starke Intimbehaarung die Möglichkeiten beim Cunnilingus ein. Obwohl ich genau wusste und hörte, dass ihr gefiel, was ich da tat, war für mich das ganze nur semi-befriedigend, weil ich das Gefühl hatte, ihr noch viel mehr geben zu können, wenn die blöden Haare da ein bisschen aus dem Weg wären. Aber das fiel ihr selbst auch auf, als sie sich an mir zu schaffen machte. Glattrasiert bin ich nie, ein Dreieck oder ein Strich auf dem Venushügel bleiben immer stehen, aber die Lippen mag ich gerne haarlos. Fühlt sich einfach beim Sex tausendmal besser an. „Du hast eine wunderschöne Pussy.“ Hat mir so auch noch niemand gesagt. Ich fühlte mich sehr wohl in meiner Haut.

Ich wurde geleckt und gefingert und kam mehrmals. Am schönsten war allerdings tatsächlich der Abend an sich und wie sich alles angebahnt hatte. Wie wir uns gegenseitig scharf machten und eigentlich nur noch miteinander schlafen wollten. Es kaum erwarten konnten, daheim zu sein und übereinander herzufallen.

Im Laufe des Abend fragte S., was ich mir eigentlich mit ihr vorstellen könnte. Ich weiß es nicht. Bisher war sie für mich eine gute Freundin, mehr nicht. Der Abend hat die Karten neu gemischt. Für mich gibt es keine Grenzen. Wir entschieden, die Dinge einfach auf uns zukommen zu lassen.

Außerdem redeten wir viel darüber, dass G. und ich gerne mal jemand zu unserem Sexualleben hinzufügen würden. S. hätte Interesse, diejenige zu sein. Insbesondere auch, weil sie die ganze Strap-on-Geschichte sehr interessiert und sie es spannend findet, dass jemand wie G., der aussieht wie ein konservativer Engel, es so hart (höhö) feiert, anal genommen zu werden. Sie schlug vor, dass wir doch einfach mal wieder was zu dritt machen können. Vielleicht an den See zum FKK-Baden gehen oder so. Ich bin voll dafür.

Zuletzt möchte ich euch noch die Serie „You Me Her“ auf Netflix empfehlen. Dabei geht es um ein verheiratetes Pärchen, dass sich im Laufe der Serie in ein Escort-Mädchen verliebt und entscheidet, eine Dreier-Beziehung zu führen. Sehr spannend, auch wenn die erste Staffel deutlich besser ist als die zweite. Dennoch eine Empfehlung.

Macht’s gut und genießt den Sommer,

Clara

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ein tolles aufregendes Erlebnis und gut geschrieben.

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