Burnout und die L-Frage

Mich hat heute eine Freundin gefragt, ob bei mir alles okay ist, weil ich mein Blogging-Date übersprungen und seit vorletzter Woche nichts mehr geschrieben habe. Heute ist wieder alles okay, aber sie hat ins Schwarze getroffen.

Ich hatte die komplette letzte Woche mit Burnout-Symptomen zu kämpfen und war so erschöpft, dass ich schon nach 4-5 Stunden arbeiten wieder heimfahren musste. Ich wäre kognitiv nicht in der Lage gewesen, einen Blogartikel zu schreiben.

Genügend Stoff hätte ich gehabt.

Seit meinem letzten Blogartikel sind G. und ich ENDLICH in unser wunderschönes Haus eingezogen. Zwar sieht alles noch ziemlich chaotisch aus, aber die Renovierungen sind erst mal abgeschlossen. Alles, was jetzt auf unserer To Do Liste steht, können wir nach und nach und in unserem Tempo abhaken.

Es fühlt sich noch total surreal an, dass wir jetzt wirklich in diesem riesigen, stylischen Haus wohnen und das uns gehört. Dass wir uns da entfalten und unser Leben und unsere Zukunft miteinander aufbauen können. Verrückt.

Sowohl G. als auch ich sind nach den letzten Monaten voller Renovierungsarbeiten und Krankenhausstress echt am Ende. Wir fahren in zwei Wochen gemeinsam in den Urlaub – und den brauchen wir dringend. Einmal, um einfach Kraft zu tanken. Aber auch, um mal wieder ausgiebig Quality Time miteinander zu verbringen. Ich freue mich schon sehr darauf.

In der letzten Woche, als mir die Puste ausging, habe ich mich mit meinen Gedanken und Sorgen auch nicht mehr an G. gewendet. Ich habe das Gefühl, dass wir gerade einige Themen miteinander zu klären haben und in unsere Beziehung investieren müssen. Er ist gerade super oft eifersüchtig auf L., aber ich habe nicht die Kraft, die nötigen Gespräche mit ihm zu führen. Daher fühle ich mich bei ihm aktuell auch nicht so sicher.

Als es mir gar nicht gut ging, wendet ich mich daher an meine Schwester und meine Freundin A – und nicht an G. G. verstand meine Erklärung meines Verhaltens glaube ich schon, aber war gleichzeitig natürlich alles andere als erfreut darüber.

Letzte Woche waren meine Kräfte so am Ende, dass ich zeitweise vor lauter Erschöpfung nur noch im Bett oder auf dem Sofa liegen konnte. Es hat G. Zeit gekostet, zu realisieren, was da gerade mit mir passiert. Aber dann hat er sich die ganze Woche echt süß um mich gekümmert. Seine Love Language sind Acts of Service, und von denen habe ich unheimlich viele von ihm erhalten. Er hat mir zum Beispiel meine Lieblingsessen gekocht. Einmal saß er mir am Tisch gegenüber und meinte total knuffig: „I do all of this great cooking because I love you!“ Das war süß.

Mit L. hatte ich immer wieder Kontakt und er machte sich echt Sorgen um mich. Wir waren für Donnerstag zum Bouldern verabredet und ich warnte ihn schon früh vor, dass ich leider nicht versprechen konnte, ob ich die Energie dafür haben würde. Er reagierte verständnisvoll und meinte, dass wir ja einfach schauen können, wie ich mich fühle. Kein Druck, sondern einfach Empathie.

Also fuhr ich am Donnerstag mal wieder in die Klinik, weil die Ärzte erneut mein Blut checken wollten wegen eines Wertes, der ihnen Sorgen bereitet. Danach traf ich L. und meine beste Freundin in einem Studierenden-Café. Meine beste Freundin fährt bald für 5 Wochen nach Australien und ich wollte mich nochmal richtig von ihr verabschieden und ihr eine gute Reise wünschen.

Es war schönstes Wetter ich genoß die Sonne auf meiner Haut und die Spezi in der Hand. Doch nach einer Dreiviertelstunde Konversation mit meiner Freundin sank mein Energielevel von einer Minute auf die andere plötzlich in den Keller. Ich kommunizierte dass an L. und die Freundin – und L. reagierte sofort. Er ging an die Bar, bezahlte die Rechnung, und stand demonstrativ auf, damit auch meiner nicht immer sehr einfühlsamen Freundin klar war, dass wir nun gehen würden. Ich umarmte sie lange und wünschte ihr mit meiner letzten Kraft eine gute Reise und gab ich einen Knutsch auf die Wange. Und dann hakte ich mich bei L. unter und ließ mich von ihm aus dem Café führen. Ich war echt froh, ihn bei mir zu haben, mich bei ihm einhaken zu können, und fühlte mich irgendwie beschützt.

Sobald wir aus dem Lärm raus waren und ich ein paar mal durchatmen konnte, ging es mir wieder etwas besser. Wir liefen durch einen Park und ich schlug vor, dass wir uns für ein paar Minuten ins Gras setzten, damit ich etwas runterkommen konnte.

Also setzten wir uns ins Gras und ich rückte ganz nah an ihn ran. L.: „Du kannst dich auch an mich lehnen, wenn du magst.“ Ich küsste ihn auf die Wange.

Ich kann mich nicht daran erinnern, schon mal einen Menschen erlebt zu haben, der so empathisch ist. L. weiß so oft, wie ich mich gerade fühle und was in mir vorgeht, lange bevor ich ihm etwas verbalisiere. Er ist feinfühlig, aufmerksam und nimmt Nuancen wahr. Das finde ich erstaunlich – und wunderschön.

Wir sahen den Enten beim Watscheln zu, küssten uns und redeten ein bisschen, während ich mich langsam beruhigte und wieder etwas Kraft schöpfte. Dann liefen wir zum Auto zurück, um uns auf den Weg zur Boulderhalle zu machen.

Im Auto fiel uns dann auf, wie spät es schon war. Ich fragte ihn, ob wir trotzdem noch bouldern gehen wollten. Er erwiderte, dass er sich das gleiche auch gerade gefragt hatte. Wir entschieden, direkt zu mir zu fahren, weil wir uns eigentlich beide vor allem nach ruhiger Zeit miteinander sehnten.

Daheim begegneten wir einem gestressten G., der voll im „Alles im Haus muss so schnell wie möglich fertig werden und deswegen Arbeiten wir Tag und Nacht“-Modus war. Sein Stress übertrug sich sofort auf mich. Ich setzte mich daher mit L. aufs Sofa und vergrub mein Gesicht an seiner Brust, um runterzukommen.

G. ist wahnsinnig diszipliniert. Das hat ihm schon in vielen Lebenslagen genutzt. Doch die Kehrseite ist, dass er keine Ruhe geben kann und sowohl seine Selbstfürsorge als auch die Fürsorge für seine Mitmenschen immer wieder vergisst. Er stresst mich daher in solchen Situationen enorm.

L.’s Ruhe und Gelassenheit fühlt sich dann im Vergleich wie ein Ruhepol an, der mir enorm gut tut.

L. und ich liefen zum Supermarkt, um für das Abendessen einzukaufen. Wir wollten einen bunten Salat schnippeln und packten noch ein paar Schokoladen-Erdnüsse für G. ein, um ihn aufzumuntern. Denn irgendwie hatten L. und ich beide das Gefühl, dass er L. heute nicht so willkommen hieß in unserem Haus.

Als wir zurückkamen, lag G. zum Glück einfach auf dem Sofa, hatte mit der Arbeit aufgehört und scrollte auf seinem Handy rum. Die Schoko-Erdnüsse erhellten sein Gesicht tatsächlich und das fiel auch L. auf, denn als wir danach zum Kochen in die Küche gingen, gab er mir eine Ghetto-Faust als Triumph-Geste, als hätten wir gerade den Endboss besiegt.

Wir schnippelten wie wild und setzten uns dann zusammen mit G. an unseren schönen Esstisch. Irgendwann kam auch mein Exfreund V. nach Hause und L. und er lernten sich kennen. Ich bin mir nicht sicher, ob V. sofort checkte, dass L. mein Freund war, aber spätestens, als ich L. irgendwann die Hand auf die Schulter legte, war es ihm wohl klar. Alle verhielten sich unverkrampft und nett und es war eine entspannte Stimmung.

Für meinen Geschmack verstanden sich V. und L. sogar einen Ticken zu gut, weshalb ich irgendwann demonstrativ zu L. sagte: „Wollen wir mal langsam duschen gehen?“ Immerhin wollten wir ja noch Zeit zu zweit verbringen. Zum Glück reagierte der sofort, stand auf, und wir gingen gemeinsam hoch.

In meinem Zimmer meinte L.: „Es fühlt sich schön an, dass ein paar Sachen von mir bei dir bleiben dürfen. Ein Schlaf-Shirt, eine Zahnbürste, … Das gibt mir das Gefühl, hier willkommen zu sein.“

Nach einer warmen Dusche legten wir uns nackt in mein Bett und kuschelten miteinander. Es fühlte sich gut an, seine nackte Haut an meiner zu spüren, und ihm so nahe zu sein. Und ich liebe es, mit ihm in aller Langsamkeit die Zeit verstreichen zu lassen und miteinander im Moment zu sein.

Wir hatten ein wahnsinnig spannendes Vorspiel. Er berührte mich auf ein paar neue Arten, wovon manche sich wahnsinnig gut anfühlten. In mehreren Situationen hatte ich das Gefühl, als würde ich gerade mit einer Frau schlafen. Die ganze Dynamik, die der Sex hatte, hat mich so sehr an den Sex mit Ls. erinnert. Das fand ich spannend.

Er leckte mich lange und meinte später zu mir: „Ich finde, du schmeckst wahnsinnig gut. Alles, was an Gerüchen und Flüssigkeiten aus dir kommt, schmeckt und riecht einfach gut.“ Das höre ich natürlich gerne.

Wir hatten auch wieder lange Sex in der Missionarsstellung. Wie immer war das super intensiv für uns beide. Ich fühle mich ihm dabei so nah und so verbunden, und habe gleichzeitig so intensive Orgasmen. Ich liebe es, ihn zu küssen, ihm in die Augen zu schauen. Ihn einfach zu spüren, mit allen Sinnen.

Später kuschelten wir uns erschöpft unter die Bettdecke und schliefen später kuschelnd ein. Als wir noch wach miteinander im Arm lagen, sagte ich zu L.: „Die Treffen mit dir fühlen sich gerade immer an wie kurze Urlaube, in denen ich für ein paar Stunden einfach allen Stress vergessen kann und nur mit dir im Moment sein kann. Das tut mir gerade so gut und ich bin da sehr dankbar dafür.“ L.: „Das fühlt sich für mich genauso an.“

Am nächsten Morgen packte ich meinen Koffer, verteilte L. tausend Küsse übers Gesicht, lief einem schlecht gelaunten G. im Flur über den Weg, der mir nicht mal anständig Guten Morgen sagen wollte, und lief dann zum Bahnhof und versuchte mir nicht zu viele Gedanken darüber zu machen, was wohl schon wieder mit G. los war. War es der Sex mit L., den er vielleicht am Vorabend gehört hatte? Oder was anderes?

Danach saß ich sechs Stunden im Zug, hörte Musik und schaute aus dem Fenster. Während den Stunden mit L. war ich voll entspannt gewesen. Doch jetzt war ich wieder voll im Stress angekommen.

Leider rief unterwegs auch die Klinik mehrmals an und überbrachte mir erneut schlechte Nachrichten. Meine Blutwerte hatten sich verschlechtert und die Ärzte vermuten, dass ich eine weitere Autoimmunreaktion entwickelte – gegen mein Herz. Das machte mir wahnsinnig Angst und sorgte für noch mehr Stress. Als ich am Nachmittag in Hildesheim ankam, war ich völlig fertig.

Aber letztendlich war es die richtige Entscheidung gewesen, trotz allem nach Hildesheim und jetzt weiter nach Hamburg zu fahren. Am Wochenende hatte ich einige hilfreiche Gespräche führen können, Zeit alleine verbracht und viel geschlafen. Schon am Sonntag war ich wie ausgewechselt und fühlte mich wieder mehr wie ich selbst.

Dann fuhr ich gestern weiter nach Hamburg, checkte in mein Hotelzimmer ein und bezog mein cooles Zimmer. Es war ein schönes Gefühl, in dieses Zimmer zu ziehen im Wissen, dass L. am Donnerstag auch hier ankommen würde und wir dann das Wochenende zusammen hier verbringen werden.

Gestern Abend telefonierte ich dann auch lange mit allen möglichen Menschen, die übers Wochenende kaum etwas von mir gehört hatten. Mit meiner Mama, die sich wahnsinnig Sorgen um mich machte. Mit G., der sich auch Sorgen machte, aber das nicht so gut ausdrücken kann. Mit A., die selbst Ärztin ist und mit der ich ganz gut über meine Krankheitsgeschichten reden kann, und die mich auch immer wieder daran erinnert, meine Symptome ernst zu nehmen. Und dann telefoniert ich lange mit L.

Es war ein witziges Telefonat. L. hatte einige Outfits angeliefert bekommen für die Kinky Galore, auf die wir am Samstag hier in Hamburg gehen. Wir machten einen Videocall und er zeigte mir die verschiedenen Outfits vor seinem Spiegel. Gemeinsam entschieden wir uns für ein Outfit, in dem er meiner Meinung nach auch echt am hottesten aussieht. Es ist eine Art durchsichtige Weste aus einem Mesh-Stoff mit Wetlook und eine dazu passende sehr knappe Boxershorts. Das Outfit betont seine muskulöse Statur und ist weder zu marzialisch-männlich, noch zu feminin. Und ich finde es super, weil ich mein durchsichtiges Kleid anziehen werde, was aus genau demselben Stoff ist. Wir werden also auch gut zusammen passen.

Nach der Modenschau zog er sich ein mir gut bekanntes, graues T-Shirt an und sagte: „Ich habe aus Versehen das Schlaf-T-Shirt, das ich sonst immer bei dir lassen, mitgenommen. Und das habe ich jetzt angezogen und es riecht so schön nach dir. Du hast einen ganz unaufdringlichen, aber guten Geruch. Ich rieche dich wirklich gerne.“

Wir redeten unter anderem auch darüber, dass wir echt sehr oft in der Missionarsstellung Sex miteinander haben. Unter anderem auch, weil wir in der ein oder anderen Stellung auch mal Pannen erlebt haben oder seine Erektion nicht mitgespielt hat. Ich meinte zu ihm: „Die Missionarsstellung ist irgendwie unsere Komfortzone geworden.“ Und er entgegnete sofort: „Das ist nicht der Grund, warum ich die Stellung so gerne mit dir mag. Ich schlafe am liebsten mit dir im im Missionar, weil ich mich in keiner anderen Stellen so verbunden und so nah zu dir fühle. Ich suche bei dir nicht den wilden Sex, sondern will die Gefühle zu dir spüren. Ich fahre zu dir, um dir emotional nahe zu sein.“

Mir fällt erst gerade beim Schreiben auf, dass L. und ich während den letzten drei Dates oder Telefonaten kein einziges mal über A. geredet haben. A. hat nicht mehr angerufen, L. hat auch viel weniger auf sein Handy geschaut. Ich habe noch nicht nachgefragt, ob er mit ihr über die Störungen geredet hat. Oder ob er einfach sein eigenes Verhalten verändert hat. Aber die Unterbrechungsfreiheit fühlt sich super an und ich hoffe sie hält an.

Irgendwann ist aus der Verliebtheit zu L. nochmal mehr geworden. Ich habe das Gefühl, dass sich L. genauso fühlt. Dass dieses große Wort mit „L“ zwischen uns schwingt und wir uns nicht trauen, das auszusprechen. Aber es ist ganz deutlich spürbar und fühlt sich ganz warm in meiner Brust an.

Ich frage mich, ob und wann wir das aussprechen. Und ich frage mich, was das mit L. machen würde, wenn ich ihm sagen würde, dass ich ihn liebe. Ob er dafür bereit ist, oder ihn das verschrecken würde.

Jetzt freue ich mich erst mal auf Donnerstag bis Sonntag mit L. in Hamburg. Auf ganz viel Zeit für Gespräche, für Sex, für Nähe. Vielleicht löst sich ja dann auch die L-Frage von ganz allein.

Und ich freue mich auf den Urlaub mit G. Wir haben übers Wochenende einige male miteinander telefoniert und ich fühle mich ihm dadurch wieder etwas näher. Ich spüre eine ganz große Dankbarkeit, dass es G. in meinem Leben gibt. Dass wir dieses großartige Leben zusammen führen können. Und habe daher echt Lust darauf, auch wieder an unserer Beziehung zu arbeiten und an unserem Sexualleben. Aber bitte in Ruhe und ohne To Do Listen im Nacken.

Und ich hoffe, dass es mir nicht nochmal so schlecht geht wie letzte Woche. Denn Schreiben konnte ich dann nicht und habe es sofort vermisst.

Eure Clara

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  1. Avatar von Schnipsel Schnipsel sagt:

    Pass gut auf dich auf, liebe Clara!

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