das höchste Kompliment

Als ich zwischen Weihnachten und Neujahr meine Exfreundin J. besuchte und wir frühstückten, kuschelten und quatschten, erzählte ich ihr unter anderem auch von meiner Mitbewohnerin C. C. und ich hatten uns letzten Sommer immer mehr angefreundet. Sie hatte damals schon im gleichen Haus wie ich gewohnt, aber in einer anderen WG. Ich war öfter zu ihr ins Zimmer gekommen, oder sie zu mir. Wir hatten herausgefunden, wie unglaublich nähebedürftig wir beide waren, wir umarmten uns viel, kuschelten, streichelten uns durch die Haare, redeten über wirklich private Dinge, smalltalkten wenig. Als in meiner WG ein Zimmer frei wurde, zog sie dort ein und ist seitdem meine Mitbewohnerin. Unsere Freundschaft ist seitdem noch enger geworden, weil wir uns einfach öfter sehen. Immer wieder unterbreche ich Unterhaltungen mit G. mit den Worten „I’ll talk to you later, okay? I want to see C. and cuddle a bit.“ Sie wurde eine meiner engsten Freunde. Ich schätze ihre unglaubliche Fähigkeit, aktiv zuzuhören und mich richtig einzuschätzen. Sie gibt mir immer das Gefühl, so wie ich bin, liebenswert zu sein. Ich habe mit ihr zusammen schon geweint, ihr meine peinlichsten und unsichersten Gefühle und Erinnerungen mitgeteilt. Ich habe mit ihr die Beziehung mit meiner Mutter mehrmals auseinander genommen. Sie weiß mehr über meine Beziehungen mit T. und G. als dieser Blog.

Als ich im Dezember in J.’s Arm lag und ihr von C. erzählte, meinte J. irgendwann: „Clara, du bist verliebt.“ Und in dem Moment, als sie das sagte, wusste ich, dass es stimmte. Zumindest verknallt war ich. Ich hatte mir vorher überhaupt keine Gedanken darüber gemacht. Aber weit hergeholt ist das nicht. Wir verbringen mindestens so viel Zeit miteinander wie ich und G., wir verstehen uns prächtig, und ich mag sie wirklich gerne. Außerdem ist sie eine der schönsten Frauen, die ich kenne. Ich liebe ihre Sommersprossen und, dass sie sich wieder ihre Haare abgeschoren hat. Ich liebe es, wie wohl sie sich in ihrer eigenen Haut wohlfühlt und dass sie das mit ihrem fehlenden Haar ausdrückt. Ich finde sie am schönsten, wenn sie mit ihren weiten Tunikas und Schlabbershirts mit Afrikamuster und schwarzen Leggins durch die WG schlurft. Oder ihre schwarze Beanie trägt, weil sie friert. Sie hat zudem die ehrlichsten Augen der Welt. Wenn sie ihre Tür öffnet und mir in die Augen schaut weiß ich immer sofort, ob sie gerade fröhlich oder traurig ist. Bei ihr sind tatsächlich die Augen der Schlüssel zu ihrer Seele.

Nachdem J. mir diesen Gedanken in den Kopf gepflanzt hatte, schlug das ganze seine Wurzeln. Ich erzählte G. davon, irgendwann Anfang Januar. Ihn überraschte es nicht. Irgendwann gab es eine Situation, in der C., G. und ich zusammen in meinem Bett lagen und kuschelten. Ich war super horny und diese wunderbare Frau neben mir liegen zu haben, gab mir nur den Rest. C. hat einen ganz eigenen Geruch, ich mag ihren Schweißgeruch (das wird jetzt wahrscheinlich niemand nachvollziehen können, aber ist so!), und dass sie kein Deo mit Geruch trägt. Sie riecht einfach wie sie selbst. Ich löffelte sie und fuhr mit meiner Nase die Biegung ihres Nackens entlang. Berührte ihre kleinen Ohren. Fuhr mit meiner Hand über ihren Bauch und zog sie näher an mich ran. G. lag hinter mir und fing an, meinen Bauch zu streicheln. Ich stöhnte C. ins Ohr und kam, obwohl wir alle angezogen neben einander lagen. Dreierlöffeln. C. fand das ganze einfach nur amüsant, und G. hatte eh seinen Spaß.

Das interessante ist, dass ich C. als unglaublich erotisch wahrnehme, aber mir Sex mit ihr nicht in den Sinn kommt. Sie ist selbst im Moment so unglaublich uninteressiert an Sex, dass ich das wahrscheinlich aus dem Grund von vorneherein total ausschließe. Es ist klar, dass da nichts läuft. Außerdem ist sie (mehr oder weniger) in einer monogamen Beziehung mit einem Mann, und ich würde ihr da niemals reinfunken.

Diese Woche lagen wir zusammen in ihrem Bett und redeten über dies und das. Ich lag auf dem Rücken, sie hatte ihren Kopf auf meinem Bauch gebettet und kuschelte sich an meinen Arm, als wäre der ein Plüschtier. Ich musste was zu ihr sagen. Ich bat sie, nicht auszuflippen wegen dem, was ich ihr gleich sagen würde. Ich sagte ihr, dass ich in sie verliebt war. Ich sagte das, ohne irgendwas von ihrer Seite zu erwarten. Ich will, dass sie weiterhin so eine enge Freundin von mir bleibt. Meine Gefühle für sie ändern gar nichts. Es sind einfach nur Gefühle. Wunderschöne Gefühle, zugegeben.

C. fühlte sich geschmeichelt, schaute mich mit ihren dunkeln Augen an und lächelte schöner als je zuvor. Ich wünschte, ich hätte den Moment fotografieren können. Oder einfrieren können. Es war so schön.

Sie sagte, dass das das höchste Kompliment sei, das man jemandem machen könne. Und dass sie weiß, wie glücklich ich mit T. und G. bin, und das daher einfach so annehmen könne, weil sie wisse, dass ich nichts von ihr erwarte. Dass das mit niemand sonst funktionieren könne, und das jede andere Freundschaft verkomplizieren würde. Ich war so froh.

Es ist eine riesen Erleichterung, herauszufinden, dass man mehrere Menschen gleichzeitig lieben kann. Dass Gefühle einfach nur Gefühle sind. Dass Gefühle kommen und gehen und wiederkehren oder auch nicht. Dass man sie einfach genießen kann, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen. Dass Gefühle nicht an Erwartungen geknüpft sein müssen. Und die Dinge nur komplizierter werden, wenn man sie komplizierter macht. Dass man jede Beziehung selbst gestalten kann. Dass Freundschaften nicht weniger wert sind als Beziehungen und sich zudem kaum voneinander unterscheiden, sondern eigentlich nur eine andere Form einer Beziehung sind. Und dass man sich niemals dafür schämen sollte, wie man fühlt. Dass man offen damit umgehen kann, und sich die schönsten Moment daraus entwickeln.

Heute Abend feiern wir in C.’s Geburtstag hinein. Ich hatte erste T. eingeladen, zu kommen, dann hatte G. gemeint, dass er eigentlich auch gerne gegangen werde, und irgendwie hat sich das dann alles so eingefädelt, dass jetzt beide kommen. Außer uns werden noch ein Kumpel von C. und mir und C.’s Schwester dabei sein. Wir sind 6 Leute. In drei davon bin ich verliebt. Guter Schnitt, oder? Es ist das erste mal, dass T. und G. sich begegnen. Ich bin gespannt, wie das wird. Und werde berichten. Aber erst werde ich den Abend genießen.

Ein Hoch auf die Liebe,

eure Clara

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Avatar von Schnipsel Jule sagt:

    Hübschen Abend! Ich freue mich schon auf den Bericht. 😉

    Gefällt 1 Person

  2. Hört sich aber auch alles irgendwie kompliziert an.
    Hast Du Dir eigentlich mal Gedanken darüber gemacht, warum Du Dich in so viele menschen verliebst?

    Gefällt 1 Person

    1. Nein, weil ich das für etwas ganz normales halte. Sich verlieben bedeutet ja nicht immer, dass man gleich sein ganzes Leben mit demjenigen verbringen möchte. Es ist eher ein Gefühl, das kommt und manchmal auch ziemlich schnell wieder vergeht. Und manchmal eben auch nicht. Ich glaube einer der Hauptgründe, warum ich mich so „oft“ (so oft ist das meiner Meinung nach nämlich gar nicht) verliebe, ist, dass ich das nie von vorneherein ausschließe und ganz offen an jede Begegnung mit anderen Menschen heran gehe. Ich glaube, dass es viel mehr Leute gibt, die sich öfter verlieben, aber sich das nicht eingestehen, weil es nicht den Vorstellung von liebe entspricht, als man denkt.

      Gefällt 1 Person

  3. Avatar von Beatrice Beatrice sagt:

    Raa;l,Thtt&#8217us such a great thing. I completely understand your feelings. I had gone through the same face 3 years back. Crying over my food, and then I started cooking and here I am. Wish you luck in your culinary ventures.

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Beatrice Antwort abbrechen