Urlaub mit G.

Die letzte Woche habe ich im Allgäu verbracht und hatte Urlaub. Die Pause habe ich wirklich gebraucht, weil die Diagnose im Januar auch dazu geführt hat, dass ich seitdem schlecht schlafe und insgesamt erschöpft bin.

Letzten Donnerstag hatte ich noch einen Termin im Krankenhaus für mehrere CT-Scans, zu welchem mich L. begleitete. Wir trafen uns morgens an der Bushaltestelle, gingen zu meinem Termin, und anschließend zum Frühstücken zu ihm nach Hause. Danach fuhr ich nach Hause und holte G. ab und wir fuhren gemeinsam ins Allgäu. Er würde bis Sonntag mit mir dort sein und dann mit dem Zug zurück nach Hause fahren, weil er am Montag wieder arbeiten muss.

Ich war vor den Tagen mit G. ziemlich unsicher und aufgeregt, weil in der Beziehung mit G. gerade nicht alles perfekt läuft. Wir haben kaum bis keinen Sex aktuell und finden viel zu selten die Zeit und die Energie, wirklich gute Gespräche miteinander zu führen und emotionale Intimität herzustellen. G. hatte mir gegenüber schon mehrmals geäußert, dass er gerne öfter Sex hätte und ich hatte Angst, dass mich das im Allgäu unter Druck setzen könnte.

Doch letztendlich kam alles anders. Wir fanden im Allgäu endlich mal wieder die Zeit, mit viel Ruhe über unsere Beiziehung zu reden. G. öffnete sich zum Glück mir gegenüber und sprach seit langem mal wieder offen über seine Gefühle. Zum Beispiel fand ich erst dort heraus, dass er aktuell auf L. eifersüchtig ist, aus mehreren Gründen: Einerseits, weil ich mit L. Sex habe, aber mit G. nicht. Andererseits, weil er auch gerne mal wieder daten würde, und einfach auf den gängigen Dating-Seiten niemanden findet, den er interessant findet.

Dass er da so ehrlich war und seine Verletzlichkeit gezeigt hat, fand ich unheimlich schön. Ich brauche keinen Partner, der immer tut, als wäre alles super. Ich will gerne mit einem Menschen zusammen sein und der darf und soll Gefühle haben. Ich will wissen, was bei meinen Lieblingsmenschen vorgeht. Ich will darüber reden und Lösungen finden. Auch und insbesondere, wenn es um negative Gefühle geht.

Das schöne war auch, dass ich in den Gespräch mit G. endlich auch das Gefühl hatte, dass er wirklich verstanden hat, was ich ihm schon seit Monaten versuche zu vermitteln: Dass ich nicht deswegen keinen Sex mit ihm haben will, weil ich ihn weniger attraktiv finde als andere Menschen. Sondern dass ich in der Regel keine Lust auf Sex mit ihm verspüre, weil wir diese ehrlichen Gespräche eben nicht miteinander haben und ich mich daher auch nicht verbunden fühle. Ich brauche emotionale Nähe und ein Gefühl von Sicherheit. Wenn das gegeben ist, habe ich auch Lust, jemandem körperlich näher zu kommen.

Vor dem Sex gehören für mich in einer Beziehung daher gute, ehrliche, empathische Gespräche sowie nicht-sexuelle Zärtlichkeiten wie Kuscheln und Schmusen zum Vorspiel. Wenn ich beides bekomme, fühle ich mich sicher und bekomme ganz von alleine Lust auf mehr.

Ich habe das Gefühl, dass G. das nun verstanden hat. Und auch im Allgäu gleich gesehen hat, dass wir eigentlich kein unlösbares Problem haben. Denn schon die Gespräche im Allgäu haben gereicht, dass ich wieder Lust auf ihn hatte. Wir hatten im Allgäu an 2 von 3 Tagen Sex miteinander und beide male war es richtig schön und ich hab es sehr genossen. Die Tage zu zweit haben uns und unserer Beziehung also sehr gut getan.

G. hatte für Sonntagabend um 19 Uhr einen Zug zurück gebucht. L. würde am späten Nachmittag anreisen. Er war die Tage davor mit seinen Kolleg*innen im Montafon Skifahren gewesen. Am Sonntag meldete sich L. schon morgens und fragte, ob er eventuell schon früher kommen könnte. Er hatte anscheinend in keiner Nacht mehr als 2-3 Stunden geschlafen und sich daher am Sonntag dagegen entschieden, nochmal auf die Piste zu gehen, und sich stattdessen direkt in den Zug gesetzt. Anders als geplant würde er also schon gegen 13.30 Uhr ankommen.

Ich holte mittags also einen völlig erschöpften L. vom Bahnhof ab und brachte ihn zu uns in die Ferienwohnung. Der sah so müde aus, dass ich ihm vorschlug, doch erstmal für eine Stunde einen Mittagsschlaf zu machen. Wir bezogen die zweite Betthälfte bei mir im Zimmer (G. hatte wie immer in einem anderen Schlafzimmer geschlafen), L. zog seinen Schlafanzug an und legte sich hin.

Während er oben schlummerte, nutzten G. und ich die Zeit und suchten gemeinsam Tapeten für unser Wohnzimmer raus. Wie schon in unserem letzten Wohnzimmer wollen wir gerne wieder dunkelgrüne Wände und sind daher aktuell auf der Suche nach einer coolen, gemusterten Tapete. Wir bestellten vier Muster.

Nach einer Stunde ging ich hoch, um L. aufzuwecken. Ich kuschelte mich zu ihm ins Bett und weckte ihn zärtlich auf. L. zog mich an sich und streichelte meinen Rücken. Wir küssten uns und kamen uns zum ersten Mal an diesem Wochenende nah. Es war so schön, da mit ihm im Bett zu liegen, dass ich erst 30 Minuten später wieder zu G. herunterkam. Der war sichtlich eifersüchtig und fragte mich direkt: „Am I bothering you two or something?“

Ab da war ich verhielt ich mich den restlichen Nachmittag vorsichtig, weil ich spürte, dass G. gerade alles andere als cool war.

Wir gingen alle zusammen eine große Runde spazieren und auch L. spürte, dass G. nicht ganz entspannt war in der Situation. Also gab er sich mit G. besonders viel Mühe, brachte die Konversation mit ihm ins Laufen, stellte ihm Fragen, lenkte das Gespräch auf gemeinsame Themen.

Während des Spaziergangs nahm L. irgendwann meine Hand. Das passierte ganz unbewusst, weil wir fast immer Händchen halten, wenn wir nebeneinander laufen. Ich fragte mich auch dann direkt: „Ist das jetzt okay für G.? Mit ihm halte ich ja keine Hand.“ Doch gleichzeitig fand ich es so schön, L. nahe zu sein und hoffte einfach, dass bei G. alles okay ist.

Da uns auf unserem Spaziergang immer wieder andere Spaziergehende entgegenkamen, schlug L. irgendwann vor, dass ich doch auch die Hand von G. nehmen sollte, um mal zu schauen, wie die Leute darauf reagieren, wenn ich da mit meinen zwei Männern spaziere. Ich hätte ihn knutschen können, weil er so auf eine charmante und spielerische Art G. in das Ganze einbezog. Reaktionen bekamen wir übrigens keine 😉

Zurück in der Ferienwohnung aßen wir noch alle zusammen zu Abend und ich fühlte mich ein wenig wie das dritte Rad am Wagen. G. und L. haben unterhielten sich über dies und das, aber über wenig, das für mich auch interessant ist. Die zwei verstehen sich echt gut miteinander, was natürlich sehr schön ist. Gleichzeitig sitze dann eben manchmal ich dabei und bin nicht Teil der Konversation. Aber letztendlich ist es mir lieber so, als wenn die zwei sich nicht verstehen würden und es jedes mal anstrengend und awkward ist, wenn sie sich sehen.

Dann brachte ich G. zum Bahnhof, verabschiedete mich von ihm, fuhr zurück in die Ferienwohnung, und war endlich alleine mit L. Ab jetzt hatten wir drei volle Tage miteinander, nur wir zwei, mit ganz viel Zeit, ohne Pläne und ohne Programm. Drei Tage, auf die wir uns seit Wochen gefreut hatten. Drei Tage, die sich wie ein Honeymoon anfühlen würden.

Ob die wirklich so schön waren, erzähle ich euch im nächsten Blogartikel.

Eure Clara

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  1. Avatar von Schnipsel Schnipsel sagt:

    Wie schön, dass du G. wieder näher gekommen bist und er sich geöffnet hat. Lust entsteht bei Frauen anders als bei Männern. Das ist für viele Männer (zumindest meiner Erfahrung nach) oft nicht so leicht zu verstehen.

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