Lippenpiercing, nüchtern

Ich habe wieder angefangen, Oliver Schories zu hören und fahre da gerade ziemlich drauf ab. Eigentlich läuft im Moment nichts anderes bei mir. Hin und wieder noch bisschen Recondite, aber that’s it more or less. Sagt euch nichts? Bittesehr: Youtube: Oliver Schories – Marin. Ich empfinde die Musik als total treibend, da wippt sofort mein Nacken mit. Im Club muss das richtig geil sein. Aber das werd ich dieses Wochenende rausbekommen.

Mit G. läuft es sehr gut. Wir hatten uns in der letzten Woche fast jeden einzelnen Tag gesehen, sodass ich ein bisschen meinen eigenen Raum suchte und unser gestriges Lunchdate absagte. Ich bin mir nicht so sicher, ob ich richtig kommunizieren konnte, warum ich ihn nicht sehen will. Eigentlich geht es mir dabei vor allem darum, ihn so oft bzw. selten zu sehen, dass ich mich jedes mal auch wirklich drauf freue, ihn zu sehen. Wenn ich denselben Menschen zu oft sehe, werde ich genervt. Und das dauert bei mir dann ziemlich lange, bis das wieder weggeht. Deswegen versuche ich das zu verhindern. Zudem arten die eigentlich kurzen Treffen mit ihm immer in stundenlange Zweisamkeiten aus, was zwar einerseits wunderbar und wunderschön ist, aber mich leider auch daran hindert, meine Masterthesis rechtzeitig fertig zu schreiben. Morgen in einer Woche fliege ich nochmal ins Ausland und bis dahin muss das Ding insoweit fertig sein, dass ich nur noch Korrekturen vornehmen muss. Der Druck ist also immens. Ich glaube schon, dass er das alles versteht, aber dass ich mich gestern mit T. getroffen habe nachdem ich mittags nicht bei ihm war, fühlt sich wahrscheinlich auch nicht so großartig für ihn an. Ich hoffe er gönnt es mir trotzdem, dass ich gestern einen wirklich wunderschönen Abend mit T. hatte, den ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte.

Ich war vom gestrigen Tag total fertig, duschte mich abends warm, bevor T. zu mir kam, schlüpfte in bequeme Klamotten, machte eine Kanne Chai. Nachmittags war ich kurz mal so fertig mit der Welt gewesen, dass ich das Date fast abgesagt hätte. Aber ich hatte T. als total angenehmen Menschen in Erinnerung und wollte dem ganzen nochmal eine Chance geben. Und wenn er wirklich so war, wie ich ihn in Erinnerung hatte, dann würde das höchstwahrscheinlich ein ziemlich schöner Abend werden. Und Zweisamkeit tut mir immer gut, egal wie die aussieht. Reden, zusammen sein, kuscheln, küssen, mehr. Außerdem war T. ja ausgebildeter Thaimasseur und zudem auf dem Weg zum Physiotherapeuten und wollte sein Massagezeug mitbringen. Und ich liebe Massagen.

Mein erstes Date mit T. war ja in einem halben Besäufnis geendet, deswegen gab es gestern nur Tee. Ich wollte ihn nüchtern kennenlernen. Als er kam umarmten wir uns, gingen in mein Zimmer, setzten uns auf mein Sofa, tranken Tee, redeten lange. Er hat eine total angenehme Art. Er ist irgendwie ganz ruhig, aber gleichzeitig sehr redsam, erzählt viel und es macht Spaß, ihm zuzuhören. Er hatte einen neuen Haarschnitt, der ihm stand, meine Mutter aber dazu bringen würde, sich im Grab umzudrehen, wenn sie den sehen würde. Warum muss ich eigentlich immer an meine Mutter denken, wenn ich über das Äußere anderer Menschen nachdenke? Ich glaube ich wurde von ihr schon hart beeinflusst. Anders kann ich mir meine Vorliebe Polohemden, gut sitzende Jeans und Echtperlen nicht erklären. Aber back to topic. T. war schlanker als in meiner Erinnerung, aber sein Gesicht gefiel mir immer noch so gut wie damals. Er hat eine reine Haut und ganz volle Lippen. Wie beim ersten Date führte sein Lippenpiercing dazu, dass ich ihm ständig auf den Mund starrte, wenn er redete. Ganz schön irritierend, das Ding. Aber ich finde, es steht ihm sehr gut. Witzigerweise hatte er dasselbe T-Shirt an wie bei unserem letzten Treffen. Aber genug zu den Äußerlichkeiten. Der Mann gefällt mir vor allem wegen seiner ruhigen Art. Er ist einer dieser Menschen, die einem gut tun. Jemand, der keinen großen Rucksack an Sorgen mit sich rumträgt, der sein Leben geregelt bekommt. Endlich mal wieder jemand, der nicht seine ganzen Sorgen bei mir ablädt. Ich versuche gerade, mich mehr mit solchen Menschen zu umgeben. Ich habe so viel Stress an der Uni, dass ich im Moment ein bisschen auf meine eigene psychische Gesundheit acht gebe. Genug Schlaf zu bekommen, mich mit Menschen zu umgeben, die mir gut tun, die Rücksicht nehmen können, die mich nicht belasten.

Er schlug vor, mich zu massieren. Wir setzten uns aufs Bett und ich war plötzlich ultra schüchtern. „Muss ich mich ausziehen?“ Er sagte, ja, das wäre gut. Also streifte ich mir meinen Pulli über den Kopf, zog meine Leggins aus, bis ich nur noch im Höschen vor ihm saß. Ich zog die Knie an mich ran, um mich zu verbergen. Ich war irgendwie absolut unentspannt, das kenne ich gar nicht von mir. Ich weiß auch nicht, was los war. Er bat mich, auf den Bauch zu liegen. Verteilte das Öl auf seinen Händen und fing mit meinem Rücken an. Er wusste absolut, was er da tat und es fühlte sich richtig gut an. Nach und nach kümmerte er sich um all meine verkrampften Muskeln, knetete und massierte alles weich. Ich war froh, dass er das ernsthaft machte, und ich nicht irgendwo eine larifari-eigentlich-will-ich-nur-mit-dir-schlafen-Massage bekam. Er verband einige Elemente aus der Thaimassage mit der üblichen Physiomassage, was dabei rauskam war teils schmerzhaft, teils total entspannend. Ich fühlte mich pudelwohl. Als er meine Füße massierte, mit seinen Daumen meine Fußsohlen entlangfuhr, wurde ich ein bisschen geil. Aber in der richtigen Stimmung für Sex war ich trotzdem nicht. Ich wollte ihm nah sein, aber ich wollte nicht mit ihm schlafen. Ich drehte mich auf den Rücken und er kniete sich hinter meinen Kopf. Massierte von oben meinen Nacken und meinen Kopf. Und meine Brust. Meine Brust ist immer verspannt. Egal wann ich mir selbst daran rumdrücke, da tut’s immer weh.

Er fragte, ob er nun mit dem sittlichen Teil seiner Massage aufhören könne und weiter zu meinen Brüsten dürfe. Ich nickte. Meine Brüste, meine Seiten und mein Bauch wurden nach allen Regeln der Kunst massiert und gestreichelt. Wenn ich in der richtigen Stimmung gewesen wäre, wäre ich spätestens da absolut willig gewesen. Er legte sich neben mich und wir küssten uns. Er küsste ganz weich, seine vollen Lippen fühlten sich schön an. Das Piercing irritierte mich im nüchternen Zustand deuuutlich mehr als im betrunkenen. Da muss ich mich echt dran gewöhnen. Wir kuschelten noch eine ganze Weile und streichelten uns. Ich war total froh, dass er da war. Ich fühlte mich ihm total nah. Ich war glücklich und zufrieden und entspannt und müde. Irgendwann musste er los, nach Hause zu seinem Kind. Ich putzte mir nur noch schnell die Zähne, zog mir einen Pyjama an, kuschelte mich in mein Bett, und fiel in einen tiefen Schlaf.

Zufriedene Grüße,

Eure Clara

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Nun mit hoffentlich wundervollen Träumen ! 🙂

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    1. Avatar von freiesMädchen freiesMädchen sagt:

      Aber natürlich! 🙂

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      1. Na, das gefällt mir 🙂 Weil eben das, schon wieder anregend ist 🙂

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