Ich fühle ganz viel

Gestern habe ich mittags L. abgeholt und wir sind für eine Nacht in die Berge gefahren. Wir stellten das Auto auf einem Wanderparkplatz ab und wollten eine Winterwanderung machen. Die Bäume waren weiß gezuckert, es war eiskalt, aber sonnig. Ein wunderschöner Wintertag also.

Wir liefen durch den Wald, erklommen einen Aussichtsturm, liefen über Felder, querfeldein. Landschaftlich war es richtig schön und wir genossen die Bewegung an der frischen Luft. Wir hielten die meiste Zeit Händchen und unterhielten uns unterwegs gut miteinander.

Wir hatten Tee und Kekse eingepackt und machten irgendwann eine Pause auf einer Holzbank mit Aussicht über die Hügel und Wälder. Die Sonne kitzelte unsere Gesichter.

Als die Sonne langsam unterging, machten wir uns auf den Rückweg zum Auto und fuhren das kurze Stück zu dem schnuckeligen Landhotel, in dem ich uns für die Nacht ein Zimmer reserviert hatte. Wir wurden herzlich empfangen und bezogen unser Zimmer. Zum Balkon hin boten sich uns durch die bodentiefen Fenster ein wunderschöner Ausblick auf die gegenüberliegenden weiß gezuckerten Hügel und Bäume.

Wir hatten in einer nahegelegenen Pizzeria einen Tisch auf halb acht reserviert und bis dahin noch zwei Stunden Zeit zum Kuscheln, ausruhen, Duschen. Im Zimmer war es kühl, sodass wir erst mal die Heizung anschalteten, unsere Schuhe auszogen und uns zusammen ins Bett unter die Decke kuschelten. Wir redeten darüber, ob wir zusammen oder einzeln unter die Dusche steigen wollten. Ich plädierte für einzeln, weil ich mich in dem Moment irgendwie nicht vor ihm ausziehen wollte und mich nicht so ganz wohl fühlte. Und außerdem, weil ich finde, dass gemeinsam Duschen in der Realität nie so sexy und schön ist wie im Film. Und vielleicht wollte ich auch einfach mal kurz für ein paar Minuten meine Ruhe, um zu verarbeiten, was da alles zwischen uns passiert.

Wir duschten also nacheinander und machten uns fertig fürs Restaurant. Ich kämmte mir gerade die Haare im Bad und redete nebenher mit L., als der im Türrahmen des Badezimmers erschien. Ich legte meine Haarbürste weg und zog ihn näher zu mir ran. Er lehnte sich an den Türrahmen, als wir dort miteinander rumknutschten. Meine Hände fuhren seinen muskulösen Körper entlang und streichelten die Haut unter seinem Pullover. Ich spürte sofort seine Erektion an meinem Bein. Wurde am Hals geküsste, Finger fuhren durch mein Haar. Wir waren beide horny und genossen das so sehr.

Im Restaurant bestellten wir Pizza und Wein und unterhielten und viel über uns. Weil L. und seine Freundin ihre Beziehung erst vor drei Monaten geöffnet haben und mit polyamoren Beziehungen noch keine Erfahrung haben, habe ich immer noch das Bedürfnis, mich regelmäßig abzusichern, dass sich entwickelnde Gefühle in Ordnung sind. Ich von meiner Seite merke nämlich, dass ich bereits Gefühle für L. entwickle. Richtig sicher vor Verletzungen ist man in der Liebe natürlich nie, aber die Gespräche mit ihm geben mir zumindest ein Gefühl von Sicherheit.

Mitten während unseres Gesprächs sagte L. plötzlich: „Ich merke, dass ich von dir nicht nur Sex will. Ich rede unheimlich gerne mit dir, finde dich interessant, denke echt oft an dich und verbringe insgesamt einfach super gerne Zeit mit dir. Ich hab mich in dich verknallt.“ Es ist diese Offenheit, über die eigenen Gefühle zu reden, die mich an L. begeistert. In den meisten meiner Beziehungen war ich eher immer diejenige, die zuerst über ihre Gefühle geredet hat. Ich finde das so schön, dass er sowas ausspricht, sich verletzbar macht und den Raum öffnet, über Gefühle und Emotionen zu reden.

Er erklärte beim Dessert: „Verknallt zu sein, hat für mich noch nicht so die Macht. Aber ich fühle ganz arg viel mit dir. Und das genieße ich sehr.“ Ich weiß genau, was er meint.

Wir fuhren zurück ins Hotel, holten uns an der Hotelbar noch zwei Gläser Wein und nahmen sie mit ins Zimmer. Dort stoßten wir miteinander an – und versanken sofort miteinander in Küssen und Streicheleinheiten. Wir kuschelten, zogen uns aus, streichelten uns, knutschten rum. Es war wunderbar. L. leckt sehr gerne, aber die letzten male, als wir Sex hatten, hat das noch nicht meinen Geschmack getroffen. Er bat mich darum, ihm zu sagen, wie ich es gerne habe. Das in Worte zu fassen, ist für mich aber gar nicht so leicht, weil ich mich ja selbst nicht lecken kann. Er ließ sich davon nicht entmutigen und meinte: „Dann probier ich’s einfach nochmal.“

Es war tausendfach besser als davor. Ich wurde unheimlich feucht, kam immer wieder und genoss seine Berührungen in vollen Zügen.

Einige der Orgasmen waren so stark, dass ich Tränen in den Augen hatte und allerlei Emotionen hoch kamen. Ich hab das immer mal wieder, dass wenn gerade viel los ist – Stress oder einfach Emotionales – dass das beim Sex hochkommt. Ich spürte, dass das heute auch der Fall war – und fühlte mich damit sehr verletzlich.

Als L. sagte, dass er gerne mit mir schlafen würde und ein Kondom holen gehen wollte, sagte ich ihm, dass ich ein bisschen Angst davor habe, mit ihm zu schlafen. Er reagierte sofort, legte sich über mich und sah mir in die Augen. Fragte nach, was genau mir Angst macht. Ich versuchte, ihm zu erklären, dass ich gerade unheimlich viel fühle und das beim Sex hochkommen könnte und ich mich deswegen gerade unsicher fühle. Und dass mich damit verletzlich fühle, weil wir uns noch gar nicht so lange kennen. L. fragte mich: „Hast du dich verknallt?“ Ich nickte. „Ja, ziemlich.“ L. reagierte darauf, indem er mich in den Arm nahm, mich aus seinen blauen Augen anlächelte, meine Wangen mit Küssen bedeckte, mich ernst nahm und mir Zeit gab.

Letztendlich schliefen wir doch miteinander. Es war der gefühlvollste Sex, den man sich vorstellen kann. Langsam, behutsam, nah. Mit viel Blickkontakt, Lächeln, sinnlichen Küssen. Es war unheimlich schön und intensiv. Ich fühlte mich L. wahnsinnig nah. Fühlte ganz viel. Fühlte mich verliebt.

Wir kuschelten danach noch lange, genossen das Gefühl unserer nackten Haut. Alles fühlte sich stimmig an. L. meinte: „Das war unheimlich schön. Ich hab in mir drin ganz viel gefühlt. Das war sehr intensiv.“

Emotional sind wir gestern einen riesigen Schritt miteinander gegangen. Das zwischen uns ist keine lapidare Affäre mehr. Da sind die Gefühle im Spiel und die sind stark und echt und wir fühlen sie beide.

Wir kuschelten die ganze Nacht lang. L. schlief wie immer gut, ich nur sehr wenig. Aber ich genoss es unheimlich, ihn bei mir zu haben.

Morgens kuschelten wir uns wach und blieben eine halbe Stunde im Bett liegen, bevor wir im Hotel frühstücken gingen. L.’s Hände streichelten schon wieder über meinen Rücken und er meinte: „Ich kann gerade nicht genug von dir bekommen.“

Wir waren irgendwie beide traurig, dass wir schon wieder abreisen müssen und zögerten den Checkout so weit wie möglich hinaus. Doch irgendwann machten wir uns auf den Heimweg.

„Das war bisher unser schönstes Date“, sagte ich im Auto. Er nickte und antwortete: „Ja, das finde ich auch. Ich bin echt froh, dass wir uns gefunden haben.“

Ja, das bin ich auch.

Eure vielleicht ein bisschen verliebte Clara

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