Seit meinem letzten Blogartikel sind 4 Wochen vergangen. In dieser Zeit bin ich so tief ins Burnout-Loch gefallen und der Konflikt mit L. hat mich so sehr beschäftigt und war so präsent, dass ich einfach keine Lust aufs Schreiben hatte.
Schon zu Beginn dieses Blogs habe ich mir immer geschworen, dass der Blog ein Hobby bleiben muss. Und ein Hobby ist nach meiner Definition etwas, was man aus Freude und Spaß macht und wozu man sich nicht motivieren muss. Wenn ich also keine Lust darauf habe, dann mache ich es auch nicht.
Das tut mir Leid für euch treue Leser*innen, die auf eine Fortsetzung warten. Aber ehrlich gesagt habe ich einfach getan, was sich gut anfühlt. Und eine Zeit lang war es für mich besser, mal nicht zu viel zu reflektieren und das ein oder andere Thema auch einfach auf die lange Bank zu schieben.
Mein letzter Blogartikel endete damit, dass ich L. erzählt hatte, dass ich mit seinem Date mit S. doch nicht gut klar kam. Am gleichen Abend fand die Einweihungsfeier von G. und mir statt. Es waren fast 40 Gäste im Haus, alle sahen super aus, wir hatten ein geiles Buffet in der Küche, eine coole Bar aufgebaut, es war eine super Stimmung. Für mich verging der Abend wie im Flug, weil ich ununterbrochen beschäftigt mit Quatschen, Gastgeberin sein, Leute empfangen, Tanzen, Spaß haben war. G. und ich verbrachten irgendwie wahnsinnig wenig Zeit miteinander an dem Abend, weil er eher bei seinen Gästen stand und ich eher bei meinen stand. Ich erinnere mich an keinen einzigen Kuss zwischen uns an dem Abend. Eine Freundin sprach mich sogar kürzlich noch darauf an, ob zwischen uns alles okay ist (Ja, ist es).
Rumgeknutscht habe ich stattdessen viele male mit L. und mit meiner alten Freundin S. (siehe zum Beispiel diesen wunderbaren Blogartikel). Das Schönste für mich war an diesem Abend, dass wir einen poly-offenen Raum geschaffen hatten, in dem alle Gäste auf der Party über unser Beziehungsmodell Bescheid wussten, inklusive meiner Familie, und wir uns daher komplett frei verhalten konnten. Das hatte ich mir schon so lange gewünscht und es machte mich so glücklich, das endlich so zu erleben.
Ls. war mit Mann und Baby auch auf der Party und sah wahnsinnig gut aus. Wir hatten irgendwann in der Küche ein kurzes, aber schönes 4-Augen-Gespräch, in dem sie mir dankte, dass ich ein paar Wochen davor mein Interesse kommuniziert hatte, sie wieder zu daten, sobald das mit dem Baby möglich ist. Sie erzählte mir, dass sie sich dasselbe wünschte, aber es sie gleichzeitig unter Druck setzte, weil es jetzt gerade noch nicht gehen würde und es für sie so klang, als wöllte ich das möglichst sofort. Ich erklärte ihr, das für mich da keinerlei Zeitdruck dahinter steckt und ich mich einfach darauf freue, wenn es wieder möglich ist. Während des Gesprächs entstand zwischen uns diese Spannung, dieses Knistern. Ich hätte sie gerne geküsst, habe mich aber nicht getraut.
Viel rumgeknutscht habe ich stattdessen mit S. Als sie mich vor der Party einmal fragte, ob ich Geschenkwünsche hätte, hatte ich in meiner Wunschliste unter anderem genannt: Heiße Küsse auf meiner Party. S. küsst wahnsinnig gut und es macht immer Spaß mit ihr zu flirten, zu tanzen, zu knutschen. Und irgendwann standen wir in der Küche an der Wand und sie meinte zu mir: „Ist jetzt ein guter Zeitpunkt für einen Kuss?“ Ich grinste sie an, nickte. Ihre Hand fuhr an meinen Nacken und kurz darauf spürte ich ihre weichen Lippen auf meinen. Ich legte meine Arme um ihre Taille und zog sie an mich ran.
S. ist einfach hot und eine wahnsinnig interessante Frau. Sie ist witzig, hat Tiefe. Und nach vielen, roughen Jahren geht es ihr inzwischen auch psychisch so gut, dass sie sich besser um ihre Freundschaften kümmern kann. Das macht sie inzwischen zu einer meiner geschätztesten Gesprächspartner*innen – vor allem, wenn es um Beziehungsthemen geht. Diesen Blog bräuchte ich ehrlicherweise heute zur Reflexionszwecken gar nicht mehr, weil es Menschen wie S. in meinem Leben gibt, die immer ein offenes Ohr haben und gleichzeitig sogar selbst in polyamoren Beziehungen leben. Stattdessen schreibe ich den Blog heute aus purem Spaß und weil es manchmal trotzdem gut tut, sich die Gedanken aus dem Kopf zu schreiben.
Schön war auf der Party auch, dass L. endlich ein paar wichtige Leute aus meinem Leben kennenlernte, die er noch nicht kannte – unter anderem meine Schwester. Wenig überraschend verstand er sich mit allen super und fügte sich gut in mein Umfeld ein. Ich erinnere mich an keine einzige Person auf der Party, die die Situation komisch oder unangenehm fand. Oder ich habe einfach nichts davon mitbekommen.
Und meinen Burnout habe ich an dem Abend einfach tief im Glas ertrunken. Alkohol ist niemals eine Lösung, aber für ein paar Stunden einfach Spaß zu haben und betrunken zu sein, war auch schön.
Am Tag danach hatte ich mit L. noch weniger als eine Stunde Zeit, bevor er in seinen Bus stieg, um nach Hause zu fahren. Viel zu wenig Zeit, um nochmal ins Gespräch miteinander zu gehen. Und so fuhr er ab, flug nach Sansibar in den Urlaub, ich kurz darauf nach Mallorca, und wir sahen uns danach volle drei Wochen nicht mehr. Ohne unsere Themen geklärt zu haben.
Ich entschied mich ein paar Tage danach, ihm meinen letzten Blogartikel zuzuschicken, weil ich das Gefühl hatte, dass in dem Blogartikel so viel Wahrheit steckt, die ich im Gespräch gerade nicht in der Lage bin, verbal zu kommunizieren. Seine Reaktion nach dem Lesen war: Emotionale Distanziertheit und Funkstille. Anscheinend war L. so überfordert mit dem, was er las, dass er dicht machte. Ich sagte ihm daher in einer Sprachnachricht, wie unfair ich sein Verhalten fand. Ich hatte mich am Nachmittag vor der Party ihm gegenüber geöffnet und ihm den Blogartikel geschickt, beide male viel über mich preisgegeben und mich verletzlich gemacht. Jetzt keinerlei Feedback von ihm zu bekommen, sondern Distanziertheit und eine Art Ghosting, anstatt miteinander in Kontakt zu bleiben, empfand ich als wahnsinnig unfaires Verhalten.
Das wirkte zum Glück. Wir kommunizierten wieder miteinander und verabredeten uns für Samstag zum Telefonieren. Zu dem Zeitpunkt war ich dann bereits auf Mallorca.
Das Wichtigste, was ich in dem Gespräch kommunizierte, war, dass ich mir aktuell nicht sicher bin, ob ich mit ihm irgendwelche klärenden Gespräche führen will, während wir nur über die Ferne telefonieren können und ich so tief im Burnout hänge. Ich vertraute weiterhin meiner Fähigkeit, meine Bedürfnisse und Gefühle richtig wahrzunehmen und zu analysieren zu wenig. Und stellte daher die Frage, ob es besser wäre, wenn wir die Beziehungsgespräche einfach erst führen, wenn wir uns in zwei Wochen wiedersehen. In der Hoffnung, dass es mir bis dahin besser geht – und weil es uns beiden einfacher fällt, diese Gespräche zu führen, wenn wir beieinander sind.
L. hat dazu nie eine Meinung geäußert. Aber ich habe danach für mich entschieden, dass ich in unseren Telefonaten die Gespräch vorerst selbst einfach nicht auf die wichtigen Themen lenken werde. Und da es in der Regel immer ich bin, die das tut – und nicht er, habe ich so einfach dafür gesorgt, dass wir die Beziehungsarbeit auf die Zukunft verlegen. Ich habe mir Zeit verschafft, Energie zu tanken, mich vom Burnout zu erholen, durchzuatmen.
L. und ich telefonierten alle paar Tage miteinander und das waren schöne Telefonate. Er erzählte mir von seinem Urlaub, ich ihm von Mallorca oder was eben sonst so passierte. Nur über uns redeten wir wenig. Unsere Beziehung verschlechterte sich nicht, aber sie verbesserte sich auch nicht. Gut fand ich allerdings, dass wir stetig in Kontakt blieben und uns beide Mühe miteinander gaben.
Gleichzeitig redete ich mit G., S. und Ls. viel über L. und bemerkte in diesen Gesprächen, wie sehr mich unter anderem störte, dass L. so viel weniger Beziehungserfahrung hat als ich. Dass ich deswegen nicht nur Liebhaberin und Partnerin, sondern auch Impulsgeberin, Beziehungscoachin, Moderatorin, Mentorin bin. Und dass mir all diese Rollen vielleicht zu viel sind. Dass ich mir wünsche, einen Partner zu haben, der mir auf Augenhöhe begegnen und mir das Wasser reichen kann. Und dass ich für mich auch herausfinden muss, ob ich diese Beziehung mit L. überhaupt will. Ob er der Richtige für eine Beziehung mit mir ist. Ob eine Beziehung mit ihm mir Kraft schenkt oder mir nur Kraft entzieht.
Ich entschied für mich, abzuwarten, wie die Klärungsgespräche nach meiner Rückkehr ablaufen würden, und auf der Basis zu entscheiden, ob ich die Beziehung will oder nicht.
Gleichzeitig genoss ich die Zeit auf Mallorca zusammen mit G. und meiner Familie. Ich war in dieser Zeit krankgeschrieben und machte so gut wie nichts. Ich schlief wahnsinnig viel. Las viel. Lag viel rum. Machte ein paar wenige kleine Ausflüge und einen Tauchausflug. Ging mal zum Abendessen aus. Aber das war’s auch schon. Ich gab mir und meinen Gehirn einfach die Möglichkeit, durch Langeweile und Ruhe zu heilen. Und ich spürte auch, wie ich jeden Tag ein wenig mehr Energie zurückerlangte.
Letzten Samstag kam ich dann wieder heim, trank am Sonntagmorgen noch mit G. einen Kaffee und war dann am Sonntagvormittag mit L. verabredet. Wir trafen uns vor dem Bahnhof und waren beide unheimlich aufgeregt. Wir nahmen uns lange in den Arm zur Begrüßung und liefen dann in Richtung des Cafés, wo wir zusammen frühstücken gehen wollten. Ich brauchte an dem Tag relativ lange, um mit ihm warm zu werden. Wir hielten kein Händchen auf dem Weg zum Café, was für uns sehr untypisch ist.
Aber mit jeder Minute, die wir miteinander verbrachten und redeten, wurden wir entspannter. Irgendwann hielt ich es nicht länger aus, zog ihn an mich und wir küssten uns lange und intensiv. Es war einer dieser Küsse, wo um einen herum alles verschwimmt. Klar, wir hatten echt einiges zu klären. Aber gleichzeitig war ich so froh, ihn wiederzusehen und dass diese Wochen der Trennung endlich vorüber waren. Dass wir uns ab jetzt wieder regelmäßig sehen würden.
Nach dem Frühstück liefen wir zum Bus – diesmal Händchen haltend – und fuhren zu mir nach Hause. Dort machten wir uns noch einen Kaffee und tranken in ihn er Sonne auf der Treppe im Garten. Dann wollte ich mich für eine Zeit hinlegen und einen Mittagsschlaf machen. Während des Burnouts habe ich damit irgendwann angefangen und komme bisher ohne Mittagschlaf noch nicht durch den Tag. L. legte sich einfach zu mir, kuschelte sich an mich, und wir dösten oder schlummerten für 1,5 Stunden. Nachdem mein Wecker uns geweckt hatte, blieben wir kuschelnd im Bett liegen. Wir redeten miteinander über dies und das und streichelten uns währenddessen auf liebevolle Weise.
Ich merkte, dass L. mit mir schlafen wollte, und dass ich aber noch nicht bereit dafür war. Mir gingen zu viele Fragen durch den Kopf, die ich ihm stellen wollte. Ich wusste, dass ich Sex mit ihm jetzt nicht genießen würde können, bevor ich diese Fragen geklärt hätte, weil ich ansonsten einfach nur an die Fragen denken würde, anstatt im Moment zu sein. Also sagte ich ihm das. Seine Reaktion: „Okay, dann lass uns lieber erst über deine Fragen sprechen.“
Also fingen wir an zu reden. Über uns und über all die Themen, die so wichtig sind für unsere Beziehung. Wir redeten über so viele Themen, dass ich hier nicht auf alles eingehen werde. Aber ein paar Einblicke will ich euch geben.
Ich wollte zum Beispiel wissen, was genau das zwischen ihm und S. ist. Gibt es da nur eine sexuelle und freundschaftliche Ebene? Oder auch eine romantische, emotionale? Er erzählte mir, dass es sich wie eine Freundschaft anfühlt – und dass er sich gleichzeitig sexuell auch zu ihr hingezogen fühlt. Eine romantische Ebene gab es aber zwischen den beiden nicht. Das erleichterte mich. Ich traue L. nicht zu, dass wenn da Gefühle ins Spiel kommen würden, dass er damit gut umgehen könnte. Gefühle bedeuten bei den meisten Leuten nämlich, dass sie sich doch mehr wünschen. Mehr Treffen, mehr Zeit, mehr Beziehung, mehr Commitment. Also all das, was L. nicht geben kann, wenn es die Beziehungen mit A. und mir gut führen will.
Meine größte Angst in Bezug auf die Affäre mit S. ist nämlich, dass sie sich irgendwann negativ auf meine Beziehung mit L. auswirkt. L. stolpert mir da teils zu viel durchs Leben und macht sich zu wenig Gedanken. Ich will verhindern, dass er mit S. in eine Beziehung stolpert, die so nicht geplant war, und dann nicht die Kraft oder den Willen hat, das zu beenden.
Ich brachte daher auch das Gespräch auf Hierarchien zwischen verschiedenen Beziehungen. Mir war wichtig, zu hören, dass unsere Beziehung für ihn vor der Affäre kommt. Dass er uns priorisiert. Das S. zusätzlich ist. Und dass S. es im Zweifelsfall ist, die eben mal länger auf ein Date warten muss, wenn L. die Zeit für sein Studium und die Beziehungen mit A. und mir braucht. Ich hab mich zu diesem Gespräch echt selber motivieren müssen, weil ich viele dieser Themen für so dermaßen selbstverständlich halte, dass ich sie mit anderen Menschen gar nicht führen würde. Aber bei L. bin ich mir nach den ganzen Erfahrungen im letzten Monat eben nicht mehr sicher, was da selbstverständlich ist und was nicht. Daher gehe ich auf Nummer sicher und kläre alles, was mir einfällt.
Insgesamt liefen die Gespräche mit L. total harmonisch und angenehm ab. Reibungen gab es gar keine, gegensätzliche Meinungen hatten wir auch zu keinem Punkt. Es gab keine einzige Sache, wo wir nicht zueinander fanden. Und daher waren diese Gespräche eine super schöne Erfahrung. Weil wir uns nah kamen, weil sie ehrlich waren, weil wir uns verletzlich machten. Und weil sie uns miteinander verbanden. Die ganzen Gespräche am Sonntag und in den Folgetagen fühlen sich rückblickend wirklich an, als hätten sie eine Basis für unsere Beziehung geschaffen, die so vorher nicht da war.
Was mich auch sehr erleichterte, war, dass ich in L. einen Gesprächspartner auf Augenhöhe hatte. Klar hat er weniger Beziehungserfahrung als ich – viel weniger. Aber er hatte sich wahnsinnig viele Gedanken gemacht und reflektiert sich selbst. Er hatten Antworten auf meine Fragen, durchdachte Antworten. Und er platzierte auch seine eigenen Themen, brachte seine eigenen Fragen ins Gespräch.
Sex hatten wir danach natürlich auch noch. Wahnsinnig romantischen, schönen, intensiven Sex, bei dem wir voll beieinander waren, uns verbunden fühlten, gemeinsam die Wellen ritten. Wir hatten das beide so sehr vermisst.
Am Dienstag war ich dann für ein paar Scans in der Klinik und ging danach bei L. vorbei. Wir kuschelten uns für eine Stunde zusammen auf sein Sofa und genossen die körperliche Nähe. Ich war nachmittags mit Ls. für ein Date verabredet – das erste seit Januar. Lange kann sie von dem Kleinen bisher nicht wegbleiben, aber für ein Coffee Date reicht es.
Sie meldete sich per Message, sobald sie mit der nächsten Runde Stillen durch war, und ich lief zu ihr rüber. Wir umarmten uns zur Begrüßung und hielt uns sofort an der Hand, als wir Richtung Café losliefen. Für mich fühlte es sich an, als hätten wir nie aufgehört, zu daten. Meine Hand in ihrer fühlte sich total natürlich an, als wäre sie da nie weggewesen.
Wir unterhielten uns im Café wahnsinnig gut miteinander. Genau das war es, was ich am meisten vermisst hatte: Diese wunderbaren, tiefen Gespräche mit ihr. Ls. hat eine ganz tiefe Persönlichkeit. Ich liebe ihr Selbstbewusstsein, ihre emotionale Intelligenz, ihre Kommunikationsfähigkeit. Und auch ihre grünen Augen, ihre weichen Lippen, ihre blonden Locken, ihren schönen Bauch. Es tat so gut, wieder Zeit mit ihr zu verbringen.
Vielleicht wundert das einige von euch, weil ich im Januar ja einen doch sehr negativen und kritischen Blogartikel über meine Geschichte mit ihr geschrieben habe. Seitdem habe ich noch oft und viel über diese Beziehung mit ihr nachgedacht. Heute glaube ich, dass ich mir mein Unglück zum Teil selbst eingebrockt habe, weil ich es nicht geschafft habe, ausreichend mit Ls. über meine Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle zu reden. Und dass ich den wichtigen Gespräch mit Ls. aus dem Weg gegangen bin.
Gleichzeitig habe ich in Ls. eine empathische, rücksichtsvolle Freundin, die immer ein offenes Ohr für mich hatte und wahnsinnig gut zuhören kann. Jedes mal, wenn ich das Gespräch mit ihr gesucht habe, war das eine schöne Erfahrung. Daher habe ich keine Angst, es mit ihr nochmal zu versuchen. Ich hoffe einfach, dass ich mich auch ein bisschen weiterentwickelt habe und mich mit den für mich wichtigen Themen nicht mehr zurückhalte.
Nach zwei Stunden brachte ich sie wieder zurück nach Hause. Vor ihrem Haus nahm Ls. mein Gesicht in ihre Hände und küsste mich mit ihren weichen Lippen auf den Mund. Ich legte meine Hände um ihre Taille und zog sie an mich. Das war ein schöner Moment.
Wir verabschiedeten uns und ich lief zurück zu L. Mit dem hatte ich dann nochmal eine Stunde, bevor er ein Meeting für die Uni hatte und ich nach Hause fuhr. Wir setzten uns aufs Sofa und L. rückte ganz nah an mich heran. Deckte uns mit eine Decke zu, schwang seine langen Beine um mich und umarmte mich. Er sagte: „Ich verstehe jetzt auch besser, was du mit „Beziehungsarbeit“ die ganze Zeit meintest. Wir reden einfach über uns. Ich habe bemerkt, wir gut mir diese Gespräche mit dir tun. Wie viel Klarheit und Sicherheit die schaffen. Und wie verbunden ich mich durch sie mit dir fühle.“
Wir zückten unsere Kalender und fingen an, Zeiten für unsere Dates in den nächsten drei Wochen zu blockieren. Im Anschluss fragte er mich: „Ich würde auch S. gerne demnächst wiedersehen. Ist das für dich in Ordnung? Und wie fühlt sich das für dich an?“ Für mich war in das Thema S. Entspannung reingekommen, dadurch, dass ich wusste, dass die zwei keine romantische Ebene miteinander haben. Das sagte ich ihm auch nochmal. Und dass ich daher mit der Affäre kein Problem habe, solange er dafür sorgt, dass das so bleibt. Zum Beispiel, indem er mit dem richtigen Mindset auf die Dates mit S. geht. Und selbst darauf achtet, ob es romantisch wird zwischen den beiden.
Ich erzählte ihm auch, dass ich mich bei ihm schon unsicherer fühle, wenn er auf Dates geht, als das zum Beispiel bei G. der Fall ist. Er fragte mich, woran das liegt. Meine Vermutung ist, dass es einerseits daran liegt, dass die Beziehung mit L. noch so neu ist und ich mich daher insgesamt einfach nicht so sicher fühle. Und, dass ich in L. frisch verliebt bin, was sich ganz anders anfühlt als die Liebe, die ich für G. fühle, mit dem ich seit 8 Jahren zusammen bin.
In der Nacht danach verarbeitete ich dann anscheinend nochmal einiges zum Thema S., denn ich wachte mit einem ergänzenden Gedanken auf. Ich schickte L. eine Sprachnachricht und bat darum, dass zumindest jetzt am Anfang die Dates mit S. mit etwas Vorlaufzeit geplant werden – von mindestens einer Woche. Um mir die Möglichkeit zu geben, mich darauf einzustellen, mich emotional darauf vorzubereiten, und auch nochmal mit L. ins Gespräch zu gehen, falls das nötig ist.
Kurz darauf meldete sich L. per Sprachnachricht und erzählte mir, dass er mein Anliegen nachvollziehen kann. Gleichzeitig hätte S. ihn gefragt, ob er am kommenden Samstag, also in drei Tagen, Zeit und Lust für ein Konzertdate hätte. Er fragte mich, was meine Gedanken dazu sind.
Ich meldete mich erst am Nachmittag wieder bei ihm, weil ich einen streng getakteten Arbeitstag hatte und von Meeting zu Meeting huschte. Dann schickte ich ihm eine Sprachnachricht und sagte, dass ich gerne hätte, dass er am Samstag nicht auf das Date geht. Weil ich gerne hätte, dass wir jetzt die Dinge einfach mal richtig machen. Dass er mit S. nach einem Termin in 1-2 Wochen sucht, mit mir darüber spricht, ich mich darauf einstellen kann. Und dass er mich nicht schon wieder überrumpelt und mir etwas zu schnell geht.
Er war natürlich enttäuscht und das hörte ich seiner anschließenden Sprachnachricht auch an. Aber er akzeptierte meinen Wunsch und war am Samstag auf keinem Date mit S. Und irgendwie war es für mich auch wichtig, zu sehen, dass er sich so verhält. Dass er für mich auf das Date verzichtet, obwohl er sich etwas anderes wünschen würde. Dass er auf mich Rücksicht nimmt und sichergeht, dass es jetzt in unserer Beziehung gut läuft. Dass er die aufgebaute Sicherheit zwischen uns nicht kaputt macht.
Auf jeden Fall liefen die ganzen Gespräche und auch alle sonstige Kommunikation zwischen mir und L. so gut ab in der letzten Woche, dass ich mich richtig pudelwohl mit ihm fühle, voll verliebt bin, und wir jetzt eine ganz andere Basis miteinander haben, als das noch vor sechs Wochen der Fall war.
L. liebt mich und ich bin ihm unheimlich wichtig. Das spüre ich in allem, was er sagt, und wie er sich verhält. Es ist ein schönes Gefühl, so geliebt zu werden, gleichzeitig auch sexuell so begehrt zu werden, und dann eben von ihm verbal und durch Berührungen genau das gezeigt zu bekommen – in meinen Love Languages.
Die Love Story geht also weiter und das macht mich gerade sehr glücklich.
Clara
Es freut mich für euch, und ganz besonders für dich, dass da wieder ein gutes Gefühl ist und L. verstanden hat, worum es geht, und sich entsprechend verhält. Ich hoffe, die entspannte Zeit hält weiterhin an und du findest in deine volle Kraft zurück.
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Vielleicht liegt es bei mir daran, dass ich nicht poly lebe, aber wenn ich deine Beiträge lese denke ich oft, dass deine Art Beziehungen zu führen sehr anstrengend sein muss. Wenn man sich um mehrere Beziehungen kümmern muss hat man irgendwo immer Probleme und die können einem dann schnell über den Kopf wachsen. Es verunsichert und überfordert dich und dann triffst du Entscheidungen, die die anderen Partner einschränken. Ganz ehrlich? L zu bitten auf den Konzertbesuch zu verzichten finde ich schon ziemlich egoistisch. Oft wird er das nicht mitmachen, befürchte ich.
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