Ich suchte gerade die Musik von Étienne de Crécy. Hört doch mal rein!
Zwischen Weihnachten und Neujahr war ich mit meiner Exfreundin J. zum Frühstücken verabredet. Wir hatten ausgemacht, dass ich vormittags nach dem Training zu ihr kommen würde mit einer Auswahl an veganen Frühstückssachen im Gepäck. Als ich an ihrer Ubahn-Haltestelle ausstieg und an der Straßenecke vorbeilief, an der wir uns damals das ersten mal in der Öffentlichkeit geküsst hatten, schlug mein Herz schneller. Das sind einfach so schöne Erinnerungen. Als wir damals dort standen, und uns zum Abschied umarmten und küssten, blieb die Zeit stehen. Ich nahm nichts mehr war außer sie. Jedes mal, wenn ich an dieser Straßenecke vorbeikomme, muss ich daran denken und mir wird warm um’s Herz.
Ich spazierte den kurzen Weg zu ihrer Wohnung. J. hat seit einigen Monaten wieder einen Freund und ist sehr glücklich mit ihm. Bisher haben die zwei eine monogame Beziehung, aber J. hat schon viel mit ihm darüber geredet, dass sie die Beziehung gerne öffnen möchte. Mittelfristig führt für sie auch nichts daran vorbei, weil sie sich weiter ausprobieren und weiterentwickeln möchte und ein ähnliches Verständnis von Treue hat wie ich. Getroffen hatte ich ihren Freund bisher nicht. Nur ein bis zwei Bilder hatte ich von ihm gesehen.
Als ich in ihre Straße abbog, kam mir ein großer, schlanker, sportlicher, Mann mit kurzen Haaren und Bart und einem Müllbeutel in der Hand entgegen. Er kam mir bekannt vor, aber ich erkannte ihn erst als J.s Freund, als er mir ein fröhliches „Hallo Clara!“ entgegenträllerte. Ich war so überrascht, dass ich fast über meine eigenen Füße stolperte. Total seriös wackelte ich weiter zu J.s Haustür, klingelte, und schleppte die gefühlten zehn Stockwerke hoch bis zu ihrer Wohnungstür. Wir umarmten uns zur Begrüßung und J. fragte gleich, ob ich unten ihren Freund getroffen hätte.
Wir gingen in die Küche, J. gab mir eine Tasse heißen Kaffees und lächelte mich an. Sie hatte sich an meine Liebe für Kaffee erinnert und schon den Knopf ihrer Kaffeemaschine betätigt, als ihre Klingel geläutet hatte und ich vor ihrem Haus stand. Ich fühlte mich willkommen. Wir verteilten alle Frühstückssachen auf dem Tisch und setzten uns. J.s Freund kam vom Müll Wegbringen zurück und wir wurden ordentlich vorgestellt. Er ist ein gutaussehender Mann, keine Frage. Ich verstehe, warum J. ihn attraktiv findet. Mir ist er zu alt und strahlt zu viel Dominanz aus. Er machte anstalten, zu gehen, doch ich bat ihn, doch noch etwas zu bleiben, damit man sich besser kennenlernen könne. Er setzte sich zu uns an den Tisch, während J. und ich anfingen zu frühstücken. Ich hatte einen Bärenhunger. J. machte immer wieder Witzchen darüber, wieviel Essen ich verdrucken könne.
Ihr Freund ist wirklich sympathisch. Bodenständig, steht mit beiden Füßen im Leben, lebensfroh, interessiert, sozial. Wirklich ein netter Typ. Und die zwei sind unglaublich verknallt ineinander. Es war wunderschön, diese neue Verliebtheit von den beiden zu beobachten. Dieses Necken und Ankichern und liebevolle Streiten, einfach süß. Ich bin froh, dass J. so jemanden gefunden hat. Jemand, der ihr die gewisse Sicherheit gibt, die sie braucht.
Sie schenkte mir ein Armband zu Weihnachten. Sie hatte es schon vor Monaten gekauft, es war eigentlich als Geburtstagsgeschenk gedacht gewesen. Leider waren wir in der Zeit rund um meinen Geburtstag ein wenig verstritten, daher schenkte sie es mir jetzt. Es war ein silbernes Armband mit vier Charms, die alle etwas mit den Kosenamen aus unserer damaligen Beziehung zu tun hatten. Richtig romantisch. Ich war echt gerührt.
Irgendwann schmissen wir ihren Freund dann raus, um noch etwas alleine plaudern zu können. J. schlug vor, in ihr Schlafzimmer zu gehen und etwas zu kuscheln. Wir legten uns in ihr Bett und streichelten uns. Plauderten über dies und das. Ihr Hände auf meinem Rücken fühlten sich gut an. Ich schaute ihr in die Augen. Sie sagte: „Clara, du bekommst immer dieses Funkeln in den Augen, wenn du geil wirst. So wie jetzt.“ Sie hatte recht. Ich hätte so unglaublich gerne Sex mit ihr gehabt. Aber ich hielt mich zurück, weil ich nicht wusste, wie offen ihre Beziehung war. Sie sagte, dass auch unglaublich Lust hätte, aber sich nicht gut damit fühlen würde. Und grübelte eine Weile. Sie könne mich aber ja jetzt auch nicht so angegeilt hier liegen lassen. Sie entschied, mich zu verwöhnen, aber selbst angezogen zu bleiben.
Ich wurde ausgezogen. In den Hals gebissen. An den Nippel gezogen. Gekniffen. Vieles, was sie mit mir anstellte, war schmerzhaft, aber geil. Ich fühlte mich dominiert, aber ich wusste, dass ich bekommen würde, was ich brauchte.
J. tritt mir gegenüber ziemlich dominant auf. Und ist Männern gegenüber aber eher devot. Steht total auf BDSM Sachen, was sie mit ihrem Freund auch voll ausleben kann. Ich hab das nie so richtig verstanden, aber mein Problem war immer eher, dass ich nicht nachvollziehen kann, was man an dominanten Männern toll finden kann. Ich bin Männern gegenüber lieber selbst dominant. Aber dominante Frauen empfinde ich als unglaublich sexy. Eben genau umgekehrt wie bei J. In meinen Phantasien dreht sich im Moment vieles um das Thema. J. hat mich geprägt. Die Frauen, die ich mir vorstelle, sind immer brünett, genauso kurvig wie ich und mindestens gleich groß. Wie J. eben. Aber darüber werde ich einen extra Artikel schreiben.
Insgesamt war es ein sehr schöner Tag mit J. Ich würde lügen, wenn ich sagen müsste, dass ich keine Gefühle mehr für die Frau habe. Sie war die erste Frau in meinem Leben, in die ich richtig verschossen war. Und das macht sie zu jemand besonderem. Allein deswegen ist es mir wichtig, die Freundschaft zu ihr zu erhalten und sie nicht aus meinem Leben zu streichen. Einige meiner Freunde können das nicht verstehen, weil sie meinen Liebeskummer nach unserer Trennung mitbekommen haben. Sie hat sich mir gegenüber allerdings nie unfair verhalten und unsere Trennung war eine gemeinsame Entscheidung. Der Kummer danach war eine Mischung aus Enttäuschung und Trauer darüber, dass unser Projekt nicht funktioniert, aber das man ja die Person, mit der man nicht mehr zusammen ist, nicht weniger liebenswert. Es fühlt sich richtig an, miteinander befreundet zu sein, und ich schätze sie als Person sehr. Und ich bin froh, dass das mit uns passiert ist. Alles davon. Denn ich habe so unglaublich viel davon gelernt, bin charakterlich gewachsen, habe meine Lust auf die Liebe wiedergefunden, bin der Polyamorie näher gekommen, und einen unglaublich guten Freund gefunden.
Clara
Ich finde toll, wie offen und eifersuchtsfrei du ihrem neuen Freund gegenüber getreten bist. Kann nicht jeder (auch ganz unabhängig davon, ob Gefühle da sind oder nicht).
LikeLike
Danke für deinen Kommentar! Ich war selbst überrascht, wie gut das ging. Man entwickelt sich eben immer weiter.
LikeLike