Gestern war ich auf dem zweiten Date mit I. Über das erste Date habe ich in Podcast-Folge 3 mit Rosa geredet. Und weil ich ganz schön begeistert von dieser Frau war, habe ich mich sehr auf das zweite Date gefreut.
Wir haben uns bei ihr in der Stadt getroffen. Ich bin zu ihr gefahren und habe sie daheim abgeholt. Sie wohnt mit einem ihrer Partner in einem total süßen, kleinen, Hexenreihenhäuschen, das genauso bunt und quirlig aussieht wie ich sie bisher auch kennengelernt habe. Ihr Partner war auch daheim und sah ganz sympathisch aus. Viel geredet haben wir nicht, weil I. und ich los wollten auf einen Weihnachtsmarkt in einem nahegelegenen Dorf.
Dort schlenderten wir durch die Gassen, sahen die herumlaufenden Truthähnen zu, tranken Glühwein, aßen Esskastanien, und redeten währenddessen ganz viel. Mit I. komme ich zu ganz vielen Themen leicht ins Gespräch. Es gibt unglaublich viele Gemeinsamkeiten und ähnliche Interessen. Sogar beruflich haben wir große Überschneidungen. Und nebenbei strahlt sie eine Tiefe, Intelligenz und Lebensfreude aus, die ansteckend ist.
Ich finde I. auf ganz vielen Ebenen anziehend. Ich bemerke, wie ich plötzlich schüchtern bin, weil ich sie so toll finde und nichts falsch machen will. Ich merke, wie ich mir wünsche, ihr näher zu sein. Ich schaue ihr immer wieder auf den Mund, wenn sie redet. Beobachte das Lippenpiercing, das da wie eine Süßigkeit vor meiner Nase auf und ab tanzt. Würde so gerne kosten, wie sich diese vollen Lippen anfühlen. Und bin gleichzeitig ungewohnt schüchtern. Hach.
Wie auch im Podcast erwähnt ist I. auch endlich ein Mensch, von der ich ein Fan sein könnte. Ich find sie richtig toll. Ich hab das Gefühl, dass sie mich inspirieren könnte.
Nach dem Weihnachtsmarkt-Besuch parkten wir das Auto in ihrer Stadt und sie zeigte mir in einem ausgedehnten Spaziergang die schönsten Ecken dort. Wir wärmten uns zwischendurch in einem Café bei Heißgetränken und Kuchen auf, und lachten über unsere von den Mützen plattgedrückten Haare. Sie lud mich ein und wollte als Bezahlung eine Umarmung. Die bekam sie, als wir auf einer alten Brücke über den Fluss liefen. Eine lange Umarmung, während der ich sie am liebsten geküsst hätte, aber mich nicht getraut habe, zu fragen.
In einer besonders dunklen Gasse prüften wir, ob ihr „glow in the dark“-Nagellack das Werbeversprechen hielt. Leider nein, aber witzig war’s trotzdem. Und weil wir beide den Nagellack ganz genau anschauen wollten, waren wir uns ganz nah. Meine Schulter an ihrer, mein Gesicht nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt.
Abendessen gingen wir dann auch noch. Wir schlürften Ramen und Udon Nudeln aus riesigen Schüsseln und wollten eigentlich nach einer Stunde zurück zum Auto, denn es wurde langsam spät. Doch es wurde doch später, weil wir noch einmal so ins Gespräch vertieft waren.
Insgesamt verbrachten wir fast sieben Stunden miteinander und die Zeit verging wie im Flug. Da waren keine Gesprächspausen, sondern immer noch mehr Themen und Neuigkeiten. Ganz viel Austausch und gegenseitige Inspiration. Viel zuhören und kommunikatives Geben. Es ist so heilsam, mit Menschen reden zu dürfen, die die Macht von Sprache verstehen und sich so eine Mühe mit ihr geben.
Ich habe immer wieder Gefühle von Minderwertigkeit, weil sie schlanker und meiner Meinung nach schöner ist als ich. Findet sie mich attraktiv? Ich hoffe, aber ich weiß es nicht.
Ich fuhr mit einem wohligen Gefühl nach Hause. Ein wirklich schönes Date mit einer wundervollen Frau. Ich wünsche mir so sehr, dass da etwas entsteht. Ich fühle mich hoffnungsvoll und habe gleichzeitig Angst vor Enttäuschung.
Heute Morgen entschied ich mich, ihr meine Gedanken und Gefühle transparent zu machen. Ich schrieb ihr:
Ich mag dich echt sehr und habe gestern während des Dates mehrmals Momente gehabt, wo ich innerlich dachte, wie wahnsinnig sympathisch und auf ganz vielen Ebenen anziehend ich dich finde. Ich habe beobachtet, wie unsicher ich mich teilweise in deiner Gegenwart fühle, einfach weil ich dich echt toll finde. Deswegen nehme ich gerade allen Mut zusammen und sag dir das mal.
Sie reagierte auf die Nachricht mit einem Herz und schrieb mir, dass sie sich nach der Arbeit ausführlich melden würde.
Ihre Antwort war sehr ausführlich. Offensichtlich hat sie sich viel Mühe gegeben, differenziert und ausführlich zu antworten. Was auch wichtig und richtig war, da sie keine einfache Antwort hatte. Sie fand viele Worte der Wertschätzung für mich, für unsere Gemeinsamkeiten und für die schönen Stunden bisher. Gleichzeitig bemerkt sie noch kein „Hals über Kopf Gefühl“, was sie nachdenklich stimmt und nach so wenig Zeit noch nichts zu heißen hat.
Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass sie genau so fühlt wie ich. Deswegen spüre ein bisschen Enttäuschung.
Ich versuche, mich darauf zu besinnen, dass es im breiten Spektrum der Beziehungsvielfalt ganz viele, schöne Formen der Zusammenkunft gibt, und dass wir ja noch mitten im Kennenlernen sind. Aber gefühlt bin ich irgendwie weiter. Gefühlt würde ich gerne beim nächsten Date mit meiner Nase ihren Hals entlangfahren und sie küssen.
Wir haben uns für die nächsten Tage zum Telefonieren verabredet und wollen dann einen Termin für ein nächstes Date suchen. Die Geschichte endet also nicht.
Ich übe, zu genießen, was da ist, anstatt davon zu träumen, was da sein könnte. Gut bin ich darin leider (noch) nicht.
Clara