Wir sind etwas Besonderes

Anmerkung: Beim Schreiben dieses Artikels höre ich folgende Playlist, die auch in der später beschriebenen Nacht lief. https://open.spotify.com/playlist/37i9dQZF1E4AZY3rqedeAn?si=e090de4242af43ae

Am Freitag traf L. das erste mal auf meinen Papa. G. und ich waren zusammen mit meinem Papa den ganzen Tag in unserem Haus am Renovieren. Nach dem Mittagessen telefonierte ich noch eine Stunde mit einer Freundin. Kurz drauf klingelte es an der Tür und L. kam herein.

Seitdem die Abstände zwischen unseren Treffen etwas kürzer geworden sind (dieses mal lagen nur 5 Tage dazwischen und es fühlte sich an, als hätten wir uns erst gestern gesehen), brauche ich kein „Aufwärmen“ mehr zu Beginn unserer Dates. Das habe ich sonst oft: Dass ich erst nochmal mit den Leuten warm werden muss und meine Zeit brauche, bevor ich bereit für Küsse und Zärtlichkeiten bin.

Doch dieses mal nahm ich L. direkt in den Arm und war einfach super froh, ihn wieder bei mir zu haben.

Er zog sich um und schlüpfte in seine Arbeitshose. Dann gingen wir rüber ins Haus und ich führte ihn einmal rum und zeigte ihm den aktuellen Stand. Während der Führung trafen wir auch auf meinen Papa. Ich stellte die beiden knapp vor: „Papa, das ist L.. L., mein Papa.“ Die beiden schüttelten sich die Hände. Geredet haben die beiden nicht. Mein Papa kann mit unserer offenen Beziehung glaube ich gar nichts anfangen. Er ignorierte L. den restlichen Nachmittag weitestgehend und werkelte in anderen Räumen vor sich hin.

L. war vom Haus begeistert und ich bekam viele Komplimente von ihm für die Auswahl unserer Fliesen, Tapeten, Böden und mehr. G. und ich haben uns schon vor Jahren sehr, sehr intensiv mit Interior Design auseinandergesetzt und sind in unserem Haus nun farblich mutig an alles rangegangen. Wir haben grüne Zimmer, gelbe Zimmer, blaue Treppen, blaue, sechseckige Fliesen im Bad, ein schwarze Dusche, ein schwarzes Klo, ein Badezimmerwaschbenken aus Lavastein, und noch weitere coole Dinge. Auf jeden Fall ist’s bei uns bunt, aber unheimlich modern und geschmackvoll. Und L. gefällt es auch.

Wir begannen gemeinsam die Arbeit und quatschten nebenher miteinander. Es war echt ein entspanntes arbeiten. Immer wieder zischte ich kurz weg, wenn G. oder mein Papa irgendwelche Fragen hatten. Und L. arbeitete dann einfach alleine weiter vor sich hin. Das fand ich irgendwie schön.

Ich hatte mittags meine Periode bekommen und erzählte L. nachmittags davon. Das mache ich inzwischen mit allen Menschen, mit denen ich potenziell Sex haben könnte, so. Weil ich immer noch Angst habe, dass Menschen später negativ darauf reagieren könnten, wenn sie es beim Sex herausfinden. Die Scham, die ich dann spüren würde, erspare ich mir lieber, indem ich das sofort anspreche.

Am späten Nachmittag machte ich Kaffee und schnitt die Törtchen, die L. mitgebracht hatte, in Drittel. G., L. und ich setzten uns auf die Bänke vor dem Haus meiner Eltern, tranken gemeinsam Kaffee und aßen die Törtchen. Ich saß bei G. auf der Bank, L. neben uns auf der anderen Bank. Als G. irgendwann zurück ins Haus ging, setzte ich mich zu L. und wir plauderten noch ein wenig weiter. Er nahm meine Hand und streichelte sie. Als mein Vater plötzlich um die Ecke bog, zogen wir unsere Hände zurück. Wie zwei Teenager, die etwas Verbotenes tun. Schon eine komische Situation.

Danach renovierten wir noch ein wenig, schlossen dann die Türen und gingen rüber zu G., der schon kochend in der Küche stand. L. und ich zogen uns kurz um, verabschiedeten uns von G. und fuhren dann mit dem Bus in die Stadt. Ich hatte uns wie im letzten Blogartikel entschieden ein Hotel gebucht, damit wir die Nacht gemeinsam verbringen konnten. Mit G. hatte ich ausgemacht, dass ich am nächsten Tag gegen 11 Uhr zurück sein würde, um weiter mit ihm am Haus zu arbeiten.

Wir bezogen unser Hotelzimmer, das echt schön war: Geräumig, bequemes Bett, schönes Design, großes Bad. Wir wollten nach der Renovier-Action erstmal duschen und später noch irgendwo was essen gehen.

Ich zog mich vor L. komplett aus. Lief nackt zu ihm hin, ließ mich in den Arm nehmen, und küsste ihn langsam. Er meinte: „Ich find’s voll schön, dass du dich einfach so vor mir ausgezogen hast. Als wir vor ein paar Wochen im Hotel waren, wolltest du das ja nicht. Fühlst du dich heute wohler in deiner Haut?“ Ja, das tat ich.

Ich duschte mich und waschte mir unter warmem Wasser die Haare. Als ich mich abgetrocknet hatte und mir das Handtuch um den Körper wickelte, kam ein nackter L. ins Bad. Der Mann ist einfach schön. Groß, muskulös, haarig. Es überrascht mich immer wieder selbst, wie wahnsinnig attraktiv und anziehend ich ihn finde.

Während L. duschte, kämmte ich mir das Haar, trocknete es etwas mit dem Handtuch, zog mir eine schwarze Unterhose an, und legte mich dann bäuchlings aufs Bett. Ich hatte mein Handy mit dem Lautsprecher verbunden und wählte Musik aus, die zum Moment passte (siehe die Playlist oben).

Als L. mit seiner Dusche fertig war, trat er von hinten ans Bett und streichelte mir über die Beine, meinen Po und meinen Rücken, während er sich neben mich legte. Er schaute mich von unten an und sagte: „Von hier siehst du wunderschön aus.“ Wir küssten uns lange. Kuschelten miteinander. Streichelten uns. L. meinte: „Ich finde dich wahnsinnig anziehend.“

Wir waren wieder miteinander in unserer Blase voller liebevoller Gefühle, Anziehung und ganz weit weg von allem angekommen. Küssten uns immer wieder, unterhielten uns über dies uns das. Oder redeten wenig.

Er fragte mich: „Fühlst du noch so wie vor zwei Wochen?“ Ich nickte: „Ja, voll und ganz.“ Er: „Ich auch.“ Und strahlte mich an, bevor er mich küsste.

Dann rafften wir uns nochmal auf, um Essen zu gehen. Wir aßen bei einem Mexikaner zu Abend.

Während des Abendessens kamen wir auf eine Sexparty in Stuttgart zu sprechen, über die wir uns schon mal unterhalten hatten. Sie heißt „Ein unverschämter Zug“ und ich war schon zweimal dort. Die Sexparty ist echt empfehlenswert, denn sie findet in einem Partyzug statt. Die Play-Zimmer sind in Zugabteilen, es gibt zwei Dancefloor-Waggons, die Besucher*innen sind super durchgemischt und insgesamt ist es eine richtig coole Stimmung.

L. erzählte mir, dass er mit seiner Freundin A. darüber gesprochen hatte und die beiden entschieden haben, dass sie sich aktuell nicht trauen würden, zusammen auf die Party zu gehen. Ich fragte L., ob er mit mir gehen würde und er nickte. „Absolut. Und ich hätte auch richtig Lust darauf, mit dir auf Sexparties zu gehen.“

Leider bin ich da in einem Dilemma. Denn G. hatte auch schon gesagt, dass er gerne mit mir gehen würde. Mit beiden zusammen gehen erscheint mir als keine so super Option, weil ich mir aktuell nicht so richtig gut vorstellen kann, mit beiden im gleichen Setting Sex zu haben. Vor allem, weil L. heterosexuell ist. Und wenn wir A. mitnehmen würden, wäre es auch keine für mich optimale Situation, weil man sowohl A. als auch G. auf so einer Party eher nicht alleine lassen kann und ich gleichzeitig von allen mit L. am liebsten Sex hätte.

Ich sagte irgendwann zum Spaß: „Außer G. und A. würden sich auch daten.“ Diesen Gedanken sponnen wir miteinander weiter. Was als Spaß begann, kam uns irgendwann gar nicht mehr so abwegig vor. Also beschlossen wir, dass wir beiden mal vorschlagen würden, ob sie sich nicht kennenlernen und auf ein Date miteinander gehen wollen.

Das mit der Sexparty machen wir aber sicher mal irgendwann miteinander. L. hat dahingehend noch keine Erfahrungen und ich hätte wirklich Lust darauf, ihn da in eine neue Welt einzuführen und das mit ihm gemeinsam zu erleben. Außerdem habe ich Lust auf das Shopping davor, denn der Mann braucht ja dann auch ein gutes Outfit!

Nach dem Essen kauften wir im Supermarkt noch eine Flasche Weißwein. Wir hatten zwar im Hotel einen Kühlschrank, aber ich fragte ihn, ob er stattdessen lieber Bier aus dem Supermarktkühlschrank nehmen wollte? „Eigentlich hatte ich mich auf den Wein mit dir gefreut.“ L. trinkt sonst nicht so oft Wein, aber da ich sehr gerne Wein trinke, ist das irgendwie sein Ding geworden, dass er mit mir gerne Wein trinkt. Das finde ich schön. Wir suchten also einen passenden Grauburgunder raus und liefen damit zurück ins Hotel und stellten die Flasche in den Kühlschrank.

Ich machte wieder Musik an und wir kuschelten uns ins ohne Hosen ins Bett – ist einfach bequemer als mit 😉

Wir kuschelten und quatschten und genossen die Zeit. Schenkten uns Wein in Gläser und stoßen im Bett miteinander an. Und fingen irgendwann an, uns gegenseitig horny zu machen. Ich streichelte seinen Penis ganz sanft, als er meinte: „Du weißt ganz oft, ohne dass ich dir was sagen muss, welche Berührungen sich für mich gerade am schönsten anfühlen würden.“

Als ich mir schon wünschte, mit ihm zu schlafen, ließ leider seine Erektion nach. Und kam auch erstmal nicht mehr wieder.

Als er kurz auf die Toilette ging, schenkte ich uns Wein nach und lehnte mich an die Bettlehne. Er kam zurück, setzte sich neben mir aufs Bett und legte sich seitlich über meine Hüfte. Er sah aus, als ginge ihm viel durch den Kopf. Ich fragte ihn, was das sei. Und er meinte, dass vorhin seine Erektion flöten gegangen wäre, weil er vor ein paar Wochen schonmal Erektionsprobleme mit mir hatte. Damals, weil seine Freundin A. ihn mitten im Vorspiel auf seinem Handy anrief und ihn das kurz voll aus dem Rhythmus gebracht hatte. Seitdem hatte er Angst, dass ihm das nochmal passierte und dann ist das wie ein kleiner Teufelskreis. Statt einfach im Moment zu sein, muss er daran denken und hat dann ja erst Recht Probleme mit seiner Erektion.

Ich fand das schön, dass er seine Gedanken mit mir teilte. Küsste ihn immer wieder auf die Wangen, nahm ihn in den Arm und streichelte seine Schultern und seinen Bauch. Als unsere Küsse wieder feuchter und heißer wurden, streichelte ich seine muskulösen Beine. Und spürte, wie er wieder hart wurde. Ich nahm ihn in die Hand und brachte L. zum Schnurren.

Ich sag L. in die Augen: „Schläfst du mit mir?“ „Sehr gerne.“

Ich sprang ins Bad, um meine Menstruationstasse zu entfernen, während er sich ein Kondom überzog. Wir legte ein Handtuch aufs Bett. Ich legte mich auf den Rücken. L. kam mir ganz nah. Drang behutsam in mich ein und wir versanken miteinander im Tunnel der gemeinsamen Lust.

Danach genossen wir die seeligen Gefühle miteinander und kuschelten eng umschlungen. Er sagte mir, wie schön er es findet, dass ich vom penetrativen Sex kommen kann, weil es sich für ihn dann so anfühlt, als könnte ich auch spüren, wie schön und gut es sich für ihn im Tunnel anfühlt.

Er fragte mich, ob ich mit Ls. auch so romantischen, langsamen Sex gehabt habe. Nein, das hatte ich nicht. „Meine Gefühle für Ls. waren nie so tief wie für dich. Der Sex war daher eher heiß und wild und weniger romantisch und langsam.“ Ich frage mich, warum er mir diese Frage gestellt hat. Das muss ich ihn mal noch fragen.

Er sagte mir, dass er das Kuscheln nach dem Sex mit mir immer unheimlich schön findet. Und dass es ihn wundert, dass eine Freundin A. immer wieder erzählt, dass das mit ihren Dates nicht so ist. Ich sagte: „Naja, das wird daran liegen, dass die keine richtige Verbindung haben. Das macht nichts aus, solange mit erregt ist und gleich Sex miteinander hat. Aber wenn der Sex dann passiert ist, hat man weniger Gründe, dann noch innig umschlungen miteinander zu kuscheln. Das ist nicht so wie bei uns. Wir fühlen uns verbunden und haben uns echt gern.“

Ich sagte: „Du bist etwas Besonderes.“ Er sagte: „Wir sind etwas Besonderes.“

Irgendwann gingen wir schlafen. Wobei ich kaum schlafen konnte. Aber es war so schön, L. neben mir zu haben, der sich die ganze Nacht an mich kuschelte und die Nähe zu mir suchte.

Morgens kuschelten wir noch eine Weile weiter, bevor wir uns wuschen, anzogen und das Hotel verließen. Wir verabschiedeten uns am Bahnhof. Er stieg in seinen Zug und ich in meinen Bus.

Daheim angekommen, zog ich meine Renovierkleidung an und ging rüber. G. machte mir die Tür auf und wünschte mir einen guten Morgen. Ich ging hoch zu meinem Vater. Der meinte direkt: „Warum bist du so spät hier?“ Ich antwortete überrascht: „Naja, weil ich mit L. in der Stadt geschlafen habe.“ Und dann wurde mein Vater hart: „Dein Benehmen ist wirklich abscheulich. Du amüsierst dich da in der Stadt, während G. hier arbeitet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass G. damit gut klarkommt.“

Ich verstand zwar sofort, warum mein Vater so dachte. In seinen Augen betrug ich G., ohne dass das für G. in Ordnung ist. In seinen Augen kam ich zwei Stunden später auf die Baustelle als G. Und er hatte keine Ahnung davon, wie genau die Beziehung zwischen mir und G. abläuft, welche Absprachen es da gibt, und wie es G. tatsächlich geht.

Ich hatte in dem Moment keine Lust darauf, mit meinem Papa in ein klärendes Gespräch zu gehen. Aber ich ging direkt zu G., um zu schauen, ob es ihm tatsächlich nicht gut ging. Eventuell hatte ja auch G.’s Verhalten meinen Vater zu so einer Reaktion verleitet.

Doch als ich G. darauf ansprach und ihm erzählte, was mein Vater gerade zu mir gesagt hatte, war der total entspannt. Für ihn war alles super.

Die Reaktion meines Vaters war für mich allerdings trotzdem nicht einfach wegzustecken. Immerhin dachte er schlecht über mich, obwohl ich mich komplett korrekt verhalten hatte. Nur wusste er das nicht.

Eines ist uns dadurch klar geworden: Wir müssen mit meinen Eltern nochmal ein Gespräch führen. Und zwar am besten G. und ich gemeinsam, damit es nicht so wirkt, als würde ich gewisse Dinge über G.’s Kopf hinweg entscheiden. Meine Eltern müssen dringend mehr über unser Beziehungskonstrukt wissen, um besser zu verstehen, was da vor sich geht. Sie müssen verstehen, dass L. nicht der Mann ist, mit dem ich G. betrüge. Sondern mein Freund, mit dem ich eine Beziehung führe. Mit dem sich G. bestens versteht. Und wo wir alle aufeinander achten, damit es uns allen gut geht und wir die Bedürfnisse von keinem*r von uns außer acht lassen.

Heute war auch noch meine Schwester zum Renovieren da. Sie hat mir viele Fragen zur Beziehung mit L. gestellt und war ehrlich daran interessiert, alles zu verstehen und einschätzen zu können. Ihre ehrliches Interesse fand ich sehr schön.

Auch meine Schwester meinte, dass wohl nichts daran vorbei führt, mit meinen Eltern nochmal ins Gespräch zu gehen und ihnen alles zu erklären. Auch wenn sie das nicht hören wollen. Denn letztendlich müssen sie damit klar kommen und sollten in der Lage sein, ordentlich auf alles zu blicken. Anstatt mich als „die Böse“ zu sehen, die G. ausnutzt und ihn betrügt und sich unfair verhält. Denn das denken sie glaube ich im Moment.

Ein böses, böses Mädchen bin ich schon auch. Aber nicht so, wie sie denken.

Liebe Grüße an euch,

Clara

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