Ehrlich zu sich selbst sein

Es ist schon eine ganze Woche her, seit ich das letzte mal gebloggt habe. Seitdem ist viel passiert, die Woche hatte ihre Hochs und Tiefs.

Letzte Woche hatte ich Besuch von einer Freundin aus Amerika. Am Dienstag hatten wir geplant auf eine Burg zu fahren, die ich selbst noch nicht gesehen hatte. Die Idee kam von F., daher fragte ich ihn, ob er auch Zeit und Lust hätte, mitzukommen. Zu dritt verbrachten wir den ganzen Tag. Nachmittags fragte ich F., ob er Lust hätte am Sonntag für mich zu kochen, da ich die nächsten Tage auf einem Festival sein würde und am Sonntag erst wiederkommen würde und ihn gerne sehen würde und eh nichts zum Essen daheim haben würde. Zudem bin ich zur Zeit viel auf Reisen oder habe Besuch bei mir und kann ihn daher nicht so oft treffen. Von F. kam leider nur negatives zurück. Er wisse nicht ob er was veganes kochen könne. Nudeln mit Soße sei langweilig. Alles andere auch. Ins Internet zu gehen sei umständlich. Vegetarisch geht ja noch, aber vegan… (Wie oft ich diesen Satz schon gehört habe in meinem Leben -.-) Ich war enttäuscht. Und verletzt, weil er auch nicht vorgeschlagen hatte, stattdessen was anderes miteinander zu machen. Ich schmollte ein bisschen vor mich hin. Bis er irgendwann sagte, dass sei ja wieder typisch Frau, einfach beleidigt zu sein, anstatt zu sagen, was einen stört. Also sagte ich, was mich störte. Er meinte, er hätte ja nie gesagt, dass er keine Lust hätte, mit mir zu kochen. Stimmt so schon, aber dass er Lust drauf hat hat er auch nicht gesagt, geschweige denn in anderer Form kommuniziert, dass Lust hat, mich zu sehen. Bei mir kommt eben auch nur das an, was kommuniziert wird. Ich kann von meinen Partnern nicht verlangen, sich zu ändern oder auf alle meine Bedürfnisse einzugehen und mir alles zu geben, was ich brauche, aber ich kann verlangen, dass man mir das Gefühl gibt, geliebt zu werden (egal ob freundschaftlich oder romantisch) und demjenigen wichtig zu sein. Vollkommen unabhängig davon, in was für einer Beziehung ich zu dem Menschen stehe. F. macht das nicht immer. Nach unserem Gespräch letzter Woche sagte er dann, dass er mich schon sehen wolle, aber sich den Sonntag nicht frei halten will, weil er ja noch nicht wisse, ob er was unternehmen wolle. Natürlich fühle ich mich da weder geliebt noch wichtig, wenn man sich nicht mal einen Abend für mich freihalten kann. Das ist sehr verletzend. Und dass er dann noch meinte, dass er sich den Abend dann eben freihalten würde, weil ich sonst wieder beleidigt sei, macht die Sache nicht besser. Also sagte ich komplett ab. Und verabredete mich stattdessen mit V., die sich freute, dass ich sie fragte. Ich möchte F. schon wiedersehen, mit ihm Sex haben, mit ihm feiern gehen. Aber er ist nicht der richtige für intensive Gefühle. Das ist schwer zu akzeptieren, weil er echt ein netter Kerl ist und ich ihn ultra anziehend finde. Aber mit seiner kühlen Art komme ich nicht klar. Ich fühle mich nicht wohl so und brauche mehr offenkundig kommunizierte Zuneigung. Und ich bin irgendwie stolz, dass ich mir zum ersten mal einfach klar darüber bin, was ich brauche und was mir gut tut, und dann solche Entscheidungen für mich treffe. Ehrlich mit mir selbst bin. Und nicht ewig einem Menschen hinterher renne, der mir gar nicht geben kann, was ich brauche. Ich finde, das ist ein großer Schritt in meiner persönlichen Entwicklung.

Letzten Mittwoch hatte ich abends mein zweites Date mit dem wunderbaren G. Ich lud ihn zu mir auf ein Glas Wein ein und sagte ihm, dass er aber nicht bei mir schlafen könne, weil V. nachts spät von der Arbeit kommen würde und bei mir schlafen wollte. Wir setzten uns auf mein Sofa und quatschen über dies und das. Viel über die Uni, weil wir einen ähnlichen Studiengang besuchen und beide die Klausuren hinter uns gebracht hatten. Kommendes Semester werden wir sogar einen Kurs zusammen besuchen. Ziemlich witzig. Auf unserem ersten Date hatte ich G. davon erzählt, dass ich letzte Jahr mal 5 Tage lang nur Bananen gegessen hatte – eine Art Fastenkur. Anscheinend hatte ich er das seit unserem letzten Date auch mal für drei Tage ausprobiert. Er hatte voll die Verstopfungen davon bekommen hahaha. Anscheinend waren die Bananen, die er da aß, nicht richtig reif. Oh Gott ich hab mich so kaputt gelacht. Aber finde es total cool, dass er es ausprobiert hat. 99% der Leute, denen ich sowas erzähle verdrehen die Augen, finden das total bescheuert mal sowas auszuprobieren und haben null Interesse daran, es selbst zu tun. G. ist da anders. Der probiert alles. Vegan ernährt er sich ja auch schon hauptsächlich. Auf dem Weg zu mir ist er bei meinem Lieblingsfalafelladen vorbeigegangen und kam hier total aufgelöst an. Das wäre der beste und geilste Falafeldürüm gewesen, den er je gegessen habe. Mit Hummus drauf und Petersilie und alles ist frisch gemacht. Wie glücklich man die Menschen mit Kichererbsen machen kann!

Wir unterhielten uns echt gut. Knutschten ein bisschen rum. G. hat anscheinend erst ziemlich wenig Erfahrung mit Frauen, aber er verhält sich sehr selbstbewusst und küssen tut er auch gut. Ich könnte mir schon vorstellen mal mit ihm zu schlafen, aber irgendwie hab ich Lust, mir da mit ihm Zeit zu lassen. Ich find ihn total attraktiv und anziehend, aber ich mag seinen Charakter umso mehr und das mehr, je besser ich ihn kennenlerne. G. ist voll das „boyfriend material“. So jemand, dem ich total vertrauen könnte, mit dem ich mich pudelwohl fühle, in den ich mich verlieben könnte. Der viele meiner Werte teilt. Ich weiß nicht, ob er überhaupt auf der Suche nach einer Beziehung ist, oder ob er ein Problem damit hätte, dass ich nicht offen für eine monogame Beziehung bin. Alles Dinge, die ich rausfinden werde. Leider sehen wir uns erst wieder Ende Oktober, weil er während der Sommerferien bei seiner Familie in der französischen Schweiz ist und ich ab Ende August bis Mitte Oktober auf Reisen sein werde.

Es ist total interessant, wie unterschiedlich man sich verlieben kann. Bei manchen hat man so diesen total Crush, man ist total verknallt, bevor man sich überhaupt kennt. In manche verliebt man sich schnell, aber sanft, meist weil man den Menschen emotional nahe kommt, man sich mit ihnen wohl fühlt und schöne Erinnerungen miteinander sammelt. In manche Menschen verliebt man sich wegen ihres Charakters, weil sie einfach liebenswert sind. Und in andere obwohl ihres Charakters.

Als G. los musste, um noch die letzte Verbindung nach Hause zu bekommen, verabschiedeten wir uns mit langen Küssen im Treppenhaus. G. hat einen total durchtrainierten Körper und einen lieben Blick. Ihn da im Stehen zu Küssen und seinen muskulösen Oberkörper zu umarmen war schön. Wir kamen gar nicht voneinander los. Irgendwann fragte er mich „are you sure you don’t want me to stay?“. Natürlich wollte ich, dass er blieb! Aber ich hatte ja schon V. gesagt, dass sie bei mir schlafen kann, und darauf freute ich mich auch. Ich finde man muss zu seinen Entscheidungen stehen. Ich mag Leute nicht, die ständig umspringen, Termine kurzfristig umschmeißen, nicht verlässlich sind und so weiter. Also bin ich so auch nicht.

Ich machte mich danach bettfertig und legte mich schlafen. V. kam um halb zwei nachts in mein Zimmer geschlichen, zog sich aus und kroch zu mir unter die Bettdecke. Wir kuschelten uns aneinander und schliefen morgens lange aus. Wir tranken zusammen noch einen Hafercappuccino und ich packte meine Sachen für das Festival fertig, auf dem ich bis gestern war. V. überließ ich für die Zeit, in der ich auf dem Festival war, meine Schlüssel. Sie hat einen neuen Job in einem Restaurant und kommt selten vor 1 von der Arbeit. Zu der Zeit fahren keine Bahnen mehr zu ihr nach Hause, ich wohne allerdings nur 15 Minuten zu Fuß vom Restaurant entfernt. Daher wird sie in nächster Zeit wohl öfter bei mir schlafen. Aber irgendwie find ich das schön.

Als ich auf dem Festival war, rief ich sie einmal auf dem Handy an und wir plauderten ein bisschen. Die Beziehung mit V. ist ganz schön fest geworden. Der einzige andere Mensch, der an dem Wochenende etwas von mir hörte, war meine Schwester, weil die Geburtstag hatte. V. will ich erzählen, was in meinem Leben vorgeht und ich will, dass sie ein Teil davon ist.

Am Sonntagabend gingen V. und ich zu meinen Eltern zum Abendessen. Mein Papa backte vegane Pizza. Meine Mutter war nicht da, aber ich fand es trotzdem schön, dass V. da so unkompliziert ist und einfach mitgekommen ist. Keine Angst vor meiner Familie hat. Ich will meiner Familie zwar schon die Menschen vorstellen, die mir wirklich wichtig sind, aber so steif ist das alles nicht. Meine Großeltern kamen auch und wir gingen nach dem Essen noch ein bisschen mit meiner dementen Oma spazieren. Ich nahm Oma an die eine Hand und V. an die andere. Tanzte mit Oma auf der Straße, streichelte mit ihr eine Katze, umarmte V. während des Gehens, genoß die Abendstimmung.

Danach fuhren wir zu mir, räumten zusammen mein Zimmer auf, wuschen das dreckige Geschirr weg. Dann machte ich ruhige Musik rein: The Album Leaf – Forward/Return. Ich massierte V.’s Füße und Beine mit Massageöl. Und ihre Hände. Ließ mir viel Zeit damit. Sie hatte die Nacht davor genau so wenig geschlafen wie ich und ich wollte ihr einfach was gutes tun. Wollte, dass es ihr gut geht. Sie genoß es total und entspannte sich. Danach kuschelten wir ein wenig. Ich hatte sie nicht massiert, weil ich mit ihr schlafen wollte, aber als wir dann kuschelten gab ich zu, allein von der Fußmassage schon wuschig geworden zu sein. Wir redeten viel über M. mit dem Fußfetisch und sie witzelte, dass ich ja vielleicht auch einen habe. Habe ich glaube ich nicht. Mich machen einfach Berührungen scharf, egal wo. Wenn ich andere Menschen berühre und mich darauf konzentriere macht mich das wuschig, und wenn mich andere berühren genauso. Ich kann auch von Berührungen an so gut wie jeder Körperstelle zum Orgasmus kommen. Daher meinte ich auch zu M., dass ich von so einer Fußmassage, wie er sie mir gab, sicher kommen könnte, wenn ich in der richtigen Stimmung wäre. Und Füße sind total sensibel. Ich liebe es, wenn man beim Sex meine Füße berührt, insbesondere die Fußsohlen. Mein Exfreund hat das mal rausgefunden und das ein bisschen ausgekostet und das war immer sehr gut.

Ich küsste V.s Hals und ihr Decolleté, streichelte ihren Bauch und ihre eingeölten Beine. Wir entschieden, schlafen zu gehen. Ich zog sie auf mich, wir küssten uns. Ich liebe es, diese Frau zu küssen. Diese weichen Lippen, die Art, wie sie an meiner Unterlippe knabbert und zieht, die Berührung ihrer Zunge an meiner. Ich kriege davon nicht genug. Ich würde sie am liebsten immer küssen und überall und ohne Pause. Wir versuchten nochmal aus dem Bett zu kommen, aber als sie am Bettrand saß setzte ich mich hinter sie und zog sie an mich. Streichelte ihren Nacken und ihr Schlüsselbein, ihre Brüste und ihren Bauch. V. stöhnte auf. Wir küssten uns, heißer. Ich zog ihr Oberteil aus. Leckte und saugte an ihren Brustwarzen, bis ihr Körper bebte. Küsste ihren Bauch entlang, leckte ihren Hals und ihr Ohr. Wir zogen uns aus. Streichelten uns am ganzen Körper. Bevor sie mir überhaupt mal zwischen die Beine gelangt hatte, war ich schon zweimal gekommen. Einmal, als sie mir die Brüste streichelte, und einmal, als sie mir das Ohr leckte. Ich war wie in Trance. Als ich anfing sie zu lecken, fühlte ich jede Berührung mit ihr mit. Ich spürte, warum sie ihr Becken bewegte, wenn ich bestimmte Dinge mit ihr machte. Ich bebte mit, wenn ihr etwas besonders gefiel und sie stöhnte und sich wälzte. Wenn sie ihre Beine gegen meinen Kopf presste und ihr Becken hob. Und als sie kam, kam ich mit. Psychisch war ich voll mit dabei. Spürte ihre Wellen mit, spürte die Hitze, spürte den Orgasmus abflachen. Sie zum Kommen zu bringen war für mich so intensiv, dass ich danach vollkommen befriedigt neben ihr aufs Bett fiel. Obwohl ich selbst nur ein paar kleinere Orgasmen gehabt hatte, die mich normalerweise auf gar keinen Fall befriedigen würden, war ich total entspannt, befriedigt, glücklich, müde und verliebt. Und sagte ihr das. Auch letzteres. Und sie lächelte mir in die Augen und küsste mich. Ich hab mich so glücklich gefühlt in dem Moment.

Das war sicherlich eine der schönsten Nächte, die ich je hatte. Sex auf so einer mentalen Ebene hatte ich zwar schon, aber nicht so durchdringend und intensiv wie gestern.

Heute morgen jammerte V. ein bisschen rum, dass sie diese Woche zwar nicht arbeiten müsse, aber schon wieder total viele Verabredungen hatte und ihr das fast zu viel sei. Ich riet ihr, einfach wieder welche abzusagen, und nur das zu machen, was sie wirklich wolle. Ich habe diese Woche nochmal Besuch von einer Freundin aus USA und bin dann ab Mitte der Woche in Budapest bis Montag. V. fragte mich, ob wir uns vielleicht nicht doch nochmal wiedersehen könnten, bevor ich nach Ungarn fahre. Ich lud sie für Mittwochabend zum Abendessen ein und freue mich jetzt schon riesig, sie wiederzusehen. Auch wenn ich viel lieber Zeit mit ihr verbringen würde als mit der Freundin aus USA. V. tut mir gerade echt gut, ich fühle mich stark, wenn ich bei ihr bin, und es fühlt sich gut an, so liebevoll behandelt zu werden. Ich fühle mich geliebt. Und ich weiß, dass ich ihr wichtig bin.

Verbringt die Zeit, die ihr habt, mit Menschen, die euch dieses Gefühl geben. Alle anderen sind unwichtig.

Eure Clara

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  1. Avatar von Ava Ava sagt:

    Danke für die letzten zwei Sätze. Man kann sich dies gar nicht oft genug ins Gedächtnis rufen.

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