Klärungsgespräch – Teil 1

Seit Freitag ist zwischen L. und mir so viel passiert, dass ich der Blogartikel ein halber Roman wäre. Ich habe mich entschieden, wirklich alles aufzuschreiben, weil es so viel wichtiges ist. Gleichzeitig werde ich den Artikel in mehrere Teile unterteilen, damit es nicht zu lange für euch wird. Hier kommt Teil 1.

Am Freitagmorgen kamen G. und ich nach einer schlaflosen Nacht im Flugzeug wohlbehalten wieder in Deutschland an. Nachdem wir daheim kurz unsere Sachen abgelegt hatten, fuhr ich direkt in die Klinik, wie es mit meinem Ärzten abgesprochen war. Mir wurde Blut entnommen, es wurde ein EKG gemacht und es wurden die nächsten Schritte besprochen. Insgesamt dauerte der Klinikaufenthalt zum Glück nicht so lange.

Als ich nachmittags fast fertig war, rief mich L. an. Wir waren abends verabredet, doch bei ihm fiel kurzfristig eine Vorlesung aus, sodass er jetzt schon auf dem Rückweg in der Stadt war und auch schon früher Zeit hätte, wenn ich ihn denn früher sehen wollte. Ich sagte ihm: „Ich will unbedingt schon früher Zeit mit dir verbringen.“

Also fuhr ich mit dem Auto zu seiner Wohnung und rief vorher kurz seine Freundin A. an, ob es für sie okay ist, wenn ich direkt vorbeikomme, obwohl L. noch eine halbe Stunde brauchen würde, bis er daheim ist. Auf dem Weg fiel mir dann aber ein, dass das für L. doch überfordernd sein könnte, wenn ich nach den 2 Wochen, in denen wir uns nicht gesehen und viel Drama zwischen uns stattgefunden hat, einfach plötzlich vor ihm in seiner Wohnung stand. Also schrieb ich L., dass ich am Fluss um die Ecke auf ihn warten würde, damit er sich in aller Ruhe von A. verabschieden und in seinem Tempo zu mir kommen könnte. Doch L. schreib sofort zurück, ich soll ruhig kommen.

Ich war ganz schön nervös, als ich kurz darauf bei den beiden in die Wohnung trat. A. nahm mich lange in den Arm, als sie mich begrüßte. Erst danach, als wir uns voneinander lösten, schaute ich L. das erste mal in die Augen – und spürte sofort eine riesige Anziehung und Erleichterung, ihn wiederzusehen. Wir nahmen uns lange und fest in den Arm. So lange, dass A. irgendwann nervös wurde und in die Küche davonlief, um sich mit Kaffee machen abzulenken.

Wir tranken noch einen Kaffee zu dritt und dann verabschiedete sich A., die mit einer Freundin verabredet war. Dann waren L. und ich allein. Es fühlte sich genau so an, wie ich es erwartet hatte: Irgendwie vertraut, aber gleichzeitig wahnsinnig distanziert. Wir waren beide unsicher, wie wir uns verhalten sollten. Und sprachen das auch aus.

Irgendwann setzten wir uns ins Auto und fuhren zu mir. Bei mir daheim hatten wir beide das Bedürfnis, zu duschen und uns etwas frisches anzuziehen. Gleichzeitig waren wir Welten davon entfernt, gemeinsam ins Badezimmer zu gehen uns uns voreinander auszuziehen. Also ging erst er duschen, und ich dann kurz darauf. Als wir uns danach wieder in meinem Zimmer trafen, sagte ich zu L.: „Ich weiß nicht so richtig, wann und wie ich das Gespräch mit dir beginnen soll. Aber es muss sein.“

Es war so klar, was an diesem Abend passieren würde: Wir mussten über alles reden, was passiert war. Und hatten beide einen riesigen Respekt vor dem Gespräch. Ich, weil ich Angst hatte, nicht die richtigen Worte zu finden oder die Hälfte zu vergessen. Er, weil er glaube ich wirklich nicht wusste, was ihn erwartete.

G. war so lieb gewesen, nachmittags eine Runde einkaufen zu gehen, und stand jetzt unten in der Küche und kochte Burger mit Kartoffelspalten.

Um unsere Nerven etwas zu beruhigen, holten wir uns Bier und Wein aus dem Kühlschrank und setzten uns mit unseren Drinks auf die Treppe im Garten, die noch ganz warm war von der Abendsonne. Tja und dann saßen wir da und ich wusste ganz genau: Ich muss das Gespräch jetzt einfach anfangen und das hinter mich bringen.

Also legte ich los. Möglichst ruhig, aber immer mal wieder auch mit Tränen in den Augen, schilderte ich ihm, was aus meiner Sicht abgelaufen war, als ich im Senegal war. Ich will das hier nicht nochmal alles wiederholen, denn ich habe in meinen letzten zwei Blogartikeln schon alle Gedanken auf den Punkt gebracht (siehe Vertrauensverlust und Verstehen wir das gleiche?).

Ich machte mich verletzbar, schilderte ehrlich, wie ich mich gefühlt hatte, warum mich sein Verhalten so sehr verletzt hatte, und wie sehr mein Vertrauen zu ihm dadurch zu Bruch gegangen ist. Ich schilderte, dass ich mich nicht mehr sicher bei ihm fühlte und warum. Ich erzählte, wie enttäuschend das alles für mich war. Und ich sagte ihm auch, wie überraschend ich das alles fand, weil es überhaupt nicht zu dem Bild passte, dass ich davor von ihm gehabt hatte.

L. saß während dessen neben mir, hörte mir zu und war ehrlich bedrückt. Als ich zu Ende geredet hatte, sagte er: „Ich hatte keine Ahnung, dass du dich so gefühlt hast. Jetzt verstehe ich deine Aussagen, Reaktionen und dein Verhalten vollkommen. Mir tut mein Verhalten wahnsinnig leid und ich bin selbst geschockt darüber, wie unempathisch und uneinfühlsam ich mich verhalten habe – und dass mir das nicht aufgefallen ist. Und das macht mir Angst, dass mir das wieder passieren könnte. Dass ich dich wieder verletze, weil ich es nicht checke oder nicht hinbekomme. Ich habe Angst, dass ich es gar nicht besser kann.“

L. gab mir Recht. In allem, was ich sagte. Und versank dann in ganz tiefe Selbstzweifel. Für ihn war das echt viel auf einmal.

Er war dann auch irgendwann nicht mehr in der Lage, noch weiter darüber zu reden. Ich schlug daher vor, dass er das einfach mal sacken lassen soll, sich seine Gedanken dazu machen soll, und dann führen wir das Gespräch fort. Wenn so etwas passiert, reicht manchmal einfach nicht nur ein Gespräch.

Dann saßen wir eine Weile zusammen auf dem Sofa, nahmen uns in den Arm und sagten wenig. Jede*r von uns hing einfach den eigenen Gedanken nach.

Irgendwann meinte L.: „Ich weiß auch immer noch nicht, ob es für dich jetzt eigentlich okay ist, dass ich S. weiter date oder nicht.“ Ich lachte auf: „Natürlich weißt du das nicht. Du hast ja noch gar nicht mit mir darüber geredet.“ Ich glaube, in dem Moment machte es bei ihm einen riesigen Klick. Erst da verstand er so richtig, was genau ich eigentlich damit meine, dass man „über alles“ reden sollte, die wichtigen Fragen stellen sollte, und seine Entscheidungen nicht darauf basieren sollte, was man annimmt, was die Partner*in wahrscheinlich denkt und fühlt. Was es bedeutet, den Konsens herzustellen: Nämlich, miteinander zu reden. Und war über alles wichtige.

Wir kuschelten dann weiter auf dem Sofa und L. meinte zu mir: „Ich habe gerade voll die Stimmungsschwankungen. Im einen Moment denke ich mir, dass ich jetzt total gerne mit dir schlafen würde. Und im nächsten Moment will ich einfach heim und allein sein. Und ich merke, wie wichtig du mir bist und dass ich immer noch ganz schön in dich verliebt bin.“ Wir wussten irgendwie beide nicht so richtig, wohin mit uns. Das Gespräch war begonnen, ich hatte alles gesagt, was ich sagen sollte, aber ich hatte noch nicht alle Antworten von ihm bekommen, die ich brauchte.

Ich hatte von ihm nicht gehört, dass er die Beziehung so mit mir führen will, wie ich es brauche. Ich hatte von ihm noch nicht gehört, dass er sich das zutraut. Ich hatte von ihm nicht gehört, dass ich ihm wirklich so wichtig bin, dass er an sich arbeiten will und sich wirklich um mich kümmern will. Dass er Lust auf das Commitment und die Beziehung inklusive Beziehungsarbeit hat.

Ich hatte klar gemacht, was ich wollte und brauchte. Und ich hatte ihm die Hand gereicht und ihm gesagt: „Ich glaube an dich. Ich glaube du kannst das (lernen), wenn du es denn willst.“

Jetzt musste er sie nur noch nehmen und zeigen, dass er es ernst meint.

So weit kamen wir aber an dem Abend nicht mehr. L. war überfordert und brauchte Zeit, alles zu verarbeiten. Ich schlug daher irgendwann vor: „Lass uns hochgehen und uns ins Bett kuscheln.“

Und das taten wir auch. Wir kuschelten lange und redeten weiter – mal über uns, mal nicht. Ich war mir lange sicher, dass ich heute keinen Sex mit ihm haben würde. Aber irgendwann legte er sich zum kuscheln auf mich. Ich liebe das, sein Körpergewicht auf meinem zu spüren, und ihn ganz nah an mir zu haben. Die Nähe machte mich ganz emotional und ich war kurz davor, zu weinen. Es fühlte sich für mich so schön an, ihn wieder so nah bei mir zu haben, und gleichzeitig machte mir genau diese Nähe Angst. Ein Gefühlschaos.

Dann fing L. an, mich zu küssen. Am Hals, an den Schultern, am Bauch. Immer weiter. Meine Hose wurde ausgezogen, meine Unterhose aus. Und dann spürte ich seine Zunge in meinem Schoß. Und vergaß einfach alles – das Gespräch, den Konflikt, den Stress der letzten zwei Wochen. Ich genoss und schwamm auf meinen Wellen in die Entspannung.

Und fing an zu weinen. Der dritte Orgasmus löst irgendwas bei mir. Ich zog L. zu mir hoch, umarmte ihn ganz fest, und weinte bitterlich. Ich schluchzte und schluchzte. Bei mir brachen alle Dämme. Der ganze Stress der letzten Wochen, die Anspannung, das viele Grübeln, der Schmerz – alles brach plötzlich aus mir heraus. Ich weinte echt lange – und es tat so gut.

Als ich langsam etwas ruhiger wurde, fragte mich L.: „Ging es dir zu schnell?“ Ich schüttelte den Kopf: „Nein, das war der ganze Stress der letzten Wochen, der da hochkam. Manchmal löst sich beim Sex bei mir so ein Knoten und dann kann das plötzlich raus. Jetzt fühle ich mich viel besser, wie reingespült.“ L.: „Ich wünschte, ich könnte auch so weinen wie du.“

Wir küssten uns lange, vorsichtig und innig. Und dann hatten wir Sex. Wunderschönen, langsamen, Sex. Das Thema zwischen uns war zwar noch nicht ganz geklärt, aber es fühlte sich so gut und so richtig an, wie wir uns unseren Körpern hingaben und einfach miteinander im Moment versunken. Ich erinnere mich an keinen Menschen, mit dem ich das so intensiv erlebt habe, wie mit L. Wir spüren und verbinden uns da auf einer Ebene, die ich so ähnlich zwar schon kannte, aber nicht in dieser Intensität. Der Sex ist das, was immer gut funktioniert zwischen uns. Vielleicht flüchteten wir uns auch gemeinsam ein bisschen in diese wunderschöne, lustvolle Blase, in der wir unseren Konflikt einfach vergessen und stattdessen uns genießen konnte.

Sein Orgasmus war ein besonderes Erlebnis für mich. Ich spürte so mit, wie er sich seinem Orgasmus näherte und in den 30 Sekunden vor und während des Orgasmus entspannte sich meine Vagina voll und ganz. Es fühlte sich an, als würde ich seine Gefühle, seine Lust, seinen Orgasmus mit meinem ganzen Körper empfangen. Ich war sein Resonanzkörper und verstärkte unsere Vibrationen für uns beide.

Danach brauchten wir beide ein bisschen, um aus dieser Traumwelt wieder aufzuwachen.

Wir kuschelten und ich legte mich irgendwann auf den Bauch. L. setzte sich auf meine Beine und fing an, meinen Rücken und meinen Po zu streicheln. Immer wieder strich er meine Kurven entlang, meine Pofalte, umfasste meine Pobacken mit seinen großen Händen, strich mit seinen Fingern entlang meiner Wege und Falten.

Ich: „Das fühlt sich so gut an. Und macht mich wahnsinnig feucht.“

Ich ließ mich so noch eine Weile von ihm verwöhnen, bevor ich mich aufsetzte und ihm fragte: „Darf ich dir einen blasen?“ Er nickte. Also drückte ich ihn auf die Matratze, küsste seinen Oberkörper auf dem Weg hinab zu seinem Glied und leckte ihm dort zuerst die Spermarest vom letzten Sex ab. Allein das brachte ihn schon zum stöhnen. Dann verwöhnte ich ihn nach allen Regeln der Kunst, während er unter mir schnurrte und sich vor Lust wand.

Ich küsste ihn und sagte: „Willst du mich von hinten nehmen?“ Während er ein Kondom holte und es sich überzog, fragte er: „Wie möchtest du es? Willst du dich auf den Bauch legen oder Doggy?“ Ich: „Auf den Bauch wäre schön. Das fühlt sich für mich super intensiv an.“

Also legte ich mich auf den Bauch und streckte mich ihm im Hohlkreuz entgegen. L. setzte sich über meine Beine, testete kurz, ob ich feucht genug war, und drang dann in sanften Bewegungen in mich ein. Er vögelte mich genau so, wie ich es am liebsten mag: In langsamen, großen Stößen, mit viel Gefühl und im Rhythmus unseres Atems. Ich kam viele, viele Male und ließ meine ganze Lust einfach zu. Ich flog auf ihr durch den Raum und fühlte mich so wohl, so gut, so sexy, so weiblich, so befriedigt.

Nachdem auch er gekommen war, sank auf mich. So lagen wir noch lange aufeinander und genossen unsere nackte, erhitzte Haut.

Da ich in der Flugnacht überhaupt nicht geschlafen hatte, war ich zu diesem Zeitpunkt seit etwa 40 Stunden ununterbrochen wach. Ich war so müde, dass ich mit einem auf mir liegenden L. einschlief. Lange schlief ich glaube ich nicht, aber ich wurde wieder wach, weil L. sich neben mich legte und anfing, mir den Rücken zu streicheln. Dabei schlief ich ein weiteres mal ein. Und dann entschieden wir, dass es wohl das Beste sei, die Zähne putzen zu gehen.

Gewaschen und im Schlafanzug kuschelten wir uns in dieser Nacht ein letztes mal aneinander und ich schlief innerhalb weniger Sekunden tief und fest ein.

Weiter geht es dann in Teil 2.

Eure Clara

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