Aktuell geht es leider G. psychisch nicht sehr gut. Leider führt das auch dazu, dass er mit weniger Leichtigkeit auf die Beziehung zwischen mir und L. sieht. Er ist immer wieder eifersüchtig, auch wenn er das selten selbst so benennt. Aber ich merke an seiner ganzen Art mir gegenüber, dass er gerade weniger gut damit klar kommt.
Immer wieder bekomme ich dann passiv aggressive Sticheleien zu hören, wie z.B. dass ich „ständig“ auf Dates wäre, mit L. ständig Sex hätte und mit ihm „nie“, und so weiter. In der depressiven Episode, in der er gerade steckt, ist er leider seltener in der Lage, die Dinge differenziert zu betrachten. Und verhält sich dann meiner Meinung nach durchaus auch unfair mir gegenüber.
L. bot daher Anfang letzter Woche sogar an, unser für Freitag geplantes Date nochmal zu verschieben, falls G. damit gar nicht klar kommt. Da ich das nicht machen wollte, versuchte ich G. so gut ich konnte aus seinem Loch zu hieven. Ich ging mit ihm spazieren, lenkte ihn ab, sorgte dafür, dass er regelmäßig und ausreichend aß, verbrachte Zeit mit ihm, nahm ihm Entscheidungen ab. Und ich hatte auch wirklich das Gefühl, dass es ihm dadurch etwas besser ging.
Ich wusste, dass G. sich aufgrund meiner vielen Abwesenheiten in den letzten Wochen (Krankenhaustage, Ausbildungswochenenden, die Auszeit im Allgäu) ein wenig mit der Renovierung unseres Hauses alleine gelassen fühlte. Daher fragte ich ihn in den Tagen vor dem Date mit L., wann ich am Samstag wieder zurück sein sollte, um mit ihm zu renovieren. Wir einigten uns auf 10-11 Uhr vormittags.
Also renovierte ich am Freitagvormittag noch mit G. und fuhr dann mittags zu meinem Termin ins Krankenhaus und danach weiter zu L. Das war für mich eine schwierige Situation. Einerseits freute ich mich riesig darauf, L. endlich wiederzusehen. Die 8 Tage seit unserem letzten Date hatten sich ewig angefühlt und ich hatte riesige Sehnsucht nach ihm. Gleichzeitig fühlte ich mich unter Druck, es G. irgendwie recht zu machen. Das Date abzusagen, kam mir aber nie in den Sinn. Dafür ist mir die Beziehung mit L. inzwischen zu wichtig.
Ich spürte dennoch, dass ich nicht komplett entspannt war und die ganze Anspannung der letzten Tage mit mir rumtrug. Daher kuschelten L. und ich uns bei ihm erst mal aufs Sofa und quatschten. Seine Freundin A. war auch noch daheim, würde aber später zu ihrer Mutter fahren. Ich war mir nicht so richtig sicher, ob es für A. auch in Ordnung war, wie L. und ich da kuschelnd auf dem Sofa lagen. Aber ich vertraute einfach mal darauf, dass L. wusste, was ok war und was nicht.
Spoiler: Es war dann doch nicht okay. Was A. dann aber erst zu einem späteren Zeitpunkt erzählte. L. ist da insgesamt deutlich weiter als A. und für mich ist es insgesamt schwierig, A. einzuschätzen. Obwohl ich inzwischen immer mal wieder ein bisschen Zeit mit ihr verbracht habe, ist sie für mich schwer zu lesen und irgendwie unberechenbar.
Etwas später zogen L. und ich uns unsere Schuhe und Jacken an und liefen eine Runde durch die Stadt. Wir mussten noch ein paar Sachen fürs Abendessen einkaufen, sein Fahrrad am Bahnhof abholen und ich hatte auch noch zwei Erledigungen zu machen. Das verbanden wir mit einem schönen Spaziergang.
Als wir anderthalb Stunden später wieder zurück in die Wohnung kamen, hatte A. ihre Sachen schon gepackt, verabschiedete sich von uns und fuhr dann los zu ihrer Mutter.
L. zog mich erneut mit ihm aufs Sofa und fing an, mit mir rumzuknutschen und mich zu streicheln. Ich schlug vor, ob wir vielleicht erst kochen und Abendessen wollten. Doch dann streichelte L. meine Taille und meinen Nacken so, dass mir ein lauter Seufzer entfuhr. Kurz darauf lagen wir aufeinander, knutschten erregt miteinander rum und uns wurde immer heißer.
Doch irgendwie ging mir das alles zu schnell. Also sagte ich L. das genau so, wie ich es fühlte. Für mich war der Sprung vom Renovieren zum Krankenhaus zum bei L. sein und jetzt rumfummeln zu schnell gewesen. Ich war noch nicht bereit und spürte, dass ich gerade viel zu verkopft und nicht ganz im Moment war. Tatsächlich hatte L. das auch schon gespürt und sich kurz vorher auch gefragt, ob wir vielleicht doch erst in die Küche gehen sollten. Also küssten wir uns nochmal ausgiebig und standen dann auf.
Ich setzte mich auf den Barhocker an der Theke, während L. anfing zu schnippeln, den Wok zu erhitzen, und alles fürs Abendessen vorzubereiten. Ich kümmerte mich um gute Musik. Ich wurde an diesem Abend bekocht und durfte diesem wunderschönen Mann beim Kochen zuschauen. Ich schenkte uns jeweils ein Glas Rosé ein und wir unterhielten uns. Immer mal wieder kam ich zu L. in die Küche und umarmte ihn von hinten, küsste ihn oder streichelte seinen muskulösen Oberkörper.
Wir aßen am Esstisch und unterhielten uns gut über dies und das. Ich war froh, als wir mit essen fertig waren, denn der Esstisch zwischen uns nervte mich. Ich wollte ihm gerne nahe sein.
Wir räumten schnell gemeinsam die Küche auf und schenkten uns Wein nach. L. wollte zum Sofa, doch ich hielt in fest, schob ihn gegen die Arbeitsplatte, schmieg mich an ihn, und küsste ihn. Unsere Küsse wurden intensiver, feuchter. Unsere Hände aktiver. Dann fielen die Hüllen. Wir zogen uns in der Küche Kleidungsstück für Kleidungsstück aus. Ich war so erregt. Von der Situation, von der guten Musik, von seinen Händen auf meinem Körper, von seinem Körper unter meinen Händen.
Seine Finger glitten mir zwischen die Beine und brachten mich zu meinem ersten Orgasmus. Ich kniete mich vor ihm hin und nahm seinen Penis in den Mund, blies ihn, bis er über mir stöhnte und schnurrte.
Irgendwann nahm er mich bei der Hand und führte mich zum Sofa. Er legte mich auf dem Rücken hin und verschwand zwischen meinen Beinen. Inzwischen leckte er mich so gut, dass ich laut meine Begeisterung hinausschrie. Mit seinem steifen Penis lief er durch die Wohnung, um ein Kondom zu holen, zog es sich über, legte sich auf mich, und drang gefühlvoll ein. Immer tiefer. Bis mir vor lauter Glück der Atem wegblieb.
Mit anderen Männern genieße ich penetrativen Sex schon auch. Aber mit L. ist das ein ganz anderes Level. Dieser Mann vögelt mich so gut. Da passt alles zusammen. Die Größe seines Penisses, die Geschwindigkeit, die Pausen, das Gefühl, seine Küsse, seine Blicke. Ich liebe es, wenn er mit mir schläft.
„Ich will dich von hinten nehmen.“, meinte L. irgendwann. Oh ja, bitte. Ich drehte mich um. Er drang wieder ein. Fasste mich an meiner Schulter, ich bewegte mich ihm entgegen. Oh Gott war das gut. Es war so intensiv für uns beide, dass L. kurz darauf laut stöhnend kam.
Ich legte mich keuchend auf den Bauch, L. neben mir, meinen Rücken streichelnd. Ich war zwar viele male gekommen, aber „Ich brauche noch etwas.“ Ich drehte mich nochmal um, L. setzte sich auf. Ich kümmerte mich in kreisenden Bewegungen um meine Klitoris. L. drang mit zwei Fingern in mich ein und stoß sanft gegen meinen G-Punkt. Mich überkam ein letzter, wellenartiger Orgasmus, bei dem mein Körper zu explodieren schien. Ich ritt die Welle mit, so lange sie mich trug. Und zog dann L. ganz nah an mich ran, beglückt von allem.
Wir kuschelten noch lange auf dem Sofa. Wir waren ganz beieinander. Ich fühlte mich so glücklich, so verliebt, so flauschig. Ich sagte ihm: „Ich fühle mich gerade total verliebt.“
Wir schauten uns immer wieder tief in die Augen und genossen es, miteinander im Moment zu sein. Irgendwann legte L. seine Hand auf meine Wange und drehte mein Gesicht zu ihm. Er schaut mir in die Augen und meinte: „Ich hab mich auch in dich verliebt.“
In dem Moment verstand ich, was L. damals meinte, als er mir sagte, dass ich mehr Verantwortung fühlte, seitdem ich ihm im Allgäu gesagt hatte, dass ich mich in ihn verliebt hatte. Die gleiche Verantwortung fühlte ich nun auch. Diese Verantwortung, die man plötzlich hat, weil man weiß, dass der andere tiefe Gefühle entwickelt hat. Mehr als nur Verknalltheit. Die Verantwortung, auf diesen Menschen aufzupassen und dafür zu sorgen, dass er nicht verletzt wird.
Um das Ganze noch zu unterstreichen, meinte L.: „Ich meine es ernst mit dir.“
Spätestens jetzt muss ich das zwischen L. und mir eine Beziehung nennen. Mit allem, was dazugehört: Gefühle, Commitment, Verantwortungsübernahme, eine tiefe Verbindung. Beziehungsweise: Ich darf. Denn das ist nur positiv und so unheimlich wunderschön, dass ich das erleben darf. Dass sich das so ganz von alleine und ganz harmonisch und organisch zwischen uns entwickelt hat und einfach alles passt. Ich habe so ein Glück.
Gegen 1 Uhr morgens fielen uns langsam die Augen zu. Die Schlafenssituation bei L. und A. ist etwas komplizierter, da die beiden nur ein Schlafzimmer und ein Wohnzimmer haben. Auf dem Sofa zu zweit zu schlafen, hätte für mich bedeutet, dass ich kaum bis gar nicht geschlafen hätte. Und ins Bett durfte ich nicht, weil A. das nicht erlaubte. Daher ließ mich L. auf dem Sofa alleine schlafen.
Es war unheimlich schwer, ihn gehen zu lassen. Ich wollte ihn ja bei mir haben. Und er wollte natürlich auch nicht gehen. Doch er sagte zu mir: „Ich tu es ja für dich. Und komme morgen früh ganz schnell wieder her.“
Ich schlief schnell ein und erwachte morgens um 7.30 Uhr. Ich ging kurz ins Bad, putzte mir die Zähne, legte mich wieder aufs Sofa, und hoffte, dass L. bald aufwachen und zu mir kommen würde. Keine 15 Minuten später tauchte er im Wohnzimmer auf, zerknittert und mehr schlafend als wach, und legte sich zu mir. So wurden wir gemeinsam wach, obwohl wir in unterschiedlichen Räumen geschlafen hatten.
Wir kuschelten noch eine ganze Weile und tranken auf dem Sofa zusammen Kaffee. Er nahm mich in den Arm und ich kuschelte ich an ihn. L. sagte: „Ich fühle mich heute immer noch verliebt in dich.“ „Ich fühle mich auch verliebt in dich.“
Mit diesem Gefühl stieg ich kurz darauf in mein Auto, um zurück nach Hause zu fahren.
Leider wartete dort ein sehr schlecht gelaunter G. auf mich. Er war sauer auf mich. Es war 11 Uhr, und ich hätte ihm versprochen, spätestens um 10 wieder da zu sein. Ich war baff. Jetzt hatte ich mich extra mit ihm dazu besprochen, wann ich wieder da sein soll, und mich daran gehalten, und G. hatte was anderes verstanden als ich. Spätestens da war mein flauschiges Gefühl wieder verflogen. Gefühlt hatte ich so viel in dieser Woche investiert, damit es ihm gut geht, und jetzt hat es doch nichts gebracht. Ich war richtig wütend. Auf G., mit dem es gerade so kompliziert und anstrengend ist. Und auf mich, dass ich keinen Weg finde, gut mit ihm umzugehen.
Gerade fühlt es sich so an, als wäre zwischen L. und mir alles ganz leicht und klar und mühelos. Und um uns herum ist alles kompliziert und anstrengend. Mit L.’s Freundin A. gibt es immer wieder Themen, die noch ungeklärt sind, und sie hat immer wieder mit Eifersucht zu kämpfen und macht schnell aus jeder Mücke einen Elefanten. Dann tänzle ich um G. herum, weil ich so gut wie kein Feedback von ihm erhalte, wie es ihm eigentlich wirklich geht, was er über L. denkt, was er von mir erwartet, oder was er sich wünscht.
Das nervt. Und wird glaube ich auch noch etwas dauern, bis da alle Baustellen beseitigt sind. Und ich hoffe wirklich, dass wir die beseitigen können. Ansonsten hätte unsere Beziehung keine Zukunft oder stünde immer auf wackligen Füßen.
Am kommenden Freitag stehen L. und ich vor der nächsten Herausforderung. L. wird nachmittags beim Renovieren mithelfen. Was für G. (so scheint es zumindest) voll in Ordnung ist. Doch mein Papa wird auch da sein, d.h. das wird das erste Treffen mit jemandem aus der Familie sein. Meinen Papa muss ich auch noch vorwarnen. Das habe ich mich heute nicht getraut, weil ich eh schon genervt von allem war.
Eigentlich war unsere Dating-Idee für Freitag nämlich, dass wir das Bett in meinem zukünftigen Schlafzimmer aufbauen würden und eine erste Nacht im neuen Haus miteinander verbringen würden. Jedoch ist das Badezimmer noch nicht komplett fertig, sodass wir keine Dusche hätten. Und G. und Papa würden am Samstagmorgen schon wieder im Haus stehen, um weiter Fliesen zu legen. Also hätten wir auch nicht viel Privatsphäre.
Daher hatte ich meine Schwester gefragt, ob wir nicht am Freitagabend was zusammen machen wollen, damit sie und L. sich kennenlernen können und L. und ich danach in ihrem Gästezimmer schlafen könnten. Heute schrieb sie mir dann, dass sie vorher erst nochmal in Ruhe mit mir reden will und am Freitag schon andere Pläne hat. Also geht auch bei ihr irgendwas durch den Kopf, wo es erst noch Klärung braucht.
Als sie mir das heute schrieb, war ich richtig genervt. Warum muss das alles so kompliziert sein? Warum braucht das alles so viel Erklärarbeit? Letztendlich hab ich doch einfach eine weitere Beziehung.
Ich bin aktuell auch ehrlich überrascht, wie viel auch ich nach den vielen Jahren in einer offenen Beziehung da noch zu klären und zu erklären habe. Und zwar sowohl mit G. als auch mit Freund*innen. Der Familie ganz zu schweigen.
Das fühlt sich gerade anstrengend an. Und steht daher so krass im Kontrast zu allem, was zwischen L. und mir abläuft. Aber letztendlich führt kein Weg daran, all diese Gespräche zu führen. Denn ansonsten können L. und ich immer nur in unserer Blase überleben. Und das ist langfristig natürlich weder umsetzbar noch realistisch. Und auch nicht das, wonach wir suchen. Wir haben Bock darauf, füreinander da zu sein und uns sehr regelmäßig zu sehen. Also muss mit unseren Mitmenschen geklärt sein, wie das vonstatten geht, damit es allen gut geht.
Da wir natürlich am Freitag auch nicht zu meinen Eltern können, habe ich während des Schreibens dieses Blogartikels entschieden, dass ich uns nochmal ein Hotel buchen werde. Das ist für mich gerade der einfachste und stressfreiste Weg, trotzdem zu bekommen, was ich mir wünsche: Privatsphäre, ein paar Stunden Abstand von G., und eine ruhige, ungestörte Nacht mit L. Mit einer ordentlichen Dusche und einem bequemen Bett.
Eure Clara
P.S.: Was ging euch während des Lesens durch den Kopf? Könnt ihr meine Gefühle nachvollziehen? Und wie würdet ihr euch in meiner Situation gegenüber G. und meiner Schwester verhalten?
Liebe Clara,
ich kann Deine Frustration verstehen – es klingt als könntest Du gerade mit keiner Partei eine unbeschwerte Zeit haben, weil alles irgendwie an Bedingungen und ausstehenden Gesprächen geknüpft zu sein scheint. In Kombi mit der gerade für Dich ohnehin anstrengenden Zeit kommt es mir so vor als müsstest Du Dich zerreißen um es allen Recht zu machen – was Du ja an sich nicht musst, aber Du willst ja alle Fronten klären und Gesprächen nicht aus dem Weg gehen. Da gehören ja aber immer wenigstens zwei dazu und wenn z. B. G. gerade nicht in der Lage ist ehrlich zu sich selbst und offen mit Dir zu sein – das würde mich auch etwas verzweifeln lassen. Wäre es eine Option da evtl. professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen? Manchmal schleichen sich ja auch in etablierten Beziehungen mit eigentlich guter Kommunikation Muster ein. Vielleicht würde das vor allem G. helfen, seine Gefühle besser zu verstehen und zu äußern.
Was Deine Schwester angeht – das würde mich nervös machen. Vielleicht hat sie Sorge dass Unruhe in die Familie kommen könnte wenn Deine Eltern von Eurem Beziehungsmodell erfahren? Das würde ich so schnell wie möglich in Erfahrung bringen wollen.
Ich wünsche Dir, dass Du da auf das Verständnis und Mitmachen aller Parteien zählen kannst und Dich selbst nicht aus den Augen verlierst. Fühl Dich gedrückt!
LikeLike