Liebe & liebevolle Freundschaft

Anmerkung: Den nachfolgenden Text habe ich als Brain Dump geschrieben im Sinne des therapeutischen Schreibens, d.h. die Gedanken einfach fließen lassen und mitgeschrieben. Es kann daher sein, dass der Text Gedankensprünge oder Lücken enthält. Ich habe während des Schreibens unter anderem folgenden Song gehört: https://open.spotify.com/intl-de/track/2re2Mw6acXYsuVU1pgHAAN?si=fcb21f2dfc7c45d2

In drei Tagen bin ich wieder daheim. Je näher die Heimreise rückt, desto schwieriger wird es für mich, abends einzuschlafen. Denn je näher die Heimreise rückt, desto näher rückt auch ein Wiedersehen mit L.

Das macht mich sehr nervös, denn ich weiß nicht, wie es ihm in der „Pause“ erging und was er jetzt will. Hat er durch die Pause gemerkt, dass er mit mir zusammen sein will? Hat er mich vermisst? Oder kommt beim nächsten Wiedersehen die eigentliche Trennung auf mich zu, weil er mich gar nicht so sehr vermisst hat oder gemerkt hat, dass er viel lieber single sein möchte, als sich zu binden?

Vor diesem Wiedersehen habe ich Angst, denn ich kann null kontrollieren, was da passieren wird. Das Gefühl von Kontrollverlust macht mich wahnsinnig. So abhängig davon zu sein, was L. entscheidet, gefällt mir gar nicht. Deswegen fühle ich mich ausgeliefert und irgendwie machtlos.

Die erste Woche der Reise mit G. war wirklich schwierig für mich. Mich hat quasi ALLES an L. erinnert und mir ging es echt elendig. Nicht mal Musik habe ich hören können, weil es kaum Musik gibt, die mich nicht an ihn erinnert.

In Woche zwei wurde es dann etwas besser und ich hatte endlich auch den Kopf, mich mehr auf G. zu konzentrieren. So sind G. und ich uns während der Reise auch wieder nähergekommen. Wir haben viele emotionale, aber auch wichtige Gespräche miteinander führen können. Heute fühle mich ihm wieder mehr verbunden, was auch den Weg dafür ebnet, dass wir uns auch körperlich wieder näherkommen können. Aufgrund der vielen grenzüberschreitenden Erfahrungen, die ich mit ihm im letzten Jahr gemacht habe, geht das nur in ganz ganz ganz langsamen Schritten. Aber wir haben im Urlaub einen Weg gefunden, wie wir das zu 100% daran orientieren, wie wohl ich mich fühle und was sich für mich richtig anfühlt. Und es tut gerade wegen der Erfahrung mit L. gut, da G.‘s Commitment zu spüren.

G. und ich sind gerade in einer Phase in unserer Beziehung, in der wir uns neu erfinden und unsere Beziehung neu definieren müssen. Wir sind jetzt seit fast 9 Jahren ein Paar. Die Honeymoon-Phase ist längst vorüber und auch die Honeymoon-Wellen, die unsere Hochzeit vor 2 Jahren nochmal ausgelöst hat, sind vorbei. Diese hochromantischen Gefühle kommen schon auch immer mal wieder, aber sie sind nicht mehr so allgegenwärtig, dass wir unsere Beziehung hierauf basieren können und sollten.

Stattdessen sind wir in einer liebevollen Freundschaft angekommen. Uns verbinden gemeinsame Werte, eine große Wertschätzung füreinander, eine gemeinsame Vision für unser Leben, eine hohe Verbundenheit, gegenseitige Unterstützung. Obwohl wir gerade während meiner Krankheit im letzten Jahr durch schlimme Tiefen gegangen sind, haben wir nie aufhört, liebevoll miteinander umzugehen und aufeinander zu achten. Ich glaube, dass das unsere größte Stärke als Paar ist. Dass wir selbst dann, wenn es uns richtig schlecht geht oder wir uns gegenseitig gerade richtig blöd finden, wir trotzdem nett zueinander sind und uns jederzeit Mühe miteinander geben. Dass wir uns lieber verletzbar machen und in ein ehrliches Gespräch gehen, als uns zu distanzieren, abzublocken und fies zu werden.

Ich war in dieser Phase einer Beziehung noch nie mit jemandem. Ich war noch nie so lange mit jemandem zusammen. Ich bemerke für mich, dass der Rückgang von starken romantischen Gefühlen, von „Verliebtheit“, leider auch dazu führt, dass ich weniger Lust auf Sex mit G. habe. Ich finde, das ist nachvollziehbar. Wenn sich die Beziehung mit G. wie eine wunderschöne und enge Freundschaft anfühlt, warum sollte ich dann Sex mit ihm haben?

Gleichzeitig fände ich es total schön, wenn Sex wieder ein regelmäßigerer Bestandteil unserer Beziehung wird. Es gilt also herauszufinden, wie wir da jetzt zusammenfinden können und was sich richtig anfühlt. Dass das nicht in einer Hauruck-Aktion funktioniert, ist eh klar. Ich gehe mit G. gerade den Weg, dass wir einfach viel darüber reden und im gemeinsamen Austausch herausfinden, wie der Weg in die Zukunft aussehen könnte.

Genau dieses Reden über all diese Themen hat mich G. in den letzten drei Wochen wieder nähergebracht. Mit jedem Gespräch fühlte ich mich sicherer mit ihm. In jedem Gespräch haben wir etwas über uns gelernt und ein weiteres Puzzleteil gefunden.

Glücklicherweise habe ich da in G. einen wahnsinnig geduldigen Menschen, der okay damit ist, dass dieser Prozess Zeit braucht und dass ich mir damit Zeit lassen will.

Jetzt neigt sich unsere Reise dem Ende zu. Wichtig für G. und mich wird es sein, auch danach, back im Alltag, genügend Raum und Zeit für diese Gespräche zu finden. Im letzten Jahr haben wir das nicht gut hinbekommen. Daran sind wir beide schuld. G., weil er grundsätzlich das Gespräch nicht mit mir sucht und auch nicht dafür sorgt, dass wir uns in ein passendes Setting begeben. Und ich, weil ich meinen Fokus viel zu sehr auf L. gelegt habe, weil das im letzten Jahr einfacher, spannender und erfüllender war. Und, weil es mir natürlich auch einfach nicht gut ging und ich daher öfter das getan habe, was mir gerade guttut und kurzfristig Erleichterung von meinen Leiden verschafft, als das, was langfristig für G.‘s und meine Beziehung gut gewesen wäre. Dafür fühle ich mich auch nicht schlecht, denn letztendlich habe ich getan, was ich in dieser Ausnahmesituation gebraucht habe.

Ich hatte mit L. vor meiner Reise ausgemacht, dass er sich zwei Tage nach meiner Rückkehr bei mir melden würde. Heute Morgen habe ich mich dann entschieden, mich an diese Abmachung nicht zu halten. Ich habe ihm eine Sprachnachricht geschickt, um zu fragen, ob und wann wir uns nächste Woche treffen und wie es ihm geht. Und ich habe mich verletzlich gemacht, indem ich mit ihm geteilt habe, wie es mir während der Reise ergangen ist, bzw. wie schlecht es mir während den drei Wochen erging. Die aktive Kommunikation in seine Richtung gibt mir gerade zumindest ein kleines bisschen das Gefühl von Kontrolle. Natürlich bin ich weiterhin voll davon abhängig, was er sagen wird, aber immerhin kann ich so den Prozess und den Umgang ein bisschen beeinflussen und warte nicht nur. Das hat mir ein bisschen Erleichterung gebracht und den Stress ein wenig gemildert.

Ich habe für mich noch nicht entschieden, wie ich mich nächste Woche verhalten werde, je nachdem, was er da sagt. Ich bin niemand, der immer die nächsten 10 Schritte durchspielt. Aber ich weiß sehr klar, was ich will und was nicht.

Ich weiß, dass ich ihn sehr vermisse. Die Sache mit L. war nicht immer einfach – aber welche Beziehung ist das schon am Anfang? Ich erinnere mich daran, dass G. und ich zu Beginn auch gute 2 Jahre gebraucht haben, bis wir alle unsere Basisdiskussionen durchhatten. Danach war unsere Beziehungsbasis aber so fest gebaut, dass sie bis heute gehalten hat und wir immer weiter darauf aufbauen konnten.

Ich weiß auch, dass ich nur dann mit ihm zusammen sein will, wenn er das auch will und sich damit sicher ist. Ich will keinen Partner, der ständig zweifelt und deswegen auch weniger in die Beziehung investiert als ich. Eine klare Vision der Zukunft braucht er nicht, aber die Offenheit und den Willen, diese gemeinsam zu entwerfen.

Und ich weiß auch, dass ich den Fokus auf G. nicht mehr so verlieren will wie im letzten Jahr. Die Beziehungen müssen mehr in Balance stehen, als das der Fall war.

L. tut mir insgesamt gut und ich habe ihn echt gerne in meinem Leben. Natürlich hoffe ich daher darauf, dass er mir sagen wird, dass er die Pause genutzt hat, zu reflektieren und sich auszuprobieren, und sich jetzt sicher mit mir ist. Sollte das nicht sein Fazit sein, kommt da nächste Woche die nächste Verletzung und Enttäuschung auf mich zu. Und vielleicht die eigentliche Trennung. Auf den Liebeskummer danach freue ich mich nicht. Das war jetzt während der Reise schon hart. Ein endgültiges Aus wäre noch härter. Vor allem, weil ich das nicht will.

Also drückt mir die Daumen und Herzen, dass das alles gut geht. Ein bisschen Glück habe ich nach der ganzen Scheiße vom letzten Jahr auch verdient, finde ich. Und einen L., der mich zurückliebt und meinen Wert erkennt und die Beziehung unbedingt will, genauso.

Clara

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