Negative Gefühle

L. und ich haben uns vor vier Monaten kennengelernt. Ab wann wir in einer Beziehung waren, kann ich schwer sagen. Verliebt habe ich mich auf jeden Fall früh.

Die Phase unserer Beziehung, in der wir uns jetzt befinden, ist spannend. Die Vertrautheit zwischen uns wird immer größer. Gleichzeitig finde ich die ersten Eigenschaften an ihm, die mir nicht so gut gefallen. Und es gibt die ersten kleinen Konflikte, weil wir uns intensiv miteinander auseinandersetzen.

Das Osterwochenende haben G. und ich bei seiner Familie in der Schweiz verbracht. Das war überraschend entspannt, weil sich die Familienosterfeier glücklicherweise auf den Samstagnachmittag beschränkt hat und wir ansonsten endlich mal wieder ein Wochenende ohne Renovierungsarbeiten genießen konnten.

Wir chillten viel, kuschelten mit der Katze von G.‘s Eltern, hatten Sex, schauten Filme. Gestern besuchten wir außerdem ein Kunstmuseum und die Kathedrale von Fribourg, die sich vor allem aufgrund ihrer Glasmalereien lohnt. Die Fenster waren wahnsinnig schön gestaltet und die ersten Jugendstil-Fenster in einer katholischen Kathedrale, die ich je gesehen habe. Richtig schön.

Ich mag es, dass G. sich genauso für Kunst begeistern lässt wie ich und wir gemeinsam immer wieder in Ausstellungen, zu Konzerten oder anderen kulturellen Veranstaltungen gehen.

Von L. habe ich das ganze Wochenende wahnsinnig wenig gehört. Und darüber möchte ich gerne schreiben, um meine Gefühle ein wenig zu sortieren.

Letztendlich bin ich niemand, die ständig in Kontakt sein muss oder immer eine Antwort innerhalb weniger Stunden erwartet. Dennoch stört es mich, wenn ich von L. immer nur ein paar wenige Nachrichten, kurz bevor er ins Bett geht, erhalte und ansonsten gar nichts von ihm höre. So wie die letzten Tage eben.

Mich stört das, weil ich mich aktuell so fühle, als wäre ich nicht wichtig oder er würde mich zu wenig priorisieren. Ich hatte in einem vorhergehenden Blogartikel schon mal beschrieben, dass während unserer Dates A. regelmäßig anruft oder ihm schreibt (und auch Antworten erwartet) und L. daher während unserer Dates immer wieder an sein Smartphone geht, um mit ihr zu telefonieren oder ihr auf ihre Messages zu antworten.

Gleichzeitig reagiert er auf Nachrichten von mir überhaupt nicht, wenn er bei A. ist. Und das fühlt sich nicht gut an für mich. Als wäre die Kommunikation mit A. ihm wichtiger als die Kommunikation mit mir.

Darüber hinaus fühlt es sich bei jedem Date mit L. so an, als wäre unsere gemeinsame Zeit eigentlich immer zu kurz und zu wenig. In der Regel sehen wir uns einmal die Woche für einen Abend und eine Nacht. Das ist nicht viel. Und in den letzten Wochen lag es vor allem an ihm, dass das nicht mehr war. Weil er zum Beispiel für die Uni so eingespannt war oder er wegen A. zu einer bestimmten Uhrzeit wieder daheim sein sollte, anstatt ganz entspannt noch ein paar Stunden mehr mit mir zu verbringen.

Kritisch finde ich darüber hinaus auch, wie A. immer wieder neue Regeln für L. aufstellt. Als ich L. kennenlernte, war es zum Beispiel kein Problem, dass er mich auch mit zu sich nach Hause nahm, wenn A. nicht da war. Nur das Schlafzimmer war tabu. Irgendwann im Januar war das dann doch ein Problem für A. und sie stellt die Regel auf, dass wir in deren Wohnung kein Sex mehr haben dürften. Vor ein paar Wochen forderte sie dann, dass ich dort auch nicht mehr übernachten dürfe auf dem Sofa, sondern nur noch tagsüber vorbeikommen dürfe. Und letzte Woche erzählte L. mir, dass A. nun eigentlich gar nicht mehr will, dass ich zu ihnen in die Wohnung komme.

Meine Meinung nach sind das Machtspielchen. A. nutzt ihre Macht in der Beziehung mit L. dazu, sich selbst das Gefühl von Kontrolle zu geben. Die Beziehung zwischen mir und L. verunsichert sie sehr und sie hat immer wieder Verlustängste. Anstatt an der Beziehung mit L. zu arbeiten oder an sich selbst, was noch wichtiger wäre, stellt sie irrationale Regeln auf, um ihrem Bedürfnis nach Sicherheit nachzukommen. Und L. nimmt es hin, anstatt wirklich mit A. darüber zu reden und nach anderen Lösungen zu suchen. Oder sich darüber bewusst zu sein, was eigentlich er will und wo er ihr vielleicht auch mal eine Grenze aufzeigen müsste.

Ob wir nun in deren Wohnung gehen können oder nicht, mag für unsere Beziehung nicht so wichtig zu sein. Ich würde mir aber wünschen, dass L. eine klare Grenze zieht, wenn es um die Störungen während unserer Dates geht. Unsere Zeit ist eh knapp. Mit A. will ich sie dann erst Recht nicht teilen.

Nächsten Samstag sind wir wieder verabredet, aber die Uhrzeit ist noch nicht klar. Er hat gerade für die Uni an mehreren Projektarbeiten zu tun und hatte vorgeschlagen, dass er tagsüber vorbeikommt, damit er abends weiter an seinen Unisachen arbeiten kann. Das gefällt mir gar nicht, denn immerhin werden wir uns am Samstag fast 9 Tage nicht gesehen haben. Dann die Zeit auf ein paar Stunden während des Tages zu begrenzen, wünsche ich mir so nicht. Außerdem verbringe ich unheimlich gerne die Nacht mit ihm. Ich fände es daher schön, wenn er am späten Nachmittag zu uns kommt, den Abend mit mir, G. und einem befreundeten Paar, das uns besuchen kommt, verbringt, die Nacht bei mir verbringt, wir am nächsten Morgen ausschlafen, frühstücken, Kaffee trinken, und er dann irgendwann zurück nach Hause fährt, wenn er tatsächlich noch weitere Sachen für die Uni zu erledigen hat.

Zusätzlich ist L. diese Woche von Dienstag bis Freitag mit A. und einem Freund in Ischgl zum Wandern und Skifahren. Er meinte zwar, dass er auch dort ein bisschen was für die Uni machen würde. Insgesamt fühlt es sich für mich gerade aber so an, als würde er nicht genügend daran arbeiten, dass wir tatsächlich genügend Zeit miteinander haben.

Ich fühle mich daher gerade eifersüchtig auf die viele Zeit, die A. mit ihm verbringen kann. Und mich macht es traurig, dass L. mir so wenig Aufmerksamkeit schenkt, wenn er nicht bei mir ist. Was natürlich auch daran liegt, dass ich sie in der Regel nicht brauche und tausendmal unabhängiger und selbstzufriedener bin als A. Aber es kann doch nicht die Lösung sein, dass ich so tue, als wäre ich so needy wie A., damit ich mit L. in Kontakt bleiben kann, wenn er weg ist.

Letztendlich geht es in jeder Beziehung darum, immer wieder auf Bedürfnisse und Erwartungen beider Seiten zu schauen und die Regeln und Verhaltensweise auszuhandeln. Ich mag noch so selbstbewusst sein. Ein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, nach Zeit mit diesem Menschen, den ich so sehr mag, nach dem Gefühl, wichtig zu sein, habe ich trotzdem.

Aktuell fällt es mir noch schwer, solche Bedürfnisse gegenüber L. anzusprechen. Ich habe das Gefühl, ihn überfordern zu können mit meinen Forderungen. Und habe gerade bei solchen Gesprächen dann doch immer wieder im Kopf, dass der gute Mann erst 27 ist und mir ständig sagt, dass ich mein Leben im Griff hätte und er das bewundere. Weil er das halt nicht immer hat, seiner Meinung nach.

Nichts zu sagen ist aber natürlich auch keine Option, denn sonst ändert sich ja erst recht nichts.

Übrigens bin ich wegen dem ganzen Gefühlschaos sofort wieder in ein total doofes Verhaltensmuster gerutscht: Ich habe mich emotional distanziert und die Kommunikation runtergefahren.

Ich mache das zum Selbstschutz schon immer so. Das Problem löst es aber nicht. Also werde ich mich heute noch überwinden und L. meine Gedanken teilen. Vielleicht lese ich ihm auch einfach diesen Text vor.

Könnt ihr nachvollziehen, wie ich mich fühle?

Eure Clara

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Avatar von Schnipsel Schnipsel sagt:

    A. greift ganz schön in eure Beziehung ein. Ich schätze auch, dass sie das tut, weil es ihr ein Gefühl von Kontrolle gibt. Allerdings wird ihr Problem damit zu eurem. Dass L. sich nicht bei dir meldet, aber bei A.s Anrufen während eurer gemeinsamen Zeit immer ans Telefon geht, und dass er die aufgestellten und immer wieder verschärften Regeln von A. einfach so hinzunehmen scheint, erweckt bei mir den Eindruck, dass du hinter A. zurückstehst oder er alles tut, um eine (künstliche) Harmonie mit A. herzustellen. Das ist für ihn vielleicht am erträglichsten.

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    1. Ja, L. ist sehr Konfliktscheu, weshalb er den unangenehmen Gesprächen mit A. aus dem Weg geht, bis ich ihn dazu auffordere.

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