Eigentlich ganz leicht

Am Mittwoch rief mich mittags mein Onkologe an und teilte mir mit, dass mein Fall in der Tumorkonferenz ausführlich besprochen worden war. Mir wurde empfohlen, gleich am Folgetag mit der kombinierten Immuntherapie zu starten. Ich schrieb daher im Anschluss meiner besten Freundin, weil ich bei ihr übernachten würde. So musste ich am Donnerstagmorgen nicht so früh aufstehen, denn sie wohnt nur 10min zu Fuß von der Klinik entfernt.

Da sie und L. in der gleichen Stadt wohnen, schrieb ich auch L. und wir verabredeten uns zu einem Treffen. Ich wollte endlich wissen, was jetzt Sache war. Entschied er sich für unsere Beziehung? Welche Rolle wollte er da einnehmen? Beendete er die Sache mit S.? Nach seinem zögerlichen Verhalten bei unserem letzten Date war ich mir überhaupt nicht mehr sicher, ob wir nach diesem Treffen noch zusammen sein würden. Entweder, weil er vielleicht tatsächlich nicht aufhören wollte, S. zu daten. Oder auch, weil ich die Beziehung nicht mehr wollte. Und ehrlicherweise hatte ich deswegen auch echt Angst vor dem Treffen. Weil ich ihn eigentlich echt nicht verlieren wollte, aber eben auch nicht um jeden Preis behalten.

Wir trafen uns am Bahnhof und liefen gemeinsam in ein Café in der Nähe. Dort war es zum Glück relativ ruhig, sodass wir gut miteinander reden konnten. Wir kamen recht schnell zur Sache, nachdem ich ihm kurz einen Abriss der medizinischen Neuigkeiten von mir gegeben hatte.

L. fiel es sichtlich schwer, in Worte zu fassen, was ihm durch den Kopf ging. Und deswegen war seine Kommunikation sehr durcheinander und alles andere als klar. Ich verstand daher erst nach einiger Zeit, was er mir sagen wollte: Dass er überhaupt keine Zweifel daran hat, dass er mich in seinem Leben haben will und mich auf keinen Fall verlieren will. Dass er vollstes Verständnis dafür hat, dass es in meiner jetzigen Situation eben Dinge geben kann, die nicht so gut funktionieren oder für mich schwieriger sind als sonst. Dass ihm die Beziehung mit mir viel wichtiger ist als die Freundschaft+ mit S. Und dass es für ihn daher außer Frage steht, dass er S. nicht mehr weiter daten wird, wenn das für mich gerade nicht geht. Dass er da natürlich schon Gefühle der Enttäuschung empfindet, weil er sich für mich und für sich selbst etwas anderes wünscht. Aber das nicht ändert, dass er zu mir steht und für mich bereit ist, sich einzuschränken, wenn das nötig ist.

Ich war natürlich sehr erleichtert. Gefühlt stand das Thema dennoch weiterhin zwischen uns und es war noch keine Entspanntheit zwischen uns. Diese Verbundenheit, die wir sonst fühlen, war noch nicht wiederhergestellt.

Für mich war noch wichtig, ihm zu kommunizieren, dass ich seine zögerliche Art bei unserem letzten Date verletzend fand. Wenn das alles so klar für ihn war, warum war es das dann nicht schon am Sonntag? Warum hatte er mir am Sonntag noch gesagt, er müsse sich Gedanken darüber machen, ob es egoistisch von ihm ist, wenn er datet?

Ich sagte ihm auch, dass er die Freundschaft mit S. auch einfach auf das freundschaftliche reduzieren könnte, wenn er sie als Freundin nicht verlieren will und ihm die Freundschaft wichtig ist. Darüber wollte er sich Gedanken machen.

Nach dem Gespräch gingen wir noch gemeinsam etwas zu Abend essen. Wir waren irgendwie ein bisschen verkrampft miteinander, weil er noch in Gedanken hing und anscheinend noch Zeit brauchte, ein paar Dinge zu sortieren. Dennoch fragte ich ihm, ob er mich am Folgetag zu meiner Infusion ins Krankenhaus begleiten könnte. Eigentlich hätte mich meine Schwester begleiten sollen, doch die lag mit einer starken Grippe im Bett. Ich hatte daher Ls. gefragt, doch die konnte mich nur morgens zur Blutentnahme begleiten und danach wäre ich alleine. L. freute sich darüber, dass ich ihn darum bat, mitzukommen, und sagte zu. Es freute ihm, weil er gerne für mich da sein will, und selbst auch bemerkt, dass ich mich bei ihm bisher zurückhalte, um Unterstützung oder Hilfe zu bitten, wenn ich sie brauche.

Wir verabschiedeten uns und ich lief weiter zu meiner besten Freundin. Dort putzten sie und ich uns die Zähne, legten uns in ihr Bett, redeten noch ein bisschen über ihren und meinen Krebs, und gingen dann schlafen. Ich konnte lange nicht einschlafen, weil ich wegen der Infusion nervös war. Bei den letzten Infusionen hatte ich immer Panikattacken bekommen und sehr starke Nebenwirkungen entwickelt. Ich habe wirklich Angst, dass das wieder so kommt.

Morgens frühstückte ich noch bei meiner Freundin eine Kleinigkeit, bevor ich loslief und Ls. abholte. Gemeinsam spazierten wir zur Klinik. Mir wurde der Venen-Zugang gelegt, Blut entnommen. Ich erzählte den Ärzten von den Panikattacken bei den letzten Infusionen und bat darum, dass ich die Infusion entweder in einem Einzelzimmer bekäme oder sie mir ein Beruhigungsmittel verabreichten. Glücklicherweise war an dem Tag einer der Ärzte im Urlaub, sodass ein Sprechstundenzimmer frei war. Dort konnte ich die Infusion später bekommen.

Danach liefen Ls. und ich zu ihr nach Hause, wo wir uns um ihren Sohn kümmerten, auf dem Sofa chillten, Kaffee tranken, mit ihrem Mann P. redeten, und einfach den Vormittag verbrachten. Nach der Blutentnahme habe ich immer etwa 4h Wartezeit auf die Blutwerte und bis die Infusion bestellt und verfügbar ist. Die nicht in der Klinik verbringen zu müssen, sondern im Haus von Ls. und P. sein zu können, macht für mich einen riesigen, positiven Unterschied. Dort kann ich mich auch mal hinlegen und eine Runde schlafen, wenn ich will. Oder mich an einen Tisch setzen und etwas arbeiten, wenn ich das möchte. Und ich bin einfach in einer schönere Umgebung und bei Menschen, die ich gern habe. Und nicht in einem kühlen Krankenhaus-Wartezimmer.

Um die Mittagszeit lief ich dann wieder zurück zur Klinik und traf dort L. Ich hatte noch kurz die Gelegenheit, mit der Oberärztin über die gestrige Tumorkonferenz zu reden und über die verschiedenen Therapien, die bei mir jetzt anstehen. Das war gut, denn sie hat mir alles nochmal in aller Ausführlichkeit erklären können und ich fühlte mich gut aufgehoben.

Dann war es Zeit für meine Infusion. L. und ich wurde von der Pflegekraft in das freie Sprechstundenzimmer gebracht, die erste von 5 Infusionen wurde angestöpselt und los ging’s. Ich fragte noch, wie lange die Infusion insgesamt dauern würde, und wurde überrascht: Bisher hatte das immer eine Stunde gedauert. Heute stünden mir 2,5h bevor, weil es insgesamt 5 Durchläufe sein würden. Zum Glück war ich nicht allein und hatte L. bei mir.

L. stellte sich als unheimlich gute Begleitung heraus. Er fing mich gut auf, wenn die Panik hochkam oder ich mich gestresst fühlte. Er nahm mich in den Arm, wenn ich das brauchte. Setzte sich neben mich, wenn das das Richtige war. Versorgte mich mit Snacks und Essen. Füllte meine Wasserflasche auf. Holte die Schwester, wenn das Infusionsgerät piepste, mir schwindlig wurde, oder ich aufs Klo musste.

Er war eine gute Unterstützung und ich fühlte mich sehr wohl mit ihm.

Da die Infusion so viel länger dauerte als geplant, kam ich etwas in die Bredouille, was eine für 16 Uhr geplante Moderation von mir anging. Diesen Termin kann ich leider nicht verschieben. Da ich von der Klinik fast eine Stunde nach Hause brauchte, würde ich es nicht mehr rechtzeitig nach Hause schaffen. Ich rief daher Ls. an und fragte, ob ich mich für die Moderation bei ihr an einen Tisch setzen konnte. Sie bejahte sofort.

Also rannte ich nach der Infusion wieder zurück zu Ls., verabschiedete mich unterwegs von L., fuhr bei Ls. mein Notebook hoch, und machte dort die Moderation.

Um 18 Uhr war alles geschafft, ich klappte mein Notebook zu und ging zu Ls. und P. ins Esszimmer, die gerade zu Abend aßen. G. war auf dem Weg hierher, um mich abzuholen. Es würde aber noch fast eine Stunde dauern, bis er da war. Als P. und Ls. fertig gegessen hatten, räumten die zwei den Tisch ab und Ls. fragte P.: „Kannst du den Kleinen für eine Stunde nehmen, damit ich noch eine halbe Stunde mit Clara kuscheln kann?“ Ich wurde ein bisschen rot bei der Aussicht darauf und freute mich.

Wir gingen in Ls.‘ Zimmer und kuschelten uns in ihr Bett. Sie nahm mich in den Arm und ich bettete mein Gesicht auf ihre warme Brust. Mein Kopf wurde gekrault, meine Stirn geküsst, und ich streichelte ihren Rücken. Wir redeten nicht viel, sondern genossen einfach die körperliche Nähe und die paar Minuten Ruhe.

Bei Ls. und P. fühle ich mich inzwischen, als wäre ich Teil der Familie. Ich bin bei ihnen daheim jederzeit willkommen, auch ohne Voranmeldung. Egal, ob ich einfach einen Ruheplatz brauche, einen Tisch zum Arbeiten, ein Bett zum Schlafen, ein Sofa zum Wartezeit überbrücken. Ich darf mich am Kühlschrank bedienen, wenn ich Hunger habe. Und mir Kaffee kochen, so viel ich will. Die zwei machen meine ganze Situation erheblich leichter und ich bin so dankbar für deren Unterstützung. Und für deren Freundschaft.

Als G. klingelte, verabschiedeten Ls. und ich uns mit langen, warmen Umarmungen und Küssen auf die Wange. G. und ich schlenderten danach ein bisschen durch die Stadt, gingen in einem netten Restaurant Salat und Flammkuchen essen, aßen auf einer Parkbank ein Eis in der Waffel vom Eisladen, und fuhren dann zurück nach Hause. Im Auto rief mich L. an. Er hatte gerade mit S. telefoniert und wollte mit jemanden darüber reden. Ich fand es schön, dass er mich anrief und das Bedürfnis hatte, mir direkt davon zu erzählen. S. hatte am Telefon leider gar nicht gut reagiert und vieles in den falschen Hals bekommen. Irgendwann hatte sie einfach aufgelegt. Ich riet L., ihr etwas Raum zu geben und sie morgen nochmal anzuschreiben. Insgesamt wirkte er aber total entspannt. Zwar fände er es schön, wenn er mit S. befreundet bleiben kann. Aber wenn das von Seiten S. nicht geht, ist es kein Weltuntergang. Wichtiger ist ihm, dass das mit mir geklärt ist und unsere Beziehung nicht mehr unter der Affäre leidet. Er wirkte in dem Gespräch total klar und das fand ich schön.

Obwohl es ein Kliniktag war, war daher der Tag eigentlich echt schön. Ich hätte ihn mit allen drei Beziehungsmenschen verbracht, die es bei mir aktuell gibt:

Ls., mit der ich eine innige Freundschaft teile, die gerade natürlich wegen des Babies etwas loser und weniger intim ist. Gleichzeitig haben wir angefangen, uns immer wieder Nudes zu schicken und auch in unseren Signal-Unterhaltungen auf die sexuelle Anziehung zwischen aus einzugehen. Sexting würde ich es noch nicht nennen, aber der Vibe ist da und wir genießen ihn beide. Uns verbindet außerdem ein ganz tiefgehender Respekt und eine riesige Wertschätzung füreinander. Eine tolle Basis, um die Freundschaft leben zu lassen und zu schauen, wie sie sich weiterentwickelt.

L., mit dem die Beziehung sich immer noch frisch und neu anfühlt. Mit dem ich noch herausfinden muss, wie ich ihn genau in mein Leben integriere, obwohl wir nicht zusammenleben. Der diese Woche zum Glück bewiesen hat, dass seine Prioritäten an der für mich richtigen Stelle liegen und dass er für mich da sein will.

G., mit dem ich gerade trotz der Krankheit viel Spaß und viel Sex habe. Der mich umsorgt und mich unterstützt. Und mit dem mich bald 8 Jahre Beziehung verbinden.

Am Freitag waren G. und ich tagsüber alleine daheim. Ich war am Montag mit meiner Freundin T. shoppen gewesen, weil wir eventuell bald gemeinsam auf eine Party in einem Swingerclub in der Nähe gehen würden und T. nichts passendes zum Anziehen hatte. Ich kaufte mir gleich zwei Outfits: Ein schwarzes, kurzes Kleid mit einem durchsichtigen Ausschnitt vorne bis unter die Brust und am Rücken bis zum Po. Und einen schwarzen, durchsichtigen, langen Rock, den man einfach über passende sexy Wäsche ziehen kann.

Ich zeigte G. die Outfits und holte mir die Komplimente ab, die ich hören wollte. Mich in den Outfits zu sehen, mich selbst sexy zu fühlen, machte mich selbst so geil, dass ich im letzten Outfit zu ihm sagte: „And will you fuck me now?“ Das ließ er sich nicht zweimal sagen.

Wir knutschten in meinem Zimmer rum, bis seine Hand zu meiner Vulva fuhr. Ich sagte ihm, dass er mich übers Bett beugen soll. Er schob mich auf allen Viere und ich streckte ihm meine Vulva entgegen. Er stimulierte meine Klitoris, bis ich feucht war wie das Meer. Er fingerte mich ausgiebig und irgendwann hatte ich auch ein oder zwei Finger im Po. Dann ging er zu meiner Sextoy-Kiste, holte Gleitgel und den lila Dildo, der zu meinem Strap-on gehört. Kurz darauf schob er mir den Dildo in den Po und mehrere Finger in die Vagina. In rhythmischen Bewegungen brachte er mich so mehrmals zum Orgasmus. Zum Schluss stimulierte ich auch noch meine Klitoris, bis ich meinen letzten, heftigen Orgamus in die Welt hinausschrie.

Danach lag ich einige Minuten keuchend und erschöpft auf meinem Bett. Wir kicherten zusammen. Das war dreckig und sexy und wild gewesen und hatte Spaß gemacht.

Wir gingen den Dildo und unsere Hände waschen. Dann zog ich G. aus, setzte mich vor ihm aufs Bett und blies ihm einen. Ich legte ihn aufs Bett, zog ihm ein Kondom über, und fing an, ihn zu reiten. Ich bewegte mich auf ihm, kam mehrmals, doch er nicht. Er war irgendwann auch einfach überstimuliert. Also kuschelten wir einfach noch eine Weile und genossen die Nacktheit miteinander.

Danach zogen wir uns wieder an und wurstelten beide im Haus umher. Erledigten dies und das oder auch gar nichts.

Am Nachmittag war ich irgendwie schon wieder horny. G. chillte gerade auf seinem Bett und las die Nachrichten auf seinem Smartphone. Ich zog mich vor seinen Augen aus und legte mich nackt neben ihn. Sofort fuhren seine Hände über meinen Körper. G. liebkoste und verwöhnte mich, bis ich genug hatte, mich zuckend meine After-Orgasmus-High hingab und anschließend der süßen, matten Erschöpfung. Nach etwas Erholungszeit zog ich G. aus und verwöhnte ihn mit meinen Händen, bis sein cremiges Sperma über meine Finger lief und ihm auf den Bauch tropfte.

In meinem Kalender tracke ich übrigens, wann ich mit wem Sex habe. Das sind private Kalendereinträge mit einem Herzchen, wo jeweils G.s oder L.s Name dahintersteht. Angefangen habe ich damit für den Fall, dass mit der Verhütung doch mal was schief gehen sollte ich wissen muss, wer der Vater ist. Also bekam G. an dem Tag zwei Herzen. Ist nicht das erste mal in den letzten zwei Monaten und hoffentlich auch nicht das letzte mal.

Um 16 Uhr klingelte es an der Tür. Ein verschwitzter L. stand da und lächelte mich an. Er war mit dem Rennrad hergefahren, was ihm jedes mal, wenn er das macht, echt gut tut. Ich finde L. sehr sexy, wenn er verschwitzt ist. Und in seinen engen, körperbetonten Rad-Outfits erst Recht. Leider fühlt sich L. so verschwitzt eher unwohl, weshalb es mir bisher nicht vergönnt war, ihn in diesem Zustand aus seinem Outfit zu schälen und zu vernaschen. Das bleibt also vorerst meine süße Phantasie.

Er duschte sich kurz und kam dann zu G. und mir in den Garten, wo wir G.s frisch gebackenen Rhabarberkuchen aßen und Kaffee tranken. Wir redeten ein wenig über dies und das, bis G. wieder ins Haus ging und L. und mich alleine ließ.

Die Nähe und Verbundenheit zwischen uns war wieder voll da. Wir unterhielten uns gut und er erzählte auch nochmal etwas zu S. Sie hätte sich am Donnerstagabend nochmal bei ihm gemeldet und sich entschuldigt, dass sie am Telefon so schlecht reagiert hätte. Es scheint, als hätte ich sie auch ein Interesse daran, dass die zwei sich freundschaftlich trafen. Ehrlich gesagt fände ich das auch für L. schön, denn er hat außer mir kaum Menschen in seinem Leben, mit denen er über tiefere Themen und Gefühle reden kann. Wie zum Beispiel darüber, was meine Krankheit auch mit ihm macht.

Er erzählt mir, dass ihm meine Situation große Angst macht. Am Nachmittag wäre er alleine daheim gewesen und hätte beim Gedanken an mich und den Krebs lange weinen müssen. Deswegen hatte ich aus heiterem Himmel auch eine Nachricht von ihm erhalten mit dem Inhalt: „Ich liebe dich, Clara“. Da hatte ich mich schon gewundert, woher das plötzlich kam, so ganz ohne Kontext. Mit S. hatte er darüber reden können. Mit seinen männlichen Freunden fehlt da die Basis. Und mit A. kann er darüber auch nicht reden, weil sie gar nicht auf seine Gefühle eingeht, nicht für ihn da ist, sondern im Gespräch über meine Krankheit nur über ihre eigenen Gedanken redet und ihm nicht den Raum gibt, über seine Gedanken und Gefühle zu reden.

Die Beziehung mit A. beschrieb er am Freitagnachmittag so: „A. ist nur noch meine Mitbewohnerin. Wir leben zusammen, aber sie hat kein Interesse an mir, geschweige denn daran, an unserer Beziehung zu arbeiten. Und ich habe auch kein Interesse mehr an ihr und an der Beziehung mit ihr. Wir reden miteinander nur noch über die Geschichten von ihrem Job und die Probleme mit ihrer Affäre. An mir und meinen Themen zeigt sie überhaupt kein Interesse. Also rede ich mit ihr auch nicht darüber, was in meinem Leben passiert.“ L. ist sich nicht mehr sicher, ob das mit A. noch eine Zukunft hat.

Er sagte mir: „Mit dir kann ich über alles reden, was mich bewegt. Das ist einer von vielen Gründen, warum du mir so wichtig geworden bist. Die Beziehung mit dir gibt mir ganz viel.“ Mit A. hat er das nicht und ich bin mir nicht sicher, ob er es jemals hatte. Das macht mich traurig – und L. gerade erstmal nachdenklich. Es ist für ihn zu früh, um Entscheidungen zur Beziehung mit A. zu treffen. Ich bin sehr gespannt, wie er da weiter verfahren wird. Ob und wann er das Gespräch mit A. suchen wird. Ob er mit ihr zusammenbleibt oder sich die Wege der beiden irgendwann trennen. Ich wünsche mir einfach, dass es L. gut geht und versuche trotz all meiner Kritikpunkte an A. differenziert und einigermaßen neutral zu bleiben in den Gesprächen mit ihm. Er muss für sich herausfinden, was er will und da bin ich zwar gerne Gesprächspartnerin, aber handeln muss am Ende ja er selbst.

Später kochten L. und ich in der Küche zusammen, was echt Spaß machte. Ich koche gerne mit ihm. Wir machten ein Dhaal mit Reis, G. backte dazu Garlic Naan. Es schmeckte himmlisch.

Nach dem Essen machte ich mir und G. einen alkoholfreien Aperol Spritz. G. ging hoch in sein Zimmer, um Fußball zu schauen. L. holte sich ein Bier und wir setzten uns für einen Moment aufs Sofa und quatschten miteinander. Ich find’s so schön, dass uns bisher die Themen einfach überhaupt nicht ausgehen. Wir können auf unseren Treffen reden und reden und reden und finden immer wieder neue Themen miteinander und lernen uns immer weiter und besser kennen.

Irgendwann sagte ich leise zu ihm: „Wollen wir jetzt hoch in mein Bett gehen? Ich würde gerne mit dir kuscheln und deine nackte Haut an meiner nackten Haut spüren.“ Er lächelte mich an. Wir gingen gemeinsam hoch, legten uns eng aneinander geschiegt in mein Bett, knutschten rum und streichelten uns. Aus dem Kuscheln wurde ganz langsam mehr. Wir zogen uns nach und nach aus. Wir genossen ein ausgiebiges Vorspiel und liebkosten uns mit unseren Fingern, Lippen, Zungen. Wir ließen uns viel Zeit miteinander. Irgendwann holten wir ein Kondom und landeten – wie so oft – in der Missionarsstellung miteinander.

L. meinte irgendwann zu mir: „Ich find’s ja irgendwie schon komisch, dass unser Sex einfach jedes mal gleich abläuft. Aber währenddessen bin ich jede Sekunde so überwältigt davon und es ist so intensiv, dass ich noch nie gelangweilt war oder mir währenddessen irgendwas anderes gewünscht hätte.“ Mir geht das genauso. Der Sex mit ihm ist so wahnsinnig innig und intensiv, dass ich immer nur dann über all die Dinge, die ich gerne mal mit ihm ausprobieren will, nachdenke, wenn ich gerade nicht bei ihm bin. Und eigentlich finde ich das richtig schön. Dass ich nach 7 Monaten Sex mit diesem Mann immer noch komplett überwältigt davon bin. So sehr, dass es neue Sexpraktiken und Experimente einfach noch nicht braucht.

In der Nacht mit L. schlief ich nicht so gut. Er schlief total unruhig, weshalb auch ich immer wieder aufwachte. Einmal wachte ich mit Gedanken an meinen Krebs auf, fühlte Angst und Einsamkeit in meiner Brust, und kuschelte mich daher näher an ihn ran. Im Schlaf legte er seinen Arm um mich und zog mich an seine Brust. Er weiß davon nichts mehr, aber für mich war das ein total schöner Moment. Ich fühlte mich geborgen und nicht mehr so alleine mit meinem Kram.

Als morgens der Wecker klingelte, waren wir beide müde, aber hatten es trotzdem genossen, beieinander zu sein. Wir kuschelten uns wach und ich erinnerte uns daran, wie wir im Februar zusammen im Allgäu gewesen waren, ich morgens früher aufgestanden war als er, geduscht und Kaffee getrunken hatte, und mich dann nochmal nackt zu ihm ins Bett gelegt hatte, um ihn aufzuwecken. „Oh ja, das war schön“, sagte L.

Ich trug ein dunkelblaues Schlafkleid aus weichem Stoff und keine Unterwäsche darunter und meinte daher: „Naja, mit dem Kleid, das ich trage, bin ich ja auch fast nackt.“ „Stimmt.“, sagte L. und fuhr mit seiner Hand unter meinem Kleid an meinen Po und meinen Rücken. Ich zog mir mein Kleid über den Kopf, L. zog sich sein Schlafshirt aus. Er legte sich auf mich und mein Körper reagiert sofort darauf. Ich liebe es, seine Haut auf meiner zu spüren und wie sein Körpergewicht mich in die Matratze drückt. Wir küssten uns und ich streichelte seinen haarigen Rücken.

„Schläfst du nochmal mit mir? Ich will dich so gerne nochmal in mir spüren.“

„Sehr gerne.“

Und so schliefen wir nochmal miteinander. Ganz langsam, als gäbe es nur ihn und mich. Obwohl wir so gut wie kein Vorspiel hatten, spürte ich ihn total intensiv, spürte, wie meine Vagina sich entspannte, ihn aufnahm und umschlang, und seine Bewegungen empfang. Es war einfach echt schön mit ihm.

„Ich liebe dich, L.“

„Ich liebe dich, Clara.“

Erst, als wir später aus meinem Zimmer schlüpften, um uns die Zähne putzen zu gehen, bemerkten wir, dass G. keine 10 Meter entfernt im Büro saß und an einem seiner Bilder arbeitete. Mit offener Tür. Er muss also alles gehört und mitbekommen haben. Ich machte mir sofort Sorgen, ob es ihm damit gut ging.

L. und ich tranken noch einen Kaffee zusammen. Dann stieg L. wieder in seine Fahrradkleidung, verabschiedete sich von mir und sauste davon.

G. und ich frühstückten danach zusammen. Ich fragte ihn, wie er mit dem Date von L. klargekommen war. Vor allem, weil er den Sex ja wohl ganz direkt mitbekommen hatte. G. war total entspannt. Es hatte ihm nichts ausgemacht. Er war nicht eifersüchtig und es hatte keine negativen Gefühle bei ihm ausgelöst.

Es ist schön, dass G. sich mit mir so sicher fühlt im Moment. Ich nehme die Check-ins mit ihm seit unseren Gesprächen im Senegal sehr ernst, frage ihn immer wieder danach, wie es ihm in Bezug auf L. geht, warne ihn vor, wenn L. zu uns kommt, erzähle ihm vorher von unseren Plänen, damit er sich darauf einstellen kann, und gebe ihm durch die vielen Gespräche Sicherheit und ein Gefühl von Geborgenheit. Das Investment in unsere Beziehung fühlt sich für mich klein an. Es sind viele kurze Gespräche, die wir führen. Aber die Regelmäßigkeit und die Ehrlichkeit haben einen großen Effekt auf ihn und mich.

G. geht kommende Woche übrigens auch auf ein Date. Ich hatte kurz gezögert, ob ich L. davon erzählen soll, weil ich Angst hatte, dass er sich irgendwie unfair behandelt fühlt, dass G. auf ein Date gehen kann und er nicht. Seine Reaktion war aber: „Ich verstehe total, dass das mit G. etwas anderes ist, weil ihr ja viel länger zusammen seid und eine ganz andere Basis miteinander habt. Von daher fühle ich mich gerade nicht unfair behandelt und es löst auch sonst nichts negatives in mir aus.“ Ich werde das aber bei unserem Treffen trotzdem nochmal zum Thema machen. Mir ist wichtig, dass er sich da nicht einfach irgendwas denkt, sondern mich versteht.

Das Date von G. löst in mir überhaupt keine Unsicherheiten oder Eifersucht aus. Eher freue ich mich einfach sehr für ihn, dass er endlich mal wieder einen Kontakt hat und auf ein Date gehen kann. Die Frau scheint echt interessant zu sein und das finde ich toll.

Dennoch hatten auch G. und ich einige Gespräche dazu, bevor er sich verabredet hat. Er hat natürlich alles, was mit L. abgelaufen ist, mitbekommen. Daher fragte er mich auch von sich aus, ob ein Date für mich gerade überhaupt möglich ist. Oder ob er das lieber zu einem späteren Zeitpunkt machen soll. Ich weiß bei G. mit aller Sicherheit, dass er im Zweifel mich und unsere Beziehung immer über seine Dates stellen würde. Und die lange Beziehung, die gute Kenntnis voneinander, die vielen Male, wo er schon gedatet hat, bringen eine viel größere Sicherheit und ein größeres Vertrauen in unsere Beziehung, als das bei L. der Fall ist. Deswegen ist es nicht vergleichbar und deswegen fühlt sich sein Date für mich ganz anders an als die Dates, die L. mit S. geplant hatte.

Ich sage das oft: „Jede Beziehung ist anders.“ Das ist selbst dann der Fall, wenn beides mal ich selbst involviert bin. Das darf man nie vergessen. Und deswegen ermahne ich sowohl G. und L. immer wieder, sich und unsere Beziehung nicht zu viel zu vergleichen.

Denn das bringt überhaupt nichts.

Clara

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Avatar von Schnipsel Schnipsel sagt:

    Jetzt musst du „nur“ die Immuntherapie gut wegstecken, dann scheint (erst Mal) alles gut zu sein. Ich drück ganz fest die Daumen!

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse einen Kommentar