Das perfekte, traurige Lied zu diesem Artikel: Spotify: Christian Löffler – Youth
Nachdem ich komplette drei Wochen keinerlei Antworten von V. erhalten hatte, egal über welchen Kanal – sei es Facebook, WhatsApp oder Email – , war meine Geduld mit ihr am Ende. Ich hatte im Voraus meiner Reise meine Zimmerschlüssel anvertraut. Mit der Bitte, sich hin und wieder um meine Pflanzen zu kümmern. Als ich schon zwei Wochen unterwegs war, bekam ich heraus, dass sie die komplette Zeit krank gewesen war und kein einziges mal bei mir vorgeschaut hatte. Ist ja nichts schlimmes, wenn sie es nicht schafft, meine Pflanzen zu gießen, aber dann gibt man doch wenigstens kurz Bescheid, damit ich meine Mitbewohnerinnen darum bitten kann, oder? Habe ich dann nachgeholt, und für den Rest meiner Reise hat sich jede Woche jemand gefunden, der kurz mal bei mir durchlaufen kann und das erledigt. Meine Mitbewohnerinnen sind großartig!
Dann hörte ich mal ein paar Tage nichts von ihr, dann auch mal eine ganze Woche. Als ich in Japan ankam, hatten wir eine längere Unterhaltung über WhatsApp. Ihr ging es nicht so gut und ich bot an, mal zu skypen. Sie sagte, sie würde mir deswegen nochmal Bescheid geben, wann es passt. Am Tag drauf änderte ich nochmal meine Pläne und informierte sie darüber. Ich hörte die ganze Woche nicht mehr von ihr und schrieb ihr die schonmal erwähnte Email. Ich schrieb ihr, dass ich mich wegen der wenigen Kommunikation von ihrer Seite nicht als Teil ihres Lebens fühlen würde. Auf diese Email bekam ich nie eine Antwort.
Aber viel schlimmer: ab diesem Zeitpunkt hörte ich für die restlichen vier Wochen nichts mehr von ihr. Absolut gar nichts. Alle meine Messages, Nachrichten und Emails blieben unbeantwortet oder gar ungelesen. Und das waren einige. Zuerst dachte ich, sie braucht halt wieder etwas länger, um zu Antworten. Aber sie antwortete gar nicht mehr. Mir machte das erstmal nicht so viel aus. Ich sagte mir, dass Online-Kommunikation eben nicht V.’s Ding ist, und das wahrscheinlich eh vergessene Sache wäre, wenn ich heimkommen würde.
Eine Woche vor meiner Heimreise bat ich sie, meine Schlüssel bei meiner Mitbwohnerin in den Briefkasten zu werfen bevor ich wieder zurückkam. Bis vier Tage vor meiner Rückkehr waren die Schlüssel nicht dort. Ich schrieb ihr eine weitere Email. Bis zwei Tage von meiner Rückkehr waren die Schlüssel immer noch nicht nicht dort. Ich bat meine Mitbewohnerin, sie mal anzurufen. Entweder niemand nahm ab, oder sie wurde sogar weggedrückt. Ich rief selbst aus Japan an – selbes Spiel. Meine Geduld war am Ende. Ich brauchte diese Schlüssel wieder und zwar dringend. Ich schickte ihr eine aufgebrachte Voice-Message, die nie abgehört wurde. Schickte ihr nochmal einen Text auf WhatsApp, Facebook und per Email. Ich rief nach meiner Ankunft in Deutschland noch weitere drei mal bei ihr an und sie ging nie ans Telefon und drückte mich einmal sogar weg. Erst am Abend, als ich wieder in Deutschland war, bekam ich um halb zehn abends eine Antwort. Sie wäre seit über einem Monat krank und würde selten ihre Nachrichten lesen. Wann und wohin sie den Schlüssel bringen sollte.
Auch wenn ich fand, dass sie den Schlüssel ruhig selbst zu meiner WG bringen könnte, sagte ich, dass ich am Tag drauf in ihrer neuen WG vorbeikommen würde um ihn abzuholen. Ich traute ihr nicht mehr. Ich wollte sichergehen, dass ich die Schlüssel wirklich wiederhätte. Und ihr nicht nochmal hinterherrennen, sollte sie den Schlüssel wieder nicht vorbeibringen, obwohl ich sie darum gebeten hatte. Ich traute und traue ihr keinen Schritt mehr weit.
Heute ging ich in ihrer neuen WG vorbei. Sie wohnt jetzt nur noch 100m von meiner WG entfernt. Allein das machte mich noch wütender. Es wäre absolut kein Aufwand gewesen, kurz bei mir vorbeizugehen und kurz Bescheid zu geben, dass der Schlüssel jetzt dort wäre. In ihrer WG kam mir eine äußerlich symptomfreie, lächelnde V. entgegen. Ich zeigte mir aller körpersprachlichen Deutlichkeit, dass es weder Umarmungen noch Küsse geben würde. Ich sagte ihr knapp, dass ich die Schlüssel wollte. Mit den Schlüsseln in der Hand ging ich zur Eingangstüre. Sie fragte mich, ob alles in Ordnung sei. Dann explodierte ich. Sagte ihr, dass ich keinerlei Verständnis für ihr Verhalten hatte. Dass ich seit drei Wochen nichts von ihr gehört hätte. Ich war richtig wütend und zeigte das mit aller Deutlichkeit.
Wenn man bei jemandem das Gefühl hat, dass man mehr geben muss, als man zurückbekommt, dann kann das nicht funktionieren. Egal ob man befreundet ist oder verliebt oder zusammen. Es geht nicht. Ich bin mir immer noch am wichtigsten. Wenn mich jemand nicht schätzt, und sich keine Mühe mit mir gibt, und mich nicht in gleicher Weise behandelt wie ich denjenigen, dann tut mir das nicht gut.
Ich habe V. nicht danach gefragt, sich zu erklären. Ich werde sie auch nicht fragen. Ich bin es Leid, ihr hinterherzurennen.
Das Kapitel V. ist für mich beendet.
Enttäuschte Grüße,
Eure Clara
Ich war mir nicht sicher, ob ein „Gefällt mir“ hier angebracht ist, aber ich hoffe, Du verstehst es so, wie es gemeint ist – als Zeichen meines Mitgefühls. Es tut mir sehr Leid, dass Du Dich jetzt so fühlst und kann das so gut nachvollziehen. Ich hoffe sehr, dass es Dir bald wieder besser geht.
„Sometimes, the first step towards forgiveness is realizing the other person was born an idiot.“
😉 Vielleicht als kleine Aufmunterung.
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Danke! Ich hatte während des Schreibens das Gefühl, als würde ich aus einer Mücke einen Elefanten machen. Es tut gut, zu hören, das jemand mich versteht, obwohl du ja nur diesen kurzen Text gelesen hast.
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