Potenzielle Trennung, FOMO und mehr

Diese Woche ist in meinen Beziehungen mit L. und G. so viel passiert, was nicht unbedingt zusammenhängt, dass ich mich dazu entschlossen habe, Zwischenüberschriften einzusetzen. Die einzelnen Abschnitte bauen also nicht aufeinander auf und können ein bisschen wie Kapitel gelesen werden.


L. und A. trennen sich (wahrscheinlich)

Am Montag startete meine neue Immuntherapie, von der ich hoffentlich dieses mal nicht so viele Nebenwirkungen bekommen werde wie bei den letzten zwei Immuntherapien. Meine Schwester fuhr mich in die Klinik und danach fuhren wir gemeinsam weiter in unsere Ferienwohnung im Allgäu. Wir wollten dort ein paar Tage verbringen und Urlaub machen, bevor ich am Freitag meine erste TACE OP hatte.

L. und ich hatten letztes Wochenende ja recht viel über seine und A.’s Beziehung geredet und wie ihr aus meinem Blog sicher rausgelesen habt, habe ich keine gute Meinung von ihr, sondern halte ihr Verhalten L. gegenüber für rücksichtslos, empathielos, ausnutzend und allgemein einfach nicht nett und liebevoll. L. war letztes Wochenende mit dem Rennrad bei mir und hatte mir daher eine Tasche mit einigen Kleidungsstücken mitgegeben, die ich am Montag nach der Immuntherapie kurz bei ihm auf die Terrasse stellen sollte.

Meine Schwester fuhr mich daher nach der Klinik noch kurz zu seiner Wohnung und ich brachte die Tasche weg. Zu meiner Überraschung traf ich dort auf A., womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Sie begrüßte mich nett und nahm mich zur Begrüßung in den Arm. Ich fühlte mich nach all den Gesprächen, die ich mit L. gehabt hatte und von denen sie nichts wusste, wahnsinnig unwohl, sie da zu treffen. Und mir fiel es auch echt schwer, mich ihr gegenüber normal zu verhalten. Ich war ziemlich reserviert und wimmelte sie unter dem Vorwand, dass meine Schwester im Auto warten würde, schnell ab und flüchtete aus der Situation.

Anscheinend war mein Verhalten ihr gegenüber so viel anders als sonst, dass sie L. sofort darauf ansprach, als er später von der Arbeit heimkam. L. wusste natürlich nicht genau, warum ich mich so reserviert verhalten hatte, aber spekulierte, dass es an den Gesprächen liegen könnte, die er am Wochenende mit mir zu deren Beziehung gehabt hatte. Tja und das brachte die beiden tatsächlich dann dazu, endlich mal über deren Beziehung zu reden. Also hatte mein komisches Verhalten doch noch etwas Gutes.

L. und ich telefonierten noch am Montagabend miteinander und er erzählte mir alles. Die zwei hätten fast zwei Stunden miteinander geredet und wären sich einig, dass das, was sie miteinander haben, schon lange keine Beziehung mehr ist. Dass sie super Mitbewohner*innen und gut befreundet sind, aber nichts mehr von dem machen, was andere Paare in einer Liebesbeziehung miteinander machen. Sei es Sex miteinander haben, Verliebtheitsgefühle haben, Romantik, auf Dates gehen, Spaß daran haben, Zeit miteinander zu verbringen.

Eine Trennung kommt nun für beide in Frage, aber sie wollen bis zum Ende von L.’s Studium weiter zusammenleben, weil L. vorher nicht die finanziellen Mittel hätte, um sich ein Zimmer oder eine Wohnung zu leisten, und auch keine Freund*innen hat, bei denen er unterkommen könnte. Sie wollen in den nächsten Wochen aktiv beobachten, ob sich zwischen den beiden nochmal etwas entwickeln kann, und weiter im Gespräch bleiben. Aber laut L. war A. in dem Gespräch sogar noch pessimistischer als L. und ging noch mehr als er davon aus, dass die zwei sich trennen würden.

Für mich hörte sich das ganze stark danach an, als wäre eigentlich beiden klar, dass es zwischen ihnen keine Zukunft gibt, aber sie Angst vor dem Cut haben und das daher noch etwas in die Zukunft schieben. Meiner Meinung nach war dieses Gespräch schon die Trennung und sie haben das einfach „softer“ gestaltet, weil sie beide enorm Angst davor haben. Was ja auch verständlich ist, weil die beiden einfach seit 10 Jahren zusammen sind und sich ein Leben ohne einander gar nicht vorstellen können. Dennoch war dieses Gespräch der erste offizielle Schritt weg voneinander.

Ich fragte L. am Freitag, als er mich im Krankenhaus besuchte, wie die restliche Woche der Umgang zwischen den beiden war. Er antwortete, dass es ihn überraschte, wie distanziert die beiden waren und dass A. sich weiterhin sehr rücksichtslos benahm und die beiden keinerlei Moment der Nähe gehabt hätten, obwohl doch das Gespräch am Montag so harmonisch abgelaufen wäre und er sich ihr dabei ganz nah gefühlt hätte. Ich führte ihm daraufhin nochmal vor Augen, dass das Gespräch noch so harmonisch gewesen sein kann. Der Inhalt war aber, dass sie sich einig waren, dass sie keine Beziehung mehr miteinander führen und sich trennen wollen. Und dass es daher überhaupt keinen Sinn ergeben würde, wenn A. plötzlich anfangen würde, sich doch total verliebt, liebevoll und wie seine Freundin zu benehmen. Die zwei hatten zwar ausgemacht, dass sie in den nächsten Wochen nochmal schauen wollen, ob sich da zwischen den beiden nochmal etwas entwickeln kann. Ich glaube aber, dass sich weder A. noch L. darum kümmern werden, dass es auch entsprechende Zeiten und Dates gibt, die das fördern könnten, und dass sich daher überhaupt nichts entwickeln wird.

Meine gute Freundin S. hatte vor ein paar Monaten auch den Fall, dass ihr Partner sich von seiner anderen langjährigen Partnerin getrennt hat. Sie war damals richtig traurig darüber. Ich bin das nicht. Ich freue mich darüber, dass es eventuell eine Zukunft ohne A. gibt. Oder mit deutlich weniger A. So fies das vielleicht klingt. Problematisch finde ich, dass ich das auch deswegen fühle, weil ich L. dann auch ein bisschen mehr für mich habe. Daran werde ich arbeiten müssen.

Und was mich auch freut – und da spüre ich auch schon jetzt eine Verhaltensänderung bei L. – ist, dass ich im Freundinnen-Ranking weit nach oben gestiegen bin. L. hat sich immer sehr damit zurückgehalten, über Hierarchien zwischen seinen Beziehung mit A. und mit mir zu beschreiben. Aber dadurch, dass die beiden einfach schon so lange zusammen waren, war das schon spürbar, dass A. trotz all ihres schlechten Benehmens einfach ein großer Bestandteil seines Lebens war. Das ändert sich gerade ganz schnell.

Ich glaube, L. spürt das schon eine ganze Weile, dass ich ihm wichtiger werde als A., weil ich ihm viel mehr gebe, die Gefühle da sind, und er mich richtig toll findet. Das Trennungsgespräch hat das für ihn aber offizieller gemacht. Plötzlich ist es für ihn zum Beispiel überhaupt kein Problem mehr, kurzfristig abends doch nicht für A. und eine Freundin von ihr zu kochen, wie es abgemacht war, sondern stattdessen zu mir zu fahren und den Abend mit mir zu verbringen. Und plötzlich ist es ganz selbstverständlich, dass er mich im Dezember zum Skiwochenende mit seinen Freund*innen mitnimmt und A. gar nicht mehr fragt, ob das für sie okay ist. Und plötzlich habe auch ich das Gefühl, dass ich in seinem Leben präsenter sein DARF. Zum Beispiel hatte ich immer eine hohe Zurückhaltung, einfach so unangekündigt bei ihm anzurufen, weil ich ja stören könnte bei irgendwas. Jetzt nicht mehr.

Dieses Gespräch zwischen den beiden verändert vieles. Was genau, wird wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.

Beziehungsarbeit

G. erzählte mir am Donnerstag, dass er sich am Freitag eventuell mit D. zu einem vierten Date treffen würde. Was er vergaß: Nachzufragen, ob das für mich in Ordnung geht und wie ich mich damit fühle.

Noch am gleichen Abend suchte ich daher das Gespräch mit ihm und kritisierte sein Verhalten. Anfang des Jahres, als ich L. immer näher kam und Gefühle entwickelte, hatte ich zig Gespräche mit G. gehabt, um immer wieder sicher zu gehen, dass es ihm damit gut geht, dass er sich sicher fühlt und auch immer wieder mit ihm darüber geredet, was das mit unserer Beziehung macht und ob er etwas von mir braucht.

Jetzt datet G. jemanden und ist bereits beim vierten Date angekommen, fühlt sich immer noch wohl und mag die Person anscheinend sehr, aber investiert nicht dasselbe wie ich damals in unsere Beziehung. Er leistet die Beziehungsarbeit nicht. Und ich sehe es nicht ein, diese Gespräch zu starten, wenn er derjenige ist, der datet und daher auch die Verantwortung dafür trägt, dafür zu sorgen, dass es mir damit gut geht. Diese Verantwortung will ich ihm nicht abnehmen, sondern erwarte, dass er sie übernimmt.

Das Gespräch hatte seine Parallelen zu dem Gespräch, dass ich mit L. auf der Kneipentour hatte. Mit dem Unterschied, dass mit G. noch überforderter vorkam als L. Und mit dem Unterschied, dass L. mir zustimmt, dass ich nicht alleine die Beziehungsarbeit machen sollte, in einem Lernmodus ist, und sich sehr selbstkritisch mit dem Thema auseinandersetzt. L. beschäftigt sich gerade viel mit der unterschiedlichen Sozialisierung von Männern und Frauen und hat daher verstanden, wie sehr das Gender-Thema in Beziehungen reinspielt. Frauen wurden in der Regel dazu sozialisiert, sich zu kümmern, über Gefühle zu reden, sich zu reflektieren. Männer nicht. Daher machen wir Frauen die Beziehungsarbeit oftmals alleine. Doch alles davon kann Mann lernen.

Ich glaube auch, dass G. das lernen kann. Zur Zeit ist er psychisch aber wieder ziemlich angeschlagen. So gut wie alles überfordert ihn. Dafür habe ich wirklich allergrößtes Verständnis. Und gleichzeitig denke ich mir: Nichts zu sagen, wenn mich etwas stört oder ich mir etwas anderes wünsche, ist halt trotzdem keine Option. Immerhin geht’s hier auch um mich.

Mich macht das gerade ein wenig unglücklich, weil ich anders als bei L. nicht das Gefühl habe, dass G. komplett versteht, warum mir das Thema mit der Beziehungsarbeit so wichtig ist und was genau ich von ihm erwarte. Leider überfordern ihn die Gespräch mit mir so schnell, dass er dann versucht, aus dem Gespräch zu entweichen, z.B. mit Ausreden wie „Ich bin gerade zu müde.“ oder er wird halt still und aus dem Dialog wird ein Monolog. Dann weiß ich, dass von meinem Gesagten bei ihm kaum mehr was ankommt. Ich spreche und kommuniziere, aber habe ich nicht das Gefühl, dass verstanden und reflektiert wird. Das Gespräch ist also umsonst. Ich weiß, dass dafür zum Teil seine Depression verantwortlich ist. Das ändert aber nichts daran, dass ich in der Lage sein will, über wichtige Themen mit ihm zu reden und Veränderungen herbeizuführen.

Wie seht ihr das und wie würdet ihr euch an meiner Stelle verhalten?

Fear of missing out

L. und ich wollten im September irgendwann nochmal für ein paar Tage miteinander wegfahren. Am liebsten irgendwo ins Grüne, wo wir ein bisschen wandern und baden können, und uns ansonsten mit uns beschäftigen und viel Sex haben können.

Im August war ich mit der Planung noch sehr zurückhaltend, weil ich ja nicht wusste, wie die Eingriffe und Therapien wirken würden bzw. ob und welche Nebenwirkungen ich haben würde. Da meine OP aber so gut lief und ich schmerzfrei bin und mich recht fit fühle, haben wir gestern Abend dann mal unsere Kalender miteinander angeschaut. Leider hat sich dabei herausgestellt, dass, obwohl er im September noch Semesterferien hat und daher viel Zeit und ich ja eh krankgeschrieben bin und nur ein paar Stunden in der Woche arbeite, entweder er oder ich doch in jeder Woche etwas in unseren Kalendern stehen haben und es keinen einzigen Slot gibt, wo wir länger als 2 Nächte miteinander wegfahren könnten.

Das enttäuscht mich wahnsinnig. Bisher war es immer so, dass ich sehr frühzeitig mit L. festgelegt habe, wann wir uns sehen und wir unsere Dates in unseren Kalendern einfach geblockt haben. Jetzt haben wir das nicht gemacht und prompt führt es dazu, dass gar kein Platz mehr ist für unsere Pläne.

Heute morgen bin ich aufgewacht und war darüber richtig traurig. Gerade in der jetzigen Phase, wo ich eh das Gefühl habe, dass das Leben von allen anderen weitergeht und meines einfach stillsteht, wo alle anderen tolle und schöne Sachen erleben und den Sommer genießen und in den Urlaub fahren, und ich krank bin oder im Krankenhaus liege, täte es mir so gut, ein paar Urlaube oder Events in meinem Kalender stehen zu haben, auf die ich mich freuen kann.

L. fragte mich gestern auch: „Freust du dich auf den Herbst?“ Und ich sagte nein. Weil ich gerade von Woche zu Woche lebe, nicht vorausplanen kann, weil ich einfach nicht weiß, wie es mir nächste Woche gehen wird. Für jemanden wie mich, die unheimlich gerne Pläne schmiedet, ist es sauschwer aushaltbar, das jetzt nicht machen zu können.

Leider führen diese Gefühle von Trauer, Enttäuschung und manchmal auch Neid gegenüber L., der, wenn er mich nicht sieht, gerade viel Rennrad fährt, daheim rumwerkelt, Sport macht, etc., auch dazu, dass ich mich (mal wieder) emotional distanziert von ihm fühle. Diese „negativen“ Gefühle sind für mich dann so präsent, dass sie sich einfach vor die schönen Gefühle wie Liebe und Zuneigung schieben und diese weniger spürbar werden. Ich weiß dann schon noch, dass sie da sind, aber spüre sie gerade weniger.

Das führte heute Morgen auch dazu, dass ich, als ich um 5.45 Uhr wach wurde, keine Lust hatte, mich an den süßen, schlafenden L. ranzukuscheln, der neben mir lag. Ich fühlte mich mit meinen Gefühlen alleine und wollte das dann auch physisch. Also bin ich aufgestanden, habe mich in der Küche Kaffee gekocht, und habe angefangen zu schreiben. Wie es mir nachher geht, wenn L. wach wird, weiß ich noch nicht. Normalerweise würde ich irgendwann wieder hochgehen und ihn kuschelnd aufwecken. Das fühle ich so aber gerade gar nicht. Und ich mache schon lange nichts mehr, das sich nicht richtig anfühlt.

L. hört beim Sex zu

Gestern war L. dann nachmittags schon bei mir und musste aber nachmittags noch für 2 Stunden für die Uni lernen. Er setzte sich ins Wohnzimmer und ich wurstelte währenddessen im Haus rum, räumte auf, packte meinen Koffer von der Klinik aus. Irgendwann lagen G. und ich zusammen bei mir auf dem Bett und quatschten und wurden ein bisschen horny. Ich fragte G., ob er Lust hatte, mit mir zu schlafen, und er bejahte. Dann fragte ich, ob ich L. vielleicht erst fragen sollte, ob das für ihn in Ordnung war, und er meinte, dass das vielleicht besser wäre.

Ich ging also runter zu L. und war ganz schön nervös, als ich ihn fragte, ob es für ihn in Ordnung wäre, wenn G. und ich oben Sex haben. Das war es. Und so gab es gestern zum ersten mal die Situation, dass es nicht G., sondern L. war, der beim Sex zuhörte.

Ich fragte ihn danach, wie das für ihn war. Er meinte, dass es in Ordnung gewesen wäre und er sich nicht unwohl gefühlt hätte. Und dass er froh war, dass ich ihn erst gefragt hatte, bevor wir losgelegt haben. Dass es für ihn viel komischer gewesen wäre, wenn er plötzlich ohne eine vorhergehende Kommunikation Sexgeräusche gehört hätte.

Ich hatte die Situation, dass ich G. oder L. beim Sex mit jemand anderen zuhöre, ja bisher noch nicht. Vielleicht ergibt sich das demnächst zwischen G. und D. Ich bin sehr gespannt, was das dann mit mir macht und wie ich mich dann fühlen werde. Einschätzen kann ich es gar nicht.

Der Sex mit G. war übrigens richtig schön. Wir haben währenddessen viel miteinander gelacht und ich hab’s sehr genossen, diesen wunderschönen Mann mal wieder nackt zu sehen.


In Wochen wie dieser habe ich das Gefühl, mit dem Schreiben gar nicht hinterher zu kommen, weil so viel passiert. Auch jetzt enthält der Blogartikel nur einen Bruchteil dessen, was alles geschehen ist und welche wichtigen Gespräche ich geführt habe.

Insgesamt bin ich aber gerade sehr zufrieden mit beiden Beziehungen. Zwischen L. und mir ist es sehr harmonisch und wir reden sehr ehrlich miteinander. Zwischen G. und mir fühlt es sich gerade etwas schwerfälliger an, weil das Reden mit ihm gerade schwieriger ist. Aber insgesamt läuft es auch da sehr gut.

Und so lebe ich gerade von Woche zu Woche und hoffe, dass es mir weiterhin so gut geht wie aktuell und ich weiterhin schmerzfrei bleibe.

Clara

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