Vertrauensverlust

am

Als ich von dem wunderschönen Wochenende mit L. nach Hause kam, fand ich dort einen G. vor, der sauer auf mich und verletzt war. Anscheinend hatte ich vor lauter Liebesglück über mehrere Tage kaum auf seine Nachrichten reagiert, ihn ignoriert, ihn mit einem Thema an unserem Haus alleine gelassen, und mich auch nicht an unsere Regeln in Bezug auf Dates gehalten. Ich wusste, dass er bezüglich der Kinky Galore in Hamburg eifersüchtig war, weil er das gerne auch mit mir erlebt hätte und das Gefühl hat, dass ich lieber mit L. auf so eine Party gehe als mit ihm. Laut unseren Regeln hätte ich daher in den Tagen davor ordentlich bei ihm nachfragen müssen, wie es ihm geht. Stattdessen habe ich kaum mit ihm kommuniziert und ihm so das Gefühl gegeben, er wäre mir egal. Ich kann wahnsinnig gut nachvollziehen, dass er daher einen ziemlichen Groll gegen mich schob, als ich aus Hamburg zurückkam. Und gebe ihm in seinen Vorwürfen vollkommen Recht. Ich hätte viel besser kommunizieren können, hätte mich mehr um ihn kümmern können.

Wir gingen abends in unsere getrennten Betten und redeten am nächsten Morgen nochmal, bevor ich zur Arbeit ging. Ich machte mir absichtlich erst später auf den Weg ins Büro, um noch mit ihm zu reden und gemeinsam einen Kaffee zu trinken.

Ich machte ihm klar, dass ich er absolut Recht mit seinen Vorwürfen hat. Und dass es mir super Leid tut, dass ich das mit der Kommunikation nicht besser gemacht habe.

Und gleichzeitig war mir wichtig, ihm klar zu machen, dass ich nach den letzten Wochen und mit den Burnout-Symptomen gerade nicht immer in der Lage bin, so gut zu kommunizieren und mich so gut zu kümmern, wie das sonst der Fall ist. Ich spüre ja seit mehreren Wochen selbst, dass unsere Beziehung etwas im argen liegt und ich mich aber nicht darum kümmern kann, weil mir einfach die Kraft dazu fehlt. Hätten wir unsere Beziehungsarbeit die Wochen davor nicht aufgeschoben, hätte sich auch Hamburg nicht so schlimm für ihn angefühlt.

Das verstand er. Und so fanden wir in dem Gespräch einen ersten Schritt zurück zueinander.

Wir sprachen dann abends nochmal, auch weil wir noch klären mussten, was wir jetzt mit dem Date am Dienstagabend machen wollten. Er hatte sich mit seiner neuen Flamme A. verabredet und ich war eigentlich mit L. verabredet, weil wir uns danach ja 2,5 Wochen nicht sehen würden, wenn G. und ich in den Senegal reisen würden. Ich wollte sichergehen, dass es für G. in Ordnung war, dass L. da nochmal vorbeikam. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte ich das Date mit L. abgesagt. Aber letztendlich entschieden wir, dass wir unsere Pläne belassen, wie sie sind.

Also hatten wir am Dienstagabend eine Art Doppeldate. Ich saß neben L., G. saß neben A. Wir aßen zusammen und unterhielten uns über dies und das. A. ist ganz nett, aber mir irgendwie zu nerdig und ich fand es nicht so leicht, mit ihr in einen Gesprächsflow zu kommen. Gleichzeitig fand ich es super spannend, sie kennenzulernen, weil mir total klar, war sie und G. sich so gut verstehen. Die beiden connecten auf so einer nerdigen, witzigen Ebene, mit der ich nicht immer etwas anfangen kann. Ich habe das Gefühl, dass sich G. mit ihr sehr wohlfühlt und das finde ich schön.

Nach dem Essen gingen L. und ich in mein Zimmer und kuschelten und hatten ewig lang Sex. Von G. und A. hörten wir nichts mehr, aber G. erzählte mir am Tag darauf, dass auch die beiden irgendwann in sein Bett gewandert sind und Oralsex hatten. Also 5m von uns entfernt. Den Gedanken finde ich irgendwie schön und es freut mich für G., dass er endlich mal wieder jemanden gefunden hat und nicht immer nur L. und mir beim Sex zuhören muss, ohne selbst in den Genuss zu kommen. Er kommt damit in der Regel gut klar, aber ist natürlich schon neidisch und wünscht sich für sich selbst das Gleiche.

Am Mittwochmorgen fuhr ich dann nochmal in die Klinik für ein paar weitere Untersuchungen. Dabei kam leider heraus, dass ich von der Krebstherapie eine Autoimmun Myokarditis, also eine Entzündung meines Herzens entwickelt hatte. Die Ärzte raten mir daher von der Reise in den Senegal ab.

Am Nachmittag wägte ich das Ganze ab und entschied am Ende, trotzdem zu fahren. Weil ich den Urlaub einfach so bitter nötig habe. Weil ich die Quality Time mit G. nötig habe. Weil ich Lust auf das Abenteuer und die geplante Reise hatte. Und weil ich das gesundheitliche Risiko als überschaubar einschätzte.

Also packten wir unsere Koffer fertig, setzten uns in den Zug nach Frankfurt, checkten in unserem Airport Hotel ein und flogen am Donnerstagmorgen nach Dakar.

Ich hatte im Voraus Sorgen, ob G. und ich im Urlaub wieder zueinander finden würden. Wir hatten uns echt ganz schön auseinandergelebt in den letzten Wochen. Doch die Sorgen waren ganz umsonst gewesen. Sobald wir im Senegal waren und miteinander Zeit verbrachten, kamen wir ganz natürlich ins Reden. Es brauchte keine 24h, bis wir alle Themen der letzten Wochen aufgeräumt hatten und auch sexuell wieder zueinander fanden. Und bis ich wieder spürte, warum ich mich vor einem Jahr entschieden hatte, diesen Mann zu heiraten.

Seit wir im Senegal sind, haben wir fast täglich Sex miteinander. Richtig guten Sex. Verspielten, bunten, manchmal dreckigen Sex. So wie G. und ich eben im Bett miteinander funktionieren. Tabulos und experimentell.

Dabei fiel mir auch nochmal auf, wie wahnsinnig unterschiedliche Liebhaber G. und L. sind.

Mit L. spüre ich beim Sex eine ganz tiefe Verbundenheit. Wir „fliegen“ miteinander, spüren ganz viel, sind voll im Moment miteinander. Der Sex ist sehr emotional und echt etwas besonderes für mich, weil ich das so bisher nur mit Frauen erlebt habe. L. ist wahnsinnig leidenschaftlich und lässt sich von seiner Intuition leiten. Das finde ich total sexy und anziehend. Und er kuschelt gerne, sodass sich Sex oftmals ganz organisch aus dem Kuscheln heraus ergibt und wir auch nach dem Sex oft noch lange im Bett liegen und uns berühren.

Der Sex mit G. ist dafür spielerischer. Wir experimentieren viel, ich werde super oft verwöhnt, ohne etwas zurück zu geben. G. kann sehr technisch und verkopft sein beim Sex und ihm fällt es nicht so leicht, sich fallen zu lassen. Aber er hat echt Skills und weiß einfach, mit meinem Körper zu spielen und mich immer wieder zu den krassesten Orgasmen zu bringen.

Insgesamt hat mich der Sex mit L. in den letzten Wochen mehr berührt, weil er einfach so emotional ist und die Gefühle mich sehr überwältigend waren. Aber ich find’s total schön, dass die beiden so unterschiedlich sind und ich beides habe.

Tja, und dann begann das Drama.

Am Donnerstagabend erreichte mich eine Sprachnachricht von L. in der er mir erzählte, dass er am Freitagabend auf ein Date mit einem Mädel von okcupid gehen würde. Das kam für mich super überraschend, denn er hatte vorher mit mir nicht darüber geredet, dass er Interesse daran hat, neue Leute kennenzulernen. Und er hatte mir auch nicht erzählt, dass er auf okcupid mit jemandem schreibt. Und zusätzlich war seine Sprachnachricht eher eine Info, in der mir die Frage fehlte, wie es mir damit geht. Er vergaß komplett, mich zu fragen, ob das für mich in Ordnung ist bzw. unter welchen Umständen. Er hatte sich einfach verabredet. Und das nur einen Tag, nachdem ich in den Urlaub gereist war. Das fühlte sich nicht so gut an.

Ich schickte ihm daher auch gleich eine Sprachnachricht zurück und sagte ihm, dass ich mir gewünscht hätte, dass er sich erst mit mir bespricht und mit mir kommuniziert, bevor er ein Date vereinbart. Und dass ich mich frage, was er denn sucht, denn die Kapazität für eine dritte Beziehung hat er definitiv nicht.

Ich kann mir L. in einer losen Affaire, in der es nur um Sex geht, überhaupt nicht vorstellen. Er verliebt sich genauso schnell wie ich und daher macht mir das irgendwie Sorgen, dass er eine neue Person kennenlernen will. Weil ich mir nicht sicher bin, ob er da die nötige Klarheit darüber hat, wo seine Prioritäten liegen, welche Kapazitäten er hat, und welche Beziehungen ihm wichtiger sind. Er hat sich ja auch mit mir quasi in die Beziehung verrannt und ich habe Angst, dass ihm das mit der nächsten, tollen Person, nochmal passieren könnte.

Er kommt mir da manchmal vor, als würde er die Dinge zu wenig in die Hand nehmen und sie einfach laufen lassen. Und das löst bei mir ein riesiges Unsicherheitsgefühl aus, weil ich Angst habe, dass sich das negativ auf unsere Beziehung auswirken könnte. Außerdem bin ich mir nicht sicher, ob er im Zweifelsfall die nötige Kraft hat, Beziehungen auch wieder zu beenden, sollten sie sich negativ auf die anderen Beziehungen auswirken. Er kommt mir manchmal nicht willensstark und klar genug rüber, um sich in dieser Polywelt so richtig gut zurecht zu finden. Und das löst in mir Ängste aus, weil es dazu führen könnte, dass ich dabei verletzt werde. Dass er sich in etwas verrennt, dass sich negativ auf unsere Beziehung auswirkt. Oder er nicht versteht, worum es mir geht und was ich brauche.

Auf jeden Fall ging er dann auf das Date und anders als es mir angekündigt wurde, gingen die beiden nicht einfach eine Stunde ein Bier miteinander trinken, sondern verbrachten gleich die ganze Nacht miteinander. Sie gingen auf ein Konzert, danach gab es Probleme mit den Zügen, sodass sie nicht mehr heimkam, daher fuhr er sie auch noch nach Hause, dort kam er noch mit rauf und die zwei tranken Tee und dann wurde ihm sogar angeboten, noch länger zu bleiben für Sex. Wenigstens letzteres machte er nicht, sondern verabschiedete sich dann und ging heim, weil er das Gefühl hatte, sonst mich und A. zu betrügen, weil das nicht abgesprochen war und er immerhin checkte, dass das vielleicht zu weit gegangen wäre.

Wir telefonierten dann am Tag darauf miteinander für eine Stunde und er erzählte mir von seinem Date. Bei dem Telefonat machte ich nochmal klar, dass für mich total wichtig ist, dass er mir von seinen Absichten erklärt, bevor er sich verabredet und mich von Anfang an einbezieht und nicht erst, wenn er das Date schon vereinbart hat. Und dass mir das gerade eigentlich alles viel zu schnell geht. Dass es sich nicht gut anfühlt, dass wir erst vor einer Woche miteinander in Hamburg waren und uns dort zum ersten mal unsere Liebe gestanden hatten, und wir noch so viele Dinge in unserer Beziehung zu klären hatten und über uns herauszufinden hatten, dass ich das Timing einfach richtig kacke fand. Ich wäre gerne noch länger ungestört auf unserer Wolke 7 geblieben und hätte mich mit uns auseinandergesetzt, hätte gerne dafür gesorgt, dass wir uns noch besser kennen und unsere Beziehung festigen, bevor wir alles noch weiter verkomplizieren mit noch mehr Leuten.

Leider war das Wolke 7 Gefühl aus Hamburg damit für mich verflogen. Seine mangelnde Kommunikation mit mir und die Schnelligkeit und die mangelnde Rücksichtnahme hatten mich echt verunsichert. Und dabei ging mir auch das Vertrauen ein bisschen flöten. Ich fühle mich nicht mehr so mit ihm verbunden wie noch vor wenigen Tagen.

Am Montag erzählte er mir dann in einer Sprachnachricht, dass er sich für ein zweites Date mit der Frau verabredet hatte. Erneut, ohne vorher mit mir darüber zu reden. Erneut, ohne mich zu fragen, ob das für mich okay ist und wie es mir damit geht. Und ohne nochmal mit mir darüber geredet zu haben, was er eigentlich sucht oder was er sich mit ihr vorstellen kann. Ohne das vorhergehende Gespräch zum Thema mit mir fortzuführen.

Zweimal innerhalb von 4 Tagen hatte ich also nicht das Verhalten bekommen, das ich brauche, um mich sicher zu fühlen. Mein Vertrauen in L. war damit weg.

Wir telefonierten zwar an dem Tag noch miteinander, aber ich realisierte erst später am Abend, was da eigentlich passiert war und wie sehr mich sein Verhalten störte. Und wie schlecht ich mich damit fühlte. Daher forderte ich auch nicht, dass er nicht auf das Date gehen sollte, obwohl das genau das gewesen wäre, was ich gebraucht hätte. Ich hätte ein Zeichen gebraucht, dass er mich priorisiert und meine Bedürfnisse mindestens genauso wichtig sind wie sein Bedürfnis nach Abenteuer. Ich hätte mir gewünscht, dass er zu dem Date nicht einfach zusagt, sondern erst mit mir in die Kommunikation geht und sichergeht, dass zwischen uns alles geklärt ist. Ich hätte dieses Commitment von ihm gebraucht.

Ich konnte in der darauffolgenden Nacht nicht schlafen, weil ich das Thema ins Bett mitnahm. Ich hing in Gedankenkreisen fest. Nachts um halb vier stand ich dann wieder auf, setzte mich auf die Terasse und schrieb alles, was mir durch den Kopf ging, in mein Tagebuch. Danach konnte ich zumindest für 3-4 Stunden schlafen.

Am nächsten Morgen machte ich mir einen Kaffee und antwortete auf seine Nachrichten erst mal gar nicht. Ich war komplett überfordert, hatte mich emotional total distanziert, war verunsichert und nicht in der Lage, zu verbalisieren, was ich gerade brauchte und was alles in mir vor ging. Es war einfach zu viel. Ich fühlte mich, als hätte ich mich in ein Schneckenhaus aus Selbstschutz zurückgezogen, das sich ganz miserabel anfühlte, aber gerade der einzige emotionale Ort war, an dem ich es aushalten konnte. Ich kapselte mich ein.

Ich schickte ihm dann irgendwann eine Sprachnachricht, um Bescheid zu geben, dass ich mit der ganzen Situation gerade nicht gut klar kam, kaum geschlafen hatte und mir klar geworden ist, dass mir vor allem der Konsens gefehlt hat in den letzten Tagen.

Konsens ist für mich die Basis meiner Beziehungen. Ich führe meine Beziehungen so, dass ich jederzeit sicherstelle, dass der Konsens in alle Richtungen hergestellt ist. Das heißt, es darf nur passieren, womit alle beteiligten Personen vollkommen in Ordnung sind. Um diesen Konsens herzustellen, müssen alle Beteiligten wahnsinnig viel miteinander reden. Und zwar, bevor sie etwas tun. Das ist zwar herausfordernd und manchmal anstrengend, aber mir ist das wichtig, weil ich sicher sein möchte, dass es meinen Menschen gut geht.

Die letzten Tage hatten sich für mich so schlecht angefühlt, weil der Konsens mit mir nicht hergestellt worden war. L. hatte einfach gemacht. Er hatte mich nicht gefragt, was für mich geht und was für mich in Ordnung ist. Das geht so sehr gegen meine Werte, dass ich mich richtig schlecht behandelt gefühlt habe. Und nicht genügend umsorgt.

Zwar hatten wir noch nicht über Regeln in unserer Beziehung geredet und ich hatte ihm auch mein Verständnis von Konsens noch nicht zu 100% erklärt, aber alleine, dass er vor den Telefonaten mit mir nervös gewesen war, weil er sich nicht sicher war, ob die Dates für mich in Ordnung sind, hätten ihn ja darauf bringen können, mit der nötigen Vorsicht und Langsamkeit an das Ganze heranzugehen. So kompliziert ist es eigentlich nicht, aufeinander zu achten. Man muss es nur tun.

Ich legte mich dann nochmal für ein paar Stunden ins Bett, weil ich echt fertig war. L. schrieb mir irgendwann ein paar sehr lange, sehr schöne Texte auf WhatsApp. Und dann telefonierten wir, kurz bevor er auf sein Date ging, nochmal miteinander. Ehrlich gesagt erinnere ich mich kaum an den Inhalt des Telefonats. Ich war so wahnsinnig emotional und weinte mehrmals, dass ich mich an keine Details erinnern kann. Aber ich erinnere mich daran, dass ich nochmal klar machte, dass mir das alles einfach viel zu schnell ging. Und dass ich am liebsten hätte, dass er gar nicht auf das Date ging. Und dass ich mir viel mehr proaktive Kommunikation von ihm gewünscht hätte. Und dass ich nicht möchte, dass er mit S. schlief oder kuschelte, sollte er bei ihr übernachten.

Die ganze Situation war emotional auch deswegen so schwierig, weil wir halt nur über Videocalls reden konnten. Weil wir nicht die Möglichkeit hatten, uns einfach zu treffen, mehrere Stunden über alles zu reden, und uns in den Arm zu nehmen. Ich kommuniziere super viel über Gesten und Berührungen. Jetzt diese Konfliktsituation über die Distanz zu navigieren, noch dazu der allererste richtige Konflikt zwischen L. und mir, fand und finde ich unheimlich schwierig.

Es ist etwas anderes, solche Gespräche in Person zu führen und sich dann auch in den Arm nehmen zu können. Wenn das nicht geht, macht es das Navigieren durch solche Situationen viel schwieriger. Das war vor einigen Jahren auch der Grund, weshalb G. und ich unsere Beziehung für 2 Jahre schlossen, weil wir während der Fernbeziehung nicht gut mit allem klar kamen. Es kostete uns so viel Energie, dass wir entschieden, für eine Zeit einfach mal monogam zu leben.

Und dass er zudem mit A. mehr über alles redete als mit mir, obwohl mir die ganze Situation anscheinend näher ging als A., machte es auch nicht besser.

L. und ich telefonierten am Tag darauf nochmal, als er wieder daheim war. Er weinte bei dem Telefonat fast und meinte, dass er sich vor und nach dem Date miserabel gefühlt hätte. Als wäre ich ausgezogen. Und dass ihn das emotional total mitgenommen hätte, wie ich die letzten Tage gelitten hatte. Und dass er nicht damit umgehen könnte, wenn das jetzt jedes mal so abläuft, wenn er sich mit jemandem treffen will.

Die letzte Aussage macht mich immer noch wütend. Natürlich soll das sonst nicht so ablaufen. Aber dann muss man sich halt auch darum kümmern, dass es seinen Beziehungsmenschen gut geht. Und man muss proaktiv kommunizieren. Und nicht einfach machen und denken, dass alle um einen herum immer mit allem voll okay sind. Das ist so blauäugig, dass es mich echt wütend macht.

Wir haben seitdem zwar weiterhin Kontakt, aber ich fühle distanziert von L. Und ich glaube auch nicht, dass ich das ändern kann, bis wir uns Ende nächster Woche wiedersehen. Mein Vertrauen hat unter dem ganzen Vorfall wirklich gelitten. Ich vertraue aktuell weder darin, dass er jetzt verstanden hat, was ich von ihm erwarte und was für ein Verhalten ich brauche. Und ich vertraue aktuell auch nicht darin, dass er wirklich in der Lage ist, diese Beziehung mit mir so zu führen, dass ich mich darin sicher fühle. Dieses Vertrauen kann ich glaube ich auch nur dadurch aufbauen, dass er mir das zeigt. Dafür reichen keine Worte und Versprechungen.

Hamburg fühlt sich daher aktuell ganz, ganz weit entfernt an. Als wäre das Monate her.

Das macht mich total traurig und sauer. Gerade noch war ich voll auf Wolke 7, hatte dann auch noch so einen schönen Start in den Urlaub mit G. und konnte auch diese Beziehung wieder aufbauen. Und dachte, dass ich jetzt endlich mal die Situation habe, dass es echt allen Beziehungen gleichzeitig richtig, richtig gut geht.

Und dann kommt L. mit seinem Date um die Ecke.

Ich will mit L. noch nicht Schluss machen. Ich will ihn Ende nächster Woche wiedersehen und dann für mich herausfinden, was da mit ihm geht. Aber ich bin jetzt wahnsinnig vorsichtig geworden.

Meine Kommunikation mit ihm ist daher auch etwas abgekühlt und das spürt er sicherlich. Anders als während den ersten Tagen der Reise schicke ich ihm gerade keine After Sex Nudes mehr, keine Sprachnachrichten bzw. Podcasts, in denen ich von meinem Tag und meinen Erlebnissen erzähle. Ich habe gerade einfach auch gar nicht die Lust, zu viel mit ihm zu kommunizieren. Also lasse ich es sein.

Ich hoffe, dass er wenigstens gecheckt hat, dass es absolut keine Option ist, dass er, bis wir uns wiedersehen, nochmal auf ein Date mit S. geht. Sollte er das machen, weiß ich nicht, ob ich das mit L. dann nicht sogar beenden würde. Denn wenn er nach all dem tatsächlich immer noch nicht verstanden haben sollte, dass er sich vorsichtig verhalten sollte, muss ich mich glaube ich auch selbst schützen. Dann ist L. vielleicht wirklich nicht reif genug für eine Polybeziehung. Dann soll er weiter mit A. sein Ding machen, aber dann ist das nicht gut für mich.

An seiner Kommunikation merke ich, dass er sich aktuell ganz anders fühlt. Er schreibt mir immer wieder, sie lieb er mich hat, ich bekomme Komplimente, er schreibt, dass er mich vermisst, ich bekomme Bilder von ihm geschickt. Er scheint sich wieder so zu fühlen wie noch vor einer Woche. Da kann ich gerade nicht anknüpfen.

Ich will mich jetzt in der nächsten Woche auf mich, meine Beziehung mit G. und den Urlaub hier im Senegal konzentrieren. Und hoffe einfach, dass von L. jetzt nicht der nächste Brummer kommt, bis wir uns nächsten Freitag wiedersehen. Dann werden wir fast 24h miteinander verbringen und können alles aufräumen, was aufgeräumt werden muss. Und hoffentlich aufgeräumt werden kann.

Komplett aufgegeben habe ich L. noch nicht. Das liegt daran, dass ich trotz allem die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass er meine Aussagen komplett ernst genommen hat, meine Gefühle ernst genommen hat, und ihm das ehrlich nahe ging, dass es mir nicht gut ging. Und dass ich auch die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass ihm meine Bedürfnisse wichtig sind. Nur die Umsetzung in Taten war halt eine Katastrophe. Und ich hab die Hoffnung, dass er daran arbeiten kann. Dass er das nächstes mal besser machen kann. Dass er sich an unsere Abmachungen halten kann, wenn wir die mal miteinander wirklich geklärt haben.

Ich wollte diesen Blogartikel nicht schreiben und es hat auch echt keinen Spaß gemacht, das alles in Worte zu fassen. Aber ich habe das jetzt gebraucht, um alles für mich nochmal zu sortieren. Und das macht zwar die negativen Gefühle nicht kleiner, aber aufgeräumter.

Der letzte Blogartikel war ein Fest der positiven Gefühle. Da wäre ich gerne geblieben. Aber so ist halt auch manchmal die Realität.

Ich freue mich über eure Kommentare.

Eure Clara

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Avatar von Schnipsel Schnipsel sagt:

    Ich bin mir nicht so sicher, ob L. bewusst ist, was er da angerichtet hat. Und auch nicht, ob er deinen Punkt wirklich verstanden hat. Besonders bitter finde ich, dass das jetzt auch noch ausgerechnet in dem Urlaub passiert, den du so nötig hast. Ich hoffe sehr, dass du mit G. noch eine wunderschöne Zeit im Senegal haben wirst und L. keine blöden Sachen (mehr) macht, die dich runterziehen.

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    1. Da bin ich mir auch nicht sicher. Wir sehen uns am Freitag wieder und dann wird sich das klären.

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