gemeinsame Erinnerungen

G. würde über Weihnachten bei seiner Familie in der Schweiz sein, also entschieden wir uns, ein paar Tage vorher gemeinsam zu „feiern“. Er kam mittags zu mir zum Mittagessen vorbei, dann packten wir unsere Schwimmsachen und gingen zusammen in die Saunalandschaft eines Thermalbads. Wir hatten uns entschieden, die Vorlesung an dem Tag sausen zu lassen und lieber nochmal einen kompletten Tag miteinander zu verbringen, bevor wir uns eine Woche lang nicht sehen würden.

Ich gehe für mein Leben gerne in die Sauna. Ich mag das Gefühl, wenn der ganze Körper anfängt vor Schweiß zu triefen, die Nippel von der Hitze anfangen zu brennen, alles danach geschockfrostet wird, und man sich in seinen Bademantel in den Ruheraum legt und richtig spürt, wie der Kreislauf wieder runterfährt. Und wenn man nach drei Durchläufen vollkommen müde und zufrieden aus dem Thermalbad läuft und sich wie ein neuer Mensch fühlt. Mein Ex und ich waren oft zusammen in der Sauna und das war eines der wenigen Dinge, die wir absolut streitfrei miteinander genießen konnten. Es sagen ja immer viele, Gegensätze würden sich anziehen. Ich sehe das anders. Je mehr Ähnlichkeiten und gemeinsame Interessen man hat, desto leichter ist es, gemeinsame Erinnerungen zu schaffen. Diese Erinnerungen sind es, die eine Beziehung am Laufen halten. Je fauler man wird, solche zu schaffen, desto öder wird auch die Beziehung.

Wir verbrachten den ganzen  Nachmittag im Thermalbad. Sprangen zwischen durch auch mal im Nichtnacktbereich ins Wasser und blödelten im Wasser rum. Eine ältere Dame beobachtete uns, während wir uns voneinander abstoßten, aneinanderzogen, uns küssten, lachten, Witzchen machten. Irgendwann sagte sie zu mir: „Wenn ich nochmal so jung wäre wie Sie, würde ich mich auch so verlieben wollen.“ Ich antwortete ihr: „Es gibt nichts schöneres, als verliebt zu sein.“

Der Nachmittag war total schön. Nach einem Saunagang gingen wir draußen zu einem Becken mit Eis und rieben uns die erhitzten Körper damit ein. Als ich ihn bat, mir den Rücken „einzueisen“, stellte er sich hinter mich und streichte mir das kühle Nass über die Haut. Und bekam sofort einen steifen davon. Gott, haben wir gelacht. Passiert halt, er ist halt jung und gesund.

Abends machten wir uns deftiges, veganes Essen, setzten uns auf mein Sofa, tranken Rotwein, quatschten. Gaben uns unsere Weihnachtsgeschenke. Ich war so erleichtert, dass er voll meinen Geschmack traf. Es war nichts materielles, ein Gutschein für etwas, das zu mir passte, das wir zusammen machen würden. Eine neue Erinnerung. Diese Geschenkgeberei war super romantisch, weil wir uns nicht einfach irgendwas schenkten. Sondern beide Dinge, die gut für unsere Beziehung sein würden. Gutscheine für Erlebnisse.

Wir holten meine Mitbewohnerin C. dazu und schauten zusammen den Film Prinzessin Mononoke. Zu dritt saßen wir auf meinem Sofa, ich an G. angelehnt, C. an mich angelehnt. Ich liebe es, dass es G. nicht stört, wenn ich C. immer wieder dazuhole, wenn er da ist. Dass er da keine Berührungsängste hat. Dass wir uns zu dritt in ein Bett kuscheln können, weil ich beide total gern habe. Dass alle glücklich sind so. Als C. mal Liebeskummer hatte und ich aber im Stress war, hat G. sie einfach für mich in den Arm genommen und ihr gut zugeredet. Ist das nicht wunderbar? Ich liebe ihn dafür.

Irgendwann wurden wir müde, schickten C. in ihr Zimmer, machten uns bettfertig und kuschelten uns in mein Bett. Ich hatte meine Tage, daher hatten wir keinen Sex. G. hätte damit kein Problem, es bin eher ich, die da abblockt. Schuld an meinem komischen Verhältnis zu meiner Menstruation wenn es um Sex geht ist, dass mein Ex da immer total abblockte, als wir noch zusammen waren. Sex während der Menstruation war für ihn ein absolutes No-Go. Irgendwie führte das dazu, dass ich anfing, ihm immer schon im Voraus Bescheid zu geben, wenn ich meine Periode hatte. Einfach, damit es diesen komischen Moment, wenn man schon heftig am Rumknutschen und sich Ausziehen ist, und das dann aber noch erwähnen muss, nicht hat. Und als ich nicht mehr mit V. zusammen war, habe ich das weiterhin so gemacht. Ich bin einfach immer davon ausgegangen, dass alle (Männer) das ähnlich sehen würden. Und wollte mir selbst die Schmach ersparen, in so einem Moment abgewiesen zu werden. Denn mich selbst stört das Blut nicht. Ist ja nichts ekliges oder unnatürliches. Ich benutze ja auch eine Menstruationstasse und sehe mein Blut jeden Tag, wenn ich meine Periode habe. Eigentlich nervt es mich, dass das überhaupt ein Thema sein muss. Aber ich schätze es braucht einfach noch ein paar Männer, bis ich darüber hinweg bin. G. meinte, dass es ihn nicht stören würde. S. hat meine Menstruationstasse sogar schon betastet, obwohl wir noch nicht mal Sex hatten. Ich arbeite also an mir weiter. Was habt ihr denn für Erfahrungen mit Sex während der Periode? Handtuch drunter und gut ist? Weiche Tampons? Oder habt ich da kein Bock drauf?

Ich habe mich inzwischen so an G. gewöhnt, dass es mich nicht mehr stört, wenn er bei mir schläft. Doch in der Nacht schlief ich gar nicht gut. Morgens wachten wir vollkommen gerädert auf. Sein Zug würde bald fahren, aber wir hatten keine Lust, aus dem warmene Bett zu kriechen. Wir rangen gengeneinander im Bett, versuchten uns gegenseitig aus dem Bett zu kicken. Doch am Ende landeten wir beide lachend und ineinander verzwirbelt auf dem Fußboden. Wir zogen uns an, waschten uns, und machten uns auf den Weg zum Bahnhof. Romantische Worte, dramatische Küsse, Winkewinke, und weg fuhr der Zug. Eine Woche ohne G.

Es dauerte drei Tage, bis er mir schrieb: „I’m freaked out about how much I miss you.“

Ich war lange nicht mehr so verknallt. Und ich habe immer noch nichts an ihm gefunden, das mir nicht gefällt. Ich sollte zudem aufhören, ständig darauf zu warten, dass ich doch etwas finde. Ein bisschen positiver denken. Aber ich bin eben auch nicht perfekt.

Clara

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Avatar von Ava Ava sagt:

    Ich habe zwar meine Tage seit zwei Jahren nicht mehr (creepy Spirale), aber davor war ich eine Verfechterin der Handtuch-Fraktion. In so kurzer Zeit sprudelt da ja auch kein Liter Blut aus einem raus, von daher kann man das ruhig verkraften. Zur Not gibt’s ja auch Duschsex. 😉

    Like

    1. Avatar von freiesMädchen freiesMädchen sagt:

      Hallo Ava! Waaaas! Zwei Jahre keine Periode mehr… Das ist ja nicht so toll.
      Duschsex ist auch eine gute Idee! Danke für den Tipp 😊

      Like

Hinterlasse eine Antwort zu Ava Antwort abbrechen