Ich habe lange nichts mehr geschrieben. Das lag glücklicherweise nicht daran, dass es mir nicht gut ging, sondern ganz im Gegenteil. Ich habe mich wieder so erholt, dass sich mein Kalender ganz schnell wieder gefüllt hat mit allen möglichen Verabredungen und Events und Reisen, sodass ich einfach keine Zeit und Ruhe fürs Schreiben hatte. Hinzu kommt außerdem, dass ich einige sehr gute Freundschaften habe, mit denen ich über meine komplizierten Beziehungsstories reden kann, sodass der Bedarf, das aufzuschreiben, geringer war.
Nichtsdestotrotz vermisse ich das Schreiben. Heute endet vorerst meine Krankmeldung. Seit Mitte Juli arbeite ich kaum bis gar nicht und morgen geht es wieder los. Mit dem Arbeitsalltag kommt auch wieder mehr Routine in meine Wochen. Das macht es mir leichter, aktiv Zeit fürs Schreiben einzuplanen. Und darauf freue ich mich.
Da seit meinem letzten Blogartikel so viel Zeit vergangen ist, werde ich gar nicht erst versuchen, alles zusammenzufassen, was in der Zeit mit G. und L. passiert ist. Ich hole euch lieber da ab, wo ich heute stehe.
In meinem letzten Blogartikel habe ich ja erzählt, dass L. und A. sich wahrscheinlich trennen. Obwohl seitdem anderthalb Monate vergangen sind, hat sich an der Situation zwischen den beiden überhaupt nichts weiterentwickelt. Die zwei sind sich einig, dass sie keine Zukunft miteinander sehen, dass sie die Beziehung nicht fortführen wollen und sich trennen wollen. Aber sie tun es nicht. Daraus ist ein komischer Schwebezustand entstanden. L. redet weiterhin von A. als seine Freundin und dass sie zusammen wären. Faktisch ist aber das einzige, das die zwei noch zu einem Paar macht, diese Sprache und dass sie noch zusammenleben.
Für mich ist das eine sehr nervige und anstrengende Situation. Ich verstehe nicht, warum die zwei das zwischen ihnen nicht einfach ordentlich klären. Die zwei wollen noch bis zum Ende von L.’s Studium zusammenwohnen, weil es finanziell für beide am meisten Sinn macht. Und sie nutzen das als Vorwand, die nötigen Klärungsgespräche dann auch erst nächstes Jahr im Frühling miteinander zu führen.
Leider hat diese ungeklärte Situation auch auf mich bzw. die Beziehung mit L. Auswirkungen. L. und ich haben angefangen, viel über die Zukunft zu sprechen und darüber, wohin sich unsere Beziehung entwickeln soll. Wir haben auch angefangen, meine Eifersucht genauer anzuschauen und die Öffnung unserer Beziehung in langsamen Schritten anzugehen. Wenn L. mit A. zusammenbleibt, wird er denke ich auch weiterhin mit ihr zusammenwohnen und vom Wohnort viel mehr an A.’s Job gebunden sein, als wenn die zwei sich trennen. In letzterem Fall würde L. irgendwann ausziehen und in einem viel größeren Radius nach Jobs suchen. Dann gäbe es die Möglichkeit, dass auch L. und ich irgendwann zusammenziehen, dass er mich in seine Familie integriert, dass wir gemeinsame Urlaube machen, und vieles mehr. Wenn es A. nicht gibt, hat L. die Kapazitäten und Freiheiten, um mit mir eine klassische Primärbeziehung zu führen. Mit A. in seinem Leben sehe ich das nicht als realistisch an.
Darüber hinaus ist die Wohnsituation bei L. und A. einfach suboptimal. Die zwei gehen sich daheim weitestgehend aus dem Weg. Seit dem ersten „Trennungsgespräch“ schläft A. fast nur noch bei ihrem Liebhaber und L. hat die Wohnung für sich. A. ist nur daheim, wenn L. nicht dort ist. Seit August gab es meines Wissens nur 2-3 Nächte, in denen die beiden gleichzeitig in der Wohnung geschlafen haben.
Dadurch, dass A. nun so oft bei ihrem Liebhaber schläft, ist es für mich einfacher geworden, bei L. zu übernachten. Das ist eine positive Entwicklung. Inzwischen darf ich sogar in deren Bett schlafen, was sie jetzt auch „WG-Bett“ nennen – und sogar Sex dürfen wir dort haben. Und wenn A. und L. zusammen in dem Bett schlafen, dann mit viel Abstand und keinerlei Interesse aneinander auf der jeweiligen Bettseite.
Ich habe mit meinen Partner*innen gerne Visionen für die Zukunft. Zur Beziehungsklärung gehört für mich auch dazu, dass wir ein gemeinsames Bild davon haben, wohin sich unsere Beziehung entwickeln soll. Das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit, ähnlich wie es die Normen in einer heteronormativen Beziehung das tun. Und diese Sicherheit brauche ich ganz dringend, wenn wir unsere Beziehung öffnen wollen und L. andere Leute daten will.
Daher stört mich dieser ungeklärte Schwebezustand zwischen L. und A. unheimlich. Und zusätzlich stört er mich, weil ich mich an deren Stelle anders verhalten würde. Ich könnte gar nicht anders, als da miteinander in die Klärung zu gehen. Klarheit ist einer meiner Kernwerte. Und ich verstehe es auch nicht. Warum können die beiden das zwischen sich nicht klären, befreundet bleiben, und meinetwegen tatsächlich als Freund*innen in deren WG weiter zusammenwohnen, solange das nötig ist?
Noch schlimmer finde ich, dass ich nicht das Gefühl habe, dass die zwei einen Plan haben, wann genau sie das miteinander tatsächlich klären. Anfangs hieß es bis zum Ende von L.’s Studium im März/April nächsten Jahres. Doch jetzt erzählte er mir, dass er seine Masterthesis voraussichtlich bis mindestens Mitte Juni schreiben wird. Und danach ist es das Ende des Schuljahres, sodass A., die Lehrerin ist, dann so im Stress sein wird, dass es sich eher bis in den August/September ziehen würde. Ach aber die Wohnung wäre ja dann immer noch nicht gekündigt, sodass wir ruhig nochmal 3 Monate Kündigungsfrist drauf rechnen können.
Ganz ehrlich: Ich will das nicht ein Jahr lang aushalten. Ich will das nicht mal bis März aushalten. Ich will, dass die zwei das klären, damit ich mit L. eine schöne Zukunft ohne A. gestalten kann. Und ja, ich will am liebsten eine Zukunft ohne A., weil die Optionen für L. und mich dann einfach schöner und vielfältiger aussehen.
Falls L. und A. sich doch nicht trennen, bin ich mir ehrlich gesagt nicht mal sicher, ob ich die Beziehung mit L. dann weiterführen will. Einerseits, weil ich nicht glaube, dass ich dann mit L. die Beziehung haben kann, die ich gerne hätte. Und andererseits, weil ich dann echt auch an L.’s Intelligenz zweifeln muss, wenn er mit jemandem zusammenbleibt, der ihn schlecht behandelt, mit dem er keinerlei Gemeinsamkeiten hat, für den er keine Gefühle hat, wo keinerlei sexuelles Interesse mehr besteht, über den er seit Monaten nur negatives erzählt, immer wieder unfair behandelt wurde.
Ich habe mich in den letzten Wochen nicht mehr zurückhalten können, meine Meinung zu deren Situation kundzutun, weil sie eben Auswirkungen auf mich hat. Dummerweise hat das dazu geführt, dass das jetzt zwischen mir und L. echt ein Konfliktthema ist. Er fühlt sich von mir unter Druck gesetzt, was ihm überhaupt nicht gefällt. Und gleichzeitig will er nicht verstehen, warum ich ein Problem damit habe, bis im Frühling auf eine Klärung zwischen den beiden zu warten. Ihm gefällt gar nicht, dass ich eine klare Meinung zu deren Beziehung habe, und blockt jetzt komplett ab. So sehr, dass er auch nicht mehr empathisch zuhören kann, wenn ich mit ihm rede.
Am Wochenende hatte zum Beispiel seine Oma Geburtstag, die bisher von mir nichts weiß. Er rief sie über WhatsApp an – und A. war mit im Call. Mich hat das genervt, weil es halt eines von vielen Beispielen ist, wo ich nicht die Primärpartnerin behandelt werde, solange A. und L. „zusammen“ sind. Daher nahm ich das am selben Abend zum Anlass, um mit ihm darüber zu reden. Ich hatte bisher nämlich gar nicht so klar kommuniziert, dass ich gerne seine Primärpartnerin sein möchte. Offiziell. So richtig.
Leider war L. überhaupt gar nicht in der Lage, mich anzuhören und das anzunehmen, was ich ihm sagte. Das Gespräch war komplett für die Katz. Ich wette darauf, dass er in keinster Weise verstanden hat, worum es mir geht. Anstatt meinen Wunsch zu hören und den einfach erst mal anzunehmen und sich Gedanken darüber zu machen und da reinzuspüren, erklärte er mir, dass er mir durchaus zeigt, dass ich ihm wichtig bin. Er sähre es überhaupt nicht, dass A. einen Effekt auf unsere Beziehung hat und dass es daher überhaupt keine Auswirkungen auf uns hätte, ob er sich jetzt oder in 9 Monaten von A. trennt. Ich komme da aktuell mit ihm nicht weiter irgendwie und bin ganz schön frustriert.
Leider läuft es mit G. gerade auch nicht so prickelnd. Anders als mit L. haben wir eigentlich keine Konfliktthemen miteinander gerade. Aber ich fühle mich schon seit einigen Wochen kaum mehr emotional mit G. verbunden und spüre auch keine sexuelle Anziehung mehr. Meiner Meinung nach liegt das vor allem daran, dass ich aktuell mit G. keine ehrlichen, tiefen, guten Gespräche führen kann. Versucht habe ich es immer wieder. Wenn ich mit ihm rede, bekomme ich kein Feedback, keine Antworten auf meine Fragen. Es kommt kein Dialog zustande und wir kommen mit keinem der Themen wirklich weiter. G.’s am häufigsten gesagter Satz ist mal wieder „I don’t know“. Er sagt selbst, dass ihm aktuell die mentalen Kapazitäten fehlen, um zu reflektieren – mit mir und alleine. Das ist ein typisches Symptom seiner Depression. Doch die wird halt auch nicht besser, wenn er keinen festen Therapieplatz hat und nur alle 6-8 Wochen seine Therapeutin sieht.
Und das mit der sexuellen Anziehung war bei mir schon immer so, dass die ganz stark davon abhängig ist, ob ich mich mit jemandem verbunden fühle oder nicht. Grob gesagt: Gute Gespräche, in denen man sich verletzlich macht und sich ehrlich und empathisch begegnet – und dann hab ich auch Lust auf Sex.
Bei G. kommt leider auch noch dazu, dass er weder gerne noch gut kuschelt. Nicht-sexuelle Körperlichkeiten sind mit ihm daher immer Mangelware. Auch darüber kann man ja emotionale Nähe herstellen. Doch nicht mit G.
Wir haben jetzt für November einen Termin bei einer Paartherapeutin gebucht und wollen mal gemeinsam mit einer dritten Person auf alles blicken. Ich hoffe, dass sie uns helfen kann.
Ich hatte gestern und heute seit langem mal wieder den Gedanken, dass ich auch echt gerne mal wieder Single wäre, um mich nicht ständig um irgendwelche Beziehungen kümmern zu müssen. Aber nur ganz kurz, denn dann ist mir wieder eingefallen, warum ich meine zwei Männer liebe und was die positiven Seiten der Beziehungen sind. Und das sind zum Glück sehr viele.
Am Samstag waren wir zu dritt in der Therme, was eine neue Erfahrung für mich war. Ich war schon oft mit L. in der Sauna und genauso mit G. Doch nie mit beiden gleichzeitig. Ich hatte ein bisschen Bammel, ob ich es schaffen würde, beiden gerecht zu werden. Ich will nicht, dass sich irgendwer wie das dritte Rad am Wagen fühlt.
Doch in der Saunalandschaft entwickelte sich alles total harmonisch und organisch. Ich umarmte mal G., dann kurz darauf L. Ich wechselte ganz selbstverständlich zwischen beiden Männern hin und her, redet mal mit dem einen, mal mit dem anderen. Wir tranken zu dritt Kaffee und wählten die Aufgüsse gemeinsam aus.
Es war eine total schöne Erfahrung für mich, diese Leichtigkeit und Entspanntheit mit den beiden zu erleben. Und ich wünsche mir, dass das so bleibt.
Clara