Hallo zurück, Abenteuer

Vorwort

Im Mai 2018 habe ich das letzte mal einen Eintrag für diesen Blog geschrieben. Seitdem habe ich viele Male überlegt, was ich nun mit ihm machen soll. Soll ich ihn löschen? Neue Inhalte, die zum bisherigen Thema das Blogs passen, habe ich ja keine. Oder soll ich den Blog mit meiner Beziehungsform wachsen lassen? Und was sind eigentlich die Gründe meiner Leser, weshalb sie den Blog aufrufen und meine Artikel lesen?

Letztendlich habe ich es nie übers Herz gebracht, den Blog zu löschen oder offline zu nehmen. Allem voran, weil hier so viel Herzblut und Arbeit drinsteckt und so viele schöne Erinnerungen festgehalten wurden.

G. und ich waren seit 2018 faktisch in einer monogamen Beziehung. Wie schlossen es zwar nie aus, dass wir die wieder öffnen würden, aber für den Moment hatte keiner von uns Interesse daran, andere Menschen zu treffen.

Wir begannen neue Jobs, unser Leben verlief plötzlich anders. Dann zog G. in meine Stadt und wir hatten keine Fernbeziehung mehr. Und kurz darauf zogen wir in unsere erste gemeinsame Wohnung.

Wir waren so beschäftigt mit unserem Leben, dass wir weder die Zeit noch die Muse hatten, neue Leute zu treffen. Es war eh schon genug los.

Mit dem Ende der Fernbeziehung und dank der gemeinsamen Wohnung erhielt plötzlich eine nie dagewesene Sicherheit und Ruhe in unserer Beziehung Einzug. Wir waren uns sicher mit uns, fühlten uns sicher, geborgen, unterstützt. Das war ein neues Gefühl, ein schönes Gefühl.

Mit diesem Gefühl kam auch das Interesse am Daten wieder. Wegen der gemeinsamen Wohnung verbrachten wir plötzlich so viel Zeit miteinander wie nie zuvor. Das war am Anfang toll und irgendwann langweilig. Irgendwann hatte man eben alle Gespräche, alles war gesagt. Wir brauchten neue Impulse und zwar von außerhalb unserer Beziehung. Wir bekamen auch wieder Interesse an sexuellen Experimenten.

Interessant ist, dass wir anders als früher kein Interesse daran hatten, alleine zu daten. Zum ersten Mal wollten wir das unbedingt gemeinsam machen.

Also wandelten wir G.’s Joyclub Profil in ein Paarprofil um und warteten gespannt, ob etwas passieren würde.

Im Frühjahr erhielten wir eine mordssympathische Nachricht von M. und D., einem Paar aus einer Nachbarstadt. Wie es schien, teilten die zwei viele Gemeinsamkeiten und Interessen mit uns – und waren beide attraktiv.

Wir vereinbarten ein erstes Treffen, was aufgrund von Corona letztendlich erst 3 Monate später als ursprünglich geplant stattfand. Es war inzwischen Sommer, das Wetter bestens, und wir aufgeregt wie Sau.

Die zwei kamen zu uns nach Hause. Als wir darauf warteten, dass es klingeln würde, lief ich wie ein nervöses Huhn in der Wohnung auf und ab. Dann klingelte es endlich und es kam zur ersten Begegnung. M. ist blond und gutaussehend, trug ein gestreiftes Hemd, beige Hosen und Hosenträger. D. ist groß und kurvig, mit tollen Haaren. Sie trug ein hellblaues, bodenlanges Kleid, worin ihre dunkle Haut und ihre großen Brüste bestens zur Geltung kamen. Beide hatten sich in Schale geworfen und waren uns auf Anhieb sympathisch.

Sie hatten Wein mitgebracht, den wir größtenteils im Kühlschrank verstauten. Eine Flasche folgte uns auf unseren Balkon.

Im warmen Sommerwetter fand unser Gespräch schon nach einer kurzen Weile Themen abseits des Smalltalks. Wir tauschten uns über unsere Dating-Erfahrungen aus, über unsere Beziehungsformen, über Sexparties und Swingerclubs.

M. und D. haben eine offene Ehe und daten sowohl zusammen als auch jeder für sich. Ich fühlte mich wohl.

Dating zu viert ist zehnmal so kompliziert wie Dating zu zweit. Auf einem normalen Daten zu zweit gibt es nur zwei Leute im Raum, die sich gegenseitig anziehend finden müssen, damit die Sache läuft. Bei einem Doppeldate sind es jedoch vier Leute, die jeweils alle anderen im Raum attraktiv finden müssen, damit auch nur die Chance besteht, dass da was laufen könnte. Noch komplizierter wird es, wenn eine oder mehr Personen aus diesem Kreis schüchtern und/oder introvertiert sind. In diesem Fall bekommt man nicht das nötige Feedback von allen Seiten, ob hier die Möglichkeit bestehen könnte, dass was läuft.

Das erste Date war ein Date der guten Gespräche, der ehrlichen Kommunikation, des Beschnupperns. Es war ein Abend, der uns allen so gut gefiel, dass wir schon am Tag danach das Folgedate vereinbarten.

Eine Woche später besuchten wir M. und D. bei ihnen zuhause. Die zwei hatten in ihrem Wohnzimmer einige Snacks aufgetischt und wir hatten den restlichen Wein vom ersten Date mitgebracht.

M., G. und ich machten es uns auf dem Sofa bequem. G. saß in der Mitte. D. setzte sich etwas abseits auf den Korbsessel.

Die zwei boten uns an, bei ihnen zu übernachten, wenn wir wollten, damit wir trinken konnten, ohne uns über die Heimfahrt Gedanken machen zu müssen.

Der Abend verlief entspannt. Wir tranken Wein, lachten viel, unterhielten uns gut, hörten nebenher Musik. Alle schienen sich wohlzufühlen.

Irgendwann fingen die Füße von M. an, meine Füße zu berühren. Es war keine anzügliche oder großartige Geste, aber es war der erste Kontakt zwischen uns.

Irgendwann ging G. auf die Toilette und ich rückte auf. Ohne aufdringlich zu sein, berührte M. mich immer wieder. Mal streichelte er mir die Wade, mal hielt er meine Hand, mal lag seine Hand auf meinem Oberschenkel.

Ich trug an diesem Abend ein schwarzes, bodenlanges Kleid mit einem langen Schlitz an der Seite. Das Kleid war die perfekte Mischung aus classy und sexy.

Es war offensichtlich, dass zwischen M. und mir die Chemie stimmte. Doch keiner machte einen Schritt, damit mehr daraus wurde. Ich kannte mich so gar nicht, aber ich war in dieser Situation schüchtern.

Wären M. und ich alleine gewesen, wäre an diesem Abend was gelaufen. Wir wären mit 100%iger Sicherheit im Bett gelandet und hätten miteinander geschlafen.

Aber wir waren nicht alleine. Da waren noch G. und D. im Raum. Und beide (!) waren schüchtern und introvertiert.

Ich machte keinen ersten Schritt, weil ich nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob das etwas war, das G. und D. wollten. Ich war komplett verunsichert. Die Sache zwischen M. und mir war klar, aber die Sache zwischen mit und D. und zwischen D. und G. und auch zwischen G. und M. eben nicht. Es war zum Haareraufen!

Ich war so wuschig, ich war so geil, ich wollte unbedingt. Aber ich hielt mich zurück. Und M. sich auch. Auch er machte keinen weiteren Schritt in meine oder G.’s Richtung.

Es wurde immer später und wir wurden alle immer müder. Irgendwann war es zu spät. Und wir waren zu müde. Die Chance war verpasst.

Als wir uns verabschiedeten, umarmten wir uns alle herzlichen und warm. Als ich mich gerade von M. lösen wollte, gab er mir einen Kuss auf die Wange, der Lust auf mehr machte. Nicht zu lang, nicht zu kurz, nicht zu feucht. Weich und schön.

So fuhr mich G. nach Hause, während ich ein bisschen enttäuscht war, dass nichts weiter passiert ist. Gleichzeitig hatte ich dieses Gefühl in der Brust, das ich immer bekomme, wenn irgendwas spannendes passiert, das ich unbedingt jemandem erzählen muss.

Ich war selten auf einem Date, auf dem so viel sexuelle Spannung im Raum lag und die Lage so kompliziert war. Das ist irgendwie spannend und aufregend und frustrierend zugleich.

Seitdem hatten wir zwei weitere Dates mit M. und D. Wie die liefen, erzähle ich in meinen nächsten Blogbeiträgen.

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