Wellness und Luxus

Fast drei Monate sind seit meinem letzten Blogeintrag vergangen. Zwischendurch war ich mehrmals am Überlegen, ob ich den Blog nicht einfach löschen sollte. Immerhin fehlt mir sowohl die Inspiration als auch die Zeit, um spannende, fesselnde Geschichten zu erzählen. Und das Gefühl, das in meinem Leben Erzählenswertes passieren würde, habe ich schon lange nicht mehr. Natürlich stimmt das so nicht. Es ist eher das Gegenteil der Fall. Doch Erzählenswertes, das zum Thema dieses Blogs und der Art und Weise, wie ich ihn in der Vergangenheit gestaltet habe, gibt es weniger.

Ich bin ein bisschen eine Polyamorie-Oma geworden. Alles hat sich so eingespielt und passt eben und funktioniert und macht Spaß und macht mich glücklich. Nur die krassen, aufregenden Zeiten sind gerade vorbei.

G. und ich feiern nächste Woche unser einjähriges. Ich fühle mich, als wären wir schon viel länger zusammen. Wir sind so vertraut wie ein altes Ehepaar, haben unsere Streitereien, arbeiten im Team an unserer gemeinsamen Zukunft, und lieben und vertrauen uns wie nie zuvor.

In unserer Quasi-Ehe ist S. ein festes Puzzleteil geworden. Erst vor einigen Wochen habe ich sie ein paar Freunden zum ersten mal als „meine Freundin“ vorgestellt. Ehrlich gesagt war mein Verhalten zu dem Zeitpunkt etwas plump. Ich hatte weder vorgefühlt, ob es für sie okay wäre, wenn ich sie so vorstellen würde, noch hatten wir jemals darüber gesprochen, was für eine Art von Freundschaft oder Beziehung wir eigentlich miteinander führen. S. hatte zum Glück nichts dagegen, auch wenn sie die Bezeichnung unpassend fand, weil sie sofort anfing, unsere Beziehung mit der von mir und G. zu vergleichen. Was grundsätzlich fast immer ein blöder Gedanke ist. Beziehungen kann man nicht vergleichen. Und Gefühle auch nicht.  Mit Beziehungen ist es in etwa wie mit Süßigkeiten. Schokolade ist super lecker, und Gummibärchen sind super lecker. Wenn man nur eines von beidem essen dürfte, würde man das jeweils andere vermissen. Vergleichen kann man es dennoch nicht, weil beides unheimlich lecker und zuckrig ist, und auf seine Weisen das Leben versüßt. Klar, wenn morgen G. mit mir Schluss machen würde, wären eine tolle Beziehung, große Hoffnungen und viele Zukunftspläne dahin. Wenn S. mich nicht mehr sehen wollen würde, dann vor allem eine schöne Beziehung. Dennoch wäre ich traurig und bestürzt und wünschen würde ich mir diesen Ausgang nicht.

Die viel größere Herausforderung ist für mich geworden, dass ich nun im Berufsleben angekommen bin. Das bedeutet zunächst einmal, dass ich um ein vielfaches weniger Freizeit habe. Die letzten zwei Monate habe ich dann eben jede freie Minute mit den vielen Dingen, die ich in meiner Freizeit gerne mache, vollgestopft und letzte Woche dann die Krise bekommen. Auch wenn ich kein Einzelgänger bin und die Gesellschaft von anderen Menschen liebe, schöpfe ich meine Kraft aus dem Alleinsein. Wenn die Zeit alleine zu kurz kommt, fühle ich mich gestresst, unwohl, kann schlecht schlafen, bin leicht reizbar und kann weder im Job noch in der Partnerschaft alles geben, was ich gerne möchte. Deswegen faste ich gerade Menschen. Ich schlafe seit Freitag in meinem Bett alleine. Na gut, mit Ausnahme von Sonntag, da hat sich G. in mein Bett gemogelt. Aber die letzten Tage in meine wunderbare WG heimzukommen, keine Pläne zu haben, und die Zeit mit einem guten Buch verbringen zu dürfen, ist für mich Wellness und Luxus zugleich.

Natürlich kann ich nicht ewig zu allen Menschen in meinem Leben sagen, dass ich sie nicht sehen möchte. Aber ich werde lernen müssen, mir meine Freiräume zu schaffen. Davon profitieren nicht nur meine psychische und körperliche Gesundheit, sondern auch meine Partner. Denn nur dann kann ich der Partner für sie sein, der ich gerne wäre.

Wie ich das praktisch umsetzen werde, ist mir selbst auch noch nicht klar. Aber mir zumindest an zwei oder drei Abenden der Woche keine Pläne vorzunehmen, ist sicherlich ein guter Anfang.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie bringt ihr eure Beziehungen, euren Job und euer sonstiges Engagement unter einen Hut? Über alles Tipps und Erfahrungen wäre ich sehr dankbar.

Macht’s gut,

Clara

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ich persönlich muss mich oft wundern, was manche alles in ihrer Freizeit so machen. Ich hätte dafür gar keine Kapazitäten und kann deine Worte hier sehr gut verstehen. Ich glaube, ich hatte dir sogar mal einen Kommentar geschrieben, dass ich nicht schlecht gestaunt habe, was du neben deiner Abschlussarbeit noch so alles gemacht hast. Wahrscheinlich ist es aber tatsächlich oft ein Job der erste sehr große Einschnitt, bei dem man einiges zurückschrauben muss. Außerdem habe ich das Gefühl, dass gerade die heutige Arbeitswelt ganz schön krass geworden ist. Man arbeitet oft keine Zeit mehr ab, sondern Aufgaben, die gar nicht in den offiziellen Zeitrahmen passen.

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    1. Hallo, danke für deine lieben Kommentar. Ich glaube du hast voll Recht. Den ersten Job anzunehmen ist ein ziemlicher Schnitt und ab da funktionieren manche Dinge einfach etwas anders. Es fühlt sich gut an, zu wissen, dass man da nicht alleine dasteht und nicht alleine so fühlt. LG, Clara

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  2. Avatar von sircumalot9in sircumalot9in sagt:

    Hat dies auf sircumalot9in's Blog rebloggt.

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